Gundelsdorf
Politik U40

Der Wahlkampf war für Sven Schuster eine lehrreiche Zeit

Sven Schuster war nicht einmal 30, als er Bürgermeister werden wollte. Mit ihm starten wir eine Serie über junge Politiker im Landkreis.
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Sven Schuster organisierte auch die Veranstaltung mit, bei der die SPD ihren Landratskandidaten nominierte. Später machte er daher dieses Pult auf der Bühne für Norbert Gräbner frei. Foto: Marco Meißner
Sven Schuster organisierte auch die Veranstaltung mit, bei der die SPD ihren Landratskandidaten nominierte. Später machte er daher dieses Pult auf der Bühne für Norbert Gräbner frei. Foto: Marco Meißner
Mit nicht einmal 30 Jahren forderte Sven Schuster von der Kronacher SPD bei der vergangenen Bürgermeister-Wahl den Amtsinhaber Wolfgang Beiergrößlein (FW) heraus. Der Sprung auf den Bürgermeister-Sessel hat zwar nicht geklappt, doch als Fraktionsvorsitzender spricht der Gundelsdorfer heute im Stadtrat für seine durch die Bank älteren Genossen. Wie es sich als junger Mensch der Generation "U 40" in politischen Verantwortungspositionen lebt, beleuchten wir ab heute in einer unregelmäßig erscheinenden Serie. Sven Schuster macht den Anfang.

Herr Schuster, Sie haben viele verblüfft, als sie sich 2014 - damals noch relativ unbekannt - sofort um das Amt des Kronacher Bürgermeisters beworben haben. War dieser Schritt im Nachhinein eine Bürde oder eine wertvolle Erfahrung?
Sven Schuster: Ich würde nicht sagen, dass es eine Bürde war.
Es war eine anstrengende Zeit, neben dem Beruf abends und am Wochenende Wahlkampf zu betreiben, aber es hat mir sehr viel Spaß gemacht, und ich habe in kurzer Zeit viele Menschen kennengelernt, Kontakte geknüpft und einiges dazugelernt.

Wie lebt es sich als junger Mensch in der politischen Szene? Ist diese für Einsteiger eher ein beschauliches Aquarium oder ein Haifischbecken?
Teils, teils. Auf Grund der sehr guten Zusammenarbeit und Akzeptanz innerhalb der SPD ist es relativ einfach. Wir verstehen uns sehr gut und haben fast täglich Kontakt und tauschen unsere Erfahrungen und Meinungen aus. Hier hilft jeder jedem. In den Gremien und in der Öffentlichkeit geht es schon manchmal heiß her. Da gibt es schon ab und zu heftige Angriffe, die zum Teil auch unter die Gürtellinie gehen. Ich denke aber, dass sich nach einer Phase des Abtastens das Verhältnis mit den anderen Parteien gebessert hat.

Wie schwer ist es, als "Jungfuchs" unter "alten Hasen" in der eigenen Partei oder auch in den Gremien seine eigenen Ansichten durchzusetzen?
Wie erwähnt, in der Kronacher SPD ist es für einen "Jungfuchs" recht einfach. Die Ansprechpartner und Verantwortlichen sind offen für Neues und für Veränderungen. Das hätte ich damals, als ich eingetreten bin, nicht so erwartet. In den Gremien ist es aktuell schwerer, da CSU und Freie Wähler eng verwoben sind und wir bei einigen Entscheidungen vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Nichtsdestotrotz haben wir es geschafft, dass viele unserer Ideen auch von den anderen Parteien unterstützt, angepackt oder gar schon umgesetzt wurden. Das zeigt, dass unsere Inhalte richtig sind.

Über Jahre war von der Politikverdrossenheit der jungen Leute die Rede. Inzwischen ist die Generation U 40 sowohl in den Parteigremien als auch an den politischen Schaltstellen auf verschiedenen Ebenen stark vertreten. Hat die Politik einen neuen Reiz für die junge Generation entwickelt, ist die Nachwuchsarbeit besser geworden oder hat es bei den jungen Leuten ein Umdenken gegeben?
Ich denke, gerade in der SPD gibt es für junge Leute viele Möglichkeiten und Freiräume, nicht nur mitzuarbeiten, sondern selbst auch zu gestalten und mitzuentscheiden. Klar ist auch, dass die jungen Leute nicht in Scharen zu den Parteien laufen, aber es gibt immer wieder neue Leute, welche sich für politische Themen interessieren und sich aktiv mit einbringen wollen. Die SPD war und ist eine progressive Partei, welche aufgeschlossen für Neues ist und die Zukunft modern und sozial gestalten will. Gerade auch vor Ort in Kronach ist es natürlich reizvoll, seine Zukunft selbst zu gestalten. Und darauf setzen wir als SPD. Deshalb ist es uns im Wahlkampf 2014 auch gelungen, mehrere junge Leute an uns zu binden, die gerne aktiv mitarbeiten.

Viele Nachwuchspolitiker kommen heute direkt aus den Jugendorganisationen der Parteien in die Gremien. Ist das eher ein Nachteil, weil ihnen noch Lebenserfahrung und somit der Blick für den Alltag der Bürger fehlt, oder ist es ein Vorteil, weil so mehr Themen der Jüngeren in die politische Arbeit einfließen?
Ich denke nicht, dass das ein Nachteil ist. Natürlich eckt man erstmal an und muss sich finden. Auch das gehört dann zur Lebenserfahrung. Aber ich habe mit 30 eine Berufsausbildung als Polizist hinter mir und war auch als solcher tätig. Auch durch mein Studium konnte ich viel Erfahrung sammeln. Ich denke, man darf die Jungen von heute nicht unterschätzen. Wichtig ist, dass junge und erfahrene Menschen eine Wertschätzung füreinander haben. Junge gehen manchmal unvoreingenommener und mit mehr Elan an Dinge heran, Ältere können ihre Erfahrung einbringen und wertvolle Tipps geben.

Warum sollte Ihrer Ansicht nach ein Jugendlicher in die Politik einsteigen?
Um aktiv selbst zu bestimmen, wohin die Reise seiner Heimat gehen soll.

Würden Sie heute manche Entscheidung anders treffen als unmittelbar nach Ihrem Einstieg in die Kommunalpolitik?
Nein.

Wie sehen Sie Ihren weiteren politischen Weg? Wird es den Bürgermeister Sven Schuster in absehbarer Zeit geben?
Ich möchte weiterhin der erste Ansprechpartner für die Menschen sein, wenn sie Probleme haben. Ich möchte meine Heimat weiterhin aktiv und kreativ gestalten. Das wird erstmal mein weiterer Weg sein.
Gegenfrage: Gibt es in absehbarer Zeit eine Bürgermeisterwahl in Kronach? 2020 ist noch weit hin, die Kronacher SPD hat viel Potenzial. Jetzt gilt es erst, gemeinsam Kronach zu gestalten. Aber eins kann ich sicher sagen: Die Kronacher SPD wird 2020 nicht die zweite Geige spielen.

Die Fragen stellte Marco Meißner

Steckbrief

Geburtstag 10. 12. 1985

Wohnort Gundelsdorf

Familienstand ledig, aber seit zwei Jahren glücklich vergeben

Beruf Berater bei der Deutschen Rentenversicherung in Coburg

Parteimitglied seit 2008

Bisherige Ämter in Partei und Politik: Stadt- und Kreisrat, Fraktionsvorsitzender der SPD im Kronacher Stadtrat, Ortsvereinvorsitzender, stellvertretender Stadtverbandsvorsitzender, Internetkoordinator der Kreis-SPD

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