Kronach
Ermittlung

Die Arbeit gegen den Verkehrstod auf Kronacher Straßen

Seit Januar sind im Kronacher Straßenverkehr fünf Menschen gestorben. Damit es weniger werden, sorgt neben der Verkehrspolizei auch die hiesige Unfallkommission für mehr Sicherheit.
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Eine Unfallkommission soll dazu beitragen, dass es zu möglichst wenigen Unfällen im Landkreis Kronach kommt. Foto: Hendrik Steffens
Eine Unfallkommission soll dazu beitragen, dass es zu möglichst wenigen Unfällen im Landkreis Kronach kommt. Foto: Hendrik Steffens
Fünf Menschen starben in diesem noch jungen Jahr auf den Straßen im Landkreis Kronach. Im gesamten vergangenen Jahr waren es zwei. Ist der tragische Anstieg Zufall oder stecken Sicherheitslücken im hiesigen Verkehr dahinter? Solchen Fragen geht die Kronacher Unfallkommission nach.

Das kleine Büro im Obergeschoss der Polizeiinspektion am Kaulanger ist gleichzeitig eine Informationszentrale der Kronacher Unfallkommission. Straßenkarten mit unterschiedlichen Markierungen hängen an der Zimmerwand. Gegenüber lagern in einem Schrank dicke Aktenordner mit Unfallprotokollen und -statistiken der vergangenen Jahre. Das Kernstück der Polizeiarbeit für die Sicherheit im Straßenverkehr aber ist der Computer, in dem jeder landkreisweit geschehene Unfall der letzten Jahre mit Zeitpunkt, Art und Ort vermerkt ist.


Eine traurige Verkettung

"Hier können Sie genau sehen, was wann passiert ist", sagt Polizeihauptkommissar Georg Pabstmann und weist auf die virtuelle Landkreis-Karte mit den 352 farbigen Punkten auf seinem Bildschirm hin. So viele Unfälle sind im Zuständigkeitsbereich der Kronacher Polizeiinspektion in diesem Jahr bereits passiert.

Wenn Pabstmann über die Suchmaske die tödlichen Unfälle abruft, bleiben vier im Gebiet der Kronacher Polizeiinspektion stehen: Auf der B 85 zwischen Kronach und Weißenbrunn starb ein Radfahrer beim Überqueren einer Straße. Auf der St 2200 zwischen Friesen und Dörfles wurde ein Pannenhelfer überfahren. In Küps erfasste ein Wagen im Dunkeln eine Fußgängerin. Und zwischen Fischbach und Vogtendorf verunglückte zuletzt ein Motorradfahrer, der von einem Autofahrer übersehen wurde. Der fünfte Verkehrstote starb bei einem riskanten Überholmanöver auf der B 85 im Bereich der Ludwigsstädter Polizeiinspektion.


Keine echten Schwerpunkte

Eine Reaktion auf derartige Unglücke ist die stete Forderung an die Polizei, Straßen sicherer zu machen. Aber: "Jeder dieser fünf Fälle ist furchtbar, doch es gibt keinerlei Zusammenhänge oder konkrete Handlungsansätze für uns", analysiert Pabstmann. Die fünf tödlichen Unfälle seien nicht an typischen "kritischen Punkten" geschehen.

Sein Kollege Andreas Müller, der selbst einige der Unfälle aufgenommen hat, stimmt zu: "Man muss sagen, dass es traurige Verkettungen ungünstiger Umstände waren." Das bestätigt die Lage der fünf Punkte auf dem Bildschirm des Computers ebenso wie die dicken Aktenordner in der Schrankwand, in denen die Unfallprotokolle verwahrt werden.

Seit 15 Jahren macht die Kronacher Unfallkommission ihre Arbeit. Ins Leben gerufen wurde sie im Jahr 2000 - im Zuge der Forderung des damaligen Innenministers Günther Beckstein, die Zahl der Verkehrstoten zu senken. Neben dem Polizisten Georg Pabstmann gehören Günter Holzmann vom Landratsamt und Horst Deuerling vom staatlichen Bauamt zu der Unfallkommission für den Kreis Kronach. Nach und nach haben es die Beamten nach eigener Aussage geschafft, jeden der früheren Unfallschwerpunkte im Kreis weitgehend zu entschärfen.
Zwar gebe es immer wieder mal eine Ansammlung von Unfällen an bestimmten Orten. "Unfallschwerpunkte", die diesen Namen in all seiner Intensität verdient hätten, gebe es im Landkreis aber nicht mehr, meint Pabstmann.

Höchstens so genannte Unfall-Häufungslinien. Das sind Strecken von je einem Kilometer, auf denen innerhalb weniger Jahre mehrere schwere Unfälle passieren. Aber: "Auf ein und demselben Kilometer können zehn Unfälle passieren, ohne dass einer im Bezug zu einem anderen steht", gibt der Polizeihauptkommissar zu bedenken.
Die Punkte, an denen es regelmäßig aus den gleichen Gründen knallte, sind Geschichte. Er erinnert sich an schlimme Einsätze, weil es auf einer der Staatsstraßen am Rennsteig mal wieder gekracht hatte. Darauf reagierte die Unfallkommission mit überdimensionalen Stoppschildern und Geschwindigkeitsbegrenzungen. Der kritische Bereich der Staatsstraßen 2198 und 2207 bei Nordhalben sei durch den Kreisverkehr entschärft worden. "Da hat's immer wieder heftig gescheppert, bis die Problematik erkannt und behoben wurde", meint Müller.


Konsequenzen gezogen

Um Risikostellen schnell zu erkennen und zu beheben, speisen Kronacher Beamte jeden Unfall in ihrem Bereich zeitnah in das System der Unfallkommission ein. Die Daten laufen bei einer zuständigen Stelle im Polizeipräsidium Mittelfranken zusammen. Von dort aus erhält das für Coburg und Kronach zuständige staatliche Bauamt jedes Jahr eine Auswertung mit allen Unfällen auf Bundes- und Landstraßen. Zusätzlich gibt es alle drei Jahre eine zusammenfassende Aufstellung, die in Fachkreisen als "Dreijahreskarte" bekannt ist und auf Grund des längeren Zeitraums einen genauen Überblick über Unfallhäufungspunkte gibt.

Und genau hier setzt die Arbeit der Unfallkommission ein. Die Mitglieder werten die Karte aus, beziehen Polizeiberichte mit ein, fertigen Unfallauswertungsskizzen an, machen eine Ortsbesichtigung und leiten dann Maßnahmen ein, die zu einer Verringerung der Unfälle führen sollen. Doch dabei sind sie auf Mithilfe aus der Bevölkerung angewiesen.

Der Risikofaktor "Nummer 1" sei immer noch überhöhte Geschwindigkeit. Ferner müsse man an Einmündungen immer vorsichtig sein und auf Strecken, die für Wildwechsel bekannt sind. "Und diese Dinger da weglegen", sagt Müller und weist auf das Mobiltelefon des Reporters. Immer häufiger sei zu vermuten, dass bei Unfällen der Blick am Gerät statt auf der Straße klebe Künftig soll in Verdachtsfällen überprüft werden, ob etwa zum Unfallzeitraum eine SMS geschickt wurde.
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