Kronach
Bildung

G8 oder G9? Die Entdeckung der Langsamkeit

G8 oder G9? Zukünftig sollen die Schulen entscheiden dürfen. Überstürzen möchte das Kultusministerium dabei aber nichts.
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Wohin geht es mit G8 und G9? Das ist die Frage, vor der die beiden Kronacher Gymnasien stehen. Foto: Armin Weigel/dpa
Wohin geht es mit G8 und G9? Das ist die Frage, vor der die beiden Kronacher Gymnasien stehen. Foto: Armin Weigel/dpa
Eine Frage, auf die es keine falsche Antwort gibt - wahrscheinlich der Traum eines jeden Schülers. Doch beantwortet werden muss sie in den kommenden Monaten von den Schulen. Jedenfalls sofern es so kommt, wie es sich Kultusminister Ludwig Spaenle vorstellt. Anfang August präsentierte der CSU-Politiker die Grundsatzentscheidung des Kabinetts, nach der der Weg zum Abitur am Gymnasium sowohl acht (G8) als auch neun (G9) Jahre dauern darf. Die Entscheidung liegt bei den Schulen.

Doch ehe die erste G9-Klasse den Unterricht aufnimmt, dürften noch einige Schreibhefte bis auf die letzte Zeile gefüllt werden. "Das liegt noch in sehr weiter Zukunft", sagt etwa Renate Leive, Schulleiterin des Kronacher Kaspar-Zeuß-Gymnasiums. "Erstmal müssen wir die Rahmenbedingungen abwarten."


Stimmungsbild entwickeln

Im Dezember oder im Januar 2017 soll es zunächst eine Entscheidung der CSU-Fraktion darüber geben, ob und welche Punkte von Spaenles Eckpunktepapier durchgewunken werden. "Sollte sie sich für den Vorschlag entscheiden, werden anschließend die Rechtsgrundlagen geändert", erklärt Ludwig Unger, Pressesprecher des Kultusministers, den Fahrplan - der noch hypothetisch ist. Doch angesichts der absoluten Mehrheit der CSU im Landtag dürfte eine Zustimmung ebenso sicher sein wie das morgendliche Klingeln zum Stundenbeginn. Stimmt der Landtag zu, sollen die Schulen ab Sommer nächsten Jahres ein Stimmungsbild entwickeln - sofern sie etwas verändern wollen. "Einige humanistische Gymnasien wollen zum Beispiel gerne bei G8 bleiben", sagt Unger.

Noch sei es viel zu früh, um klare Aussagen über die zukünftige Ausrichtung des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums zu treffen, so Renate Leive. "Vor 2018/2019 wird das wohl sowieso nichts werden. Aber nach meiner G8-Erfahrung halte ich meine Hand für nichts mehr ins Feuer", scherzt sie. Doch Unger beruhigt.

Das Schuljahr 2018/2019 werde das früheste, in dem das neue Modell starten kann. Denn aus der Erfahrung mit der G8-Einführung habe das Ministerium gelernt. "Da war das Vorgehen suboptimal, alles ging zu schnell. Die Schulen wurden nicht optimal mitgenommen", sagt der Pressesprecher.

Nun wolle Spaenle keine Torschlusspanik erzeugen. "Die eine Schule will vielleicht schnell auf G9 umsteigen, die andere gar nicht und die nächste womöglich erst in einem Jahr. Da soll kein Druck entstehen", erklärt Unger. "Die Schulen sollen sich Zeit lassen, damit nicht unreflektiert gehandelt wird." Auch zwei oder gar drei Jahre später soll es noch möglich sein, einen Antrag auf G9 beim Kultusministerium zu stellen. Wenn die Rechtsgrundlagen geschaffen sind, hätten die Schulen mindestens ein Jahr Zeit. "Das ist eine Menge", sagt Unger. "Da kann man in Ruhe mit Schulverbandsträgern diskutieren und alles auf den Weg bringen."


Weniger Nachmittagsunterricht

Zunächst sei ihre Schule ohnehin erst damit beschäftigt, den neuen Lehrplan einzuführen, erklärt Leive: "Ich könnte mir aber vorstellen, dass unsere Tendenz zu G9 geht." Für die Schüler mit einem weiteren Schulweg wäre es dadurch wahrscheinlich um einiges entspannter. "Auch wenn sie dann ein Jahr mehr die weiten Wege in Kauf nehmen müssen", so Leive. "Aber dann gäbe es weniger Nachmittagsunterricht." Vor einer solchen Entscheidung stehe aber ein intensiver Dialog mit Schülern, Eltern und Lehrern an. Da sich das KZG intensiv um das Pilotprojekt "MittelstufePLUS" bewarb, das G9 seit zwei Jahren theoretisch schon wieder möglich macht, wäre es wohl keine Überraschung, wenn G8 dort bald der Vergangenheit angehören würde.

Denn mit einem Jahr mehr Schulzeit hat das Frankenwald-Gymnasium (FWG) offenbar positive Erfahrungen gemacht. Drei von vier Klassen der achten Stufe unterrichten inzwischen nach "MittelstufePLUS". "Das ist sehr gut angenommen worden und ein klarer Wegweiser. Da ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir uns für G9 entscheiden", sagt FWG-Schulleiter Klaus Morsch, der sich aber ebenso wie seine Kollegin am Kaspar-Zeuß-Gymnasium zurückhaltend gibt. Auch er möchte zuerst alle Schulgremien anhören. "Wir wollen ja schließlich eine Lösung, mit der alle leben können", betont er.

Einig sind sich Leive und Morsch auch darin, dass es im G9 für Schüler, die schneller vorankommen möchten, die Möglichkeit geben sollte, eine Klasse zu überspringen. "Es wäre schön, wenn es für solche Fälle ein Unterstützungskonzept gibt", hofft Leive.


Zwei Schulen, ein Angebot?

Offen ist allerdings, ob das Ministerium es den beiden einzigen Gymnasien eines Landkreises gestatten wird, das gleiche Angebot zu haben. "Es tut mir leid, dass ich da nicht genauer drauf antworten kann, aber es wäre vermessen, wenn ich da jetzt vorgreifen würde", sagt Pressesprecher Unger dazu.

Noch gibt es einiges zu überdenken - und das zu einer Frage, auf die es eigentlich keine falsche Antwort gibt.
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