Kronach
Jubiläum

Der erste Flieger wurde selbst gebaut

Der Aero-Club Kronach feiert am Wochenende sein 80jähriges Bestehen mit dem großen Flugplatzfest. Neben vielen Infos rund ums Fliegen und um die Historie wird auch ein Hubschrauber erwartet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Im Jahr 1934 fing die Fliegerei am Kreuzberg richtig an. In der Modellschreinerei Popp und Schmidt baute man sich selbst ein Segelflugzeug vom Typ Grunau 9. Auf dem Bild sind Baptist Popp, Albert Simon, Baptist Hempfling und Peter Popp zu sehen. Foto: privat
Im Jahr 1934 fing die Fliegerei am Kreuzberg richtig an. In der Modellschreinerei Popp und Schmidt baute man sich selbst ein Segelflugzeug vom Typ Grunau 9. Auf dem Bild sind Baptist Popp, Albert Simon, Baptist Hempfling und Peter Popp zu sehen. Foto: privat
Der Kreuzberg ist Kronachs großer Flugplatz, auf dem jährlich rund 600 Starts und fast ebenso viele Landungen zu verzeichnen sind. Derzeit hat der Aero-Club Kronach, der in diesem Jahr 80 Jahre alt wird, vier Vereinsflugzeuge. Das älteste ist ein "Bergfalke".

"Das Praktische ist, dass der Bergfalke ein Fahrwerk hat, das an einer Leiste aufgehängt ist. Das schwingt gut, ist auch für sportlichere Landungen von Anfängern gut geeignet", erklärt der Vorsitzende Gerhard Steidl und nimmt selbst einmal auf dem Schülersitz Platz. Hinter ihm sitzt Alfred Lang, ebenfalls ein passioniertes Aero- Club-Mitglied. Beim Fliegenlernen würde der Schüler vorne, der Lehrer auf dem hinteren Platz sitzen. Doch was soll der mit Klebeband befestigte rote Faden. "Das ist eine Orientierung. Der muss immer in der Mitte sein, dann liegt das Flugzeug ideal", erklärt Steidl.


Der Aero-Club hat auch noch einen D 6621 Kunststoff-Doppelsitzer des Typs ASK 21. "Damit kann man sogar Kunstflüge machen. Der ist auch ganz gut für Langstreckenflüge geeignet und den verwenden wir auch bei Passagierflügen", sagt Steidl. Und außerdem wartet in der Halle noch eine Astir, die bis zu 400 Kilometer weit fliegen kann. Komplettiert wird die Vereinsflotte durch einen Samburo mit dem Kennzeichen D-KSAM, ein doppelsitziger Motorsegler, der auch für Flugzeugschlepps genutzt wird.

Angefangen hat die Fliegerei eigentlich schon im Jahr 1932 auf dem Kreuzberg. Damals war der Kreuzberg noch völlig unbewaldet, war eine reine Schafshut. Zwölf aktive Flieger und zehn Fördermitglieder schlossen sich zusammen und wurden am 20. März 1934 Mitglied im Deutschen Luftsportverband - und nannten sich Ortsgruppe Kronach. "Damals hatte man natürlich keine Flugzeuge, die wurden selbst gebaut", erzählt Steidl. In der Modellschreinerei Popp und Schmidt fertigten die Mitglieder ein Segelflugzeug vom Typ Grunau 9. Und zum Kronacher Freischießen war das Flugzeug dann soweit, dass es wirklich im Oktober 1934 vom Kreuzberg starten konnte.

Baptist Hempfling zimmerte mit

"Auch weitere Flugzeuge wurden in den Folgejahren in verschiedenen Werkräumen in Selbstbauweise hergestellt", berichtet Steidl. Besonders stolz ist der Aero-Club darauf, dass auch der einstige Bürgermeister Baptist Hempfling Gründungsmitglied des Aero-Clubs war. Er hat auch an der selbstgezimmerten Grunau mitgearbeitet.
Ein Meilenstein wurde 1936 gelegt. Damals bekamen die "Aeronauten", wie sie sich nannten, ein Auto von der Brauerei Koch. Damit konnten die Flugzeuge per Autoschlepp in die Luft befördert werden. Schon im Frühling 1937 wurde die Flughalle auf dem Kreuzberg gebaut. In den Kriegszeiten wurde die Fluggruppe dann in den nationalsozialistischen Fliegerkorps übernommen. 1939 begann der vormilitärische Lehrgangsbetrieb, später kamen auch Teilnehmer aus Böhmen, aus dem Sudetenland und lernten auf dem Kreuzberg fliegen. Damals gab es 23 Flugzeuge, die mit der Gummiseilmethode gestartet wurden. Ein Flug dauerte maximal zwei Minuten.
1945 wurde dann Kronach von den Amerikanern besetzt. Die Flughalle wurde geplündert, Flugzeuge zerstört. Die Stadt ließ die Flughalle abmontieren und als Lagerraum am Flügelbahnhof aufstellen. Und am 8. Mai 1945 wurde ohnehin ein Flugverbot von den Alliierten verhängt. Erst 1950 gründete sich der Aero Club Frankenwald neu. Im Selbstbau entstanden zwei Segelflugzeuge - ein neuer Anfang war gemacht. Doch die Flugzeuge konnten in Kronach noch immer nicht starten. Denn Kronach lag im Flugsperrgebiet - wegen des Eisernen Vorhanges. Erst 1959 wurde der Kreuzberg wieder zum echten Flugberg. Seitdem ist die Flughalle auf dem Kreuzberg zu Hause. Und vom Kreuzberg fliegen auch wieder Flugzeuge. 1984 baute der Aero Club dann den Flugkontrollturm, 1988 die neue Flughalle.

Ein besonderer Freudenpunkt für die Kronacher war natürlich 1989. Denn mit dem Mauerfall fielen die Flugbeschränkungen weg, das gesamte Mittelgebirge kann fliegerisch genutzt werden.
Derzeit hat der Aero Club 18 aktive Flieger zwischen 16 und 77 Jahren. Im Jubiläumsjahr freuen sie sich auf das große Flugplatzfest am Wochenende.Und sie hoffen junge Menschen begeistern zu können. Jugendliche können bereits ab 14 Jahren das Fliegen lernen, mit 16 können sie dann den Flugschein machen. "Wir haben drei Fluglehrer im Verein. Und Fliegen ist gar nicht so teuer - je nachdem, wie viel man fliegt, vielleicht so 500 Euro im Jahr", sagt Steidl.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren