Marktrodach
60. Geburtstag

"Der Mensch denkt und Gott lenkt"

Marktrodachs Bürgermeister Norbert Gräbner vollendet am Dienstag sein sechstes Lebensjahrzehnt. Als SPD-Landratskandidat sucht er neue Herausforderungen.
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Norbert Gräbner in seinem Element: Alle, die ihm zu seinem 60. Geburtstag gratulieren wollen, haben am Dienstag von 10 bis 14 Uhr die Möglichkeit. Der Bürgermeister gibt einen Empfang in der Rodachtalhalle. Foto: Veronika Schadeck
Norbert Gräbner in seinem Element: Alle, die ihm zu seinem 60. Geburtstag gratulieren wollen, haben am Dienstag von 10 bis 14 Uhr die Möglichkeit. Der Bürgermeister gibt einen Empfang in der Rodachtalhalle. Foto: Veronika Schadeck
Wenn Norbert Gräbner am morgigen Dienstag, 23. August, seinen Geburtstag feiert, dann ist er 20 Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde Marktrodach. Aber auch vor dieser Zeit hat es Jahre voller Ereignisse gegeben, insgesamt 60 Lebensjahre, die bunt gefüllt waren. Und während viele in diesem Alter über die Rente nachdenken, strebt Gräbner als SPD-Landratskandidat einen neuen Lebensabschnitt mit neuen Herausforderungen an.
Wenn man Gräbner näher kennt, dann kommt auch die österreichische Mentalität, nämlich eine Melange aus charmanter Höflichkeit, Ernsthaftigkeit und dem lockeren Gefühl des Lebenlassens zum Vorschein. Hinzu kommt eine gewisse Bescheidenheit.
Norbert Gräbner ist nämlich durch seine Mutter ein halber Wiener, seine Zuhause war jedoch immer Marktrodach.
Spricht man den Vater einer erwachsenen Tochter auf den derzeit laufenden Landratswahlkampf und sein Alter an, so weist Gräbner darauf hin, dass er sich vor seiner Entscheidung einem "Gesundheits-Tüv" unterzogen habe. Von der rechtlichen Seite gesehen, könnte er auch durchaus, sollten ihm die Menschen im Landkreis ihr Vertrauen schenken, eine zweite Amtsperiode leisten. Letztendlich, so meint Gräbner, könne niemand seinen künftigen Gesundheitszustand vorhersehen. "Der Mensch denkt und Gott lenkt!"Gott spielt auch in seinen Gemeinderatssitzungen eine Rolle. Denn genau zum Glockengeläut um 19 Uhr starten seine Sitzungen. Dann ist absolute Stille im Sitzungssaal. Erst wenn das älteste Gemeinderatsmitglied "Guten Abend" sagt, arbeiten die Räte und der Bürgermeister die Tagesordnung ab. "Es ist eine schöne Tradition und auch eine Glaubensfrage, die man aufrecht erhalten sollte."
Rathäuser und Verwaltungsaufgaben spielen schon seit seiner Jugendzeit eine Rolle in Gräbners Leben. Nach dem Abitur am Kaspar-Zeuß-Gymnasium wollte er zuerst "die große Welt" erobern. Während seiner Bundeswehrzeit bei den "Jägern" in Nordrhein-Westfalen und Hammelburg wurde ihm schnell bewusst, "wie schön doch die Heimat ist". Also besuchte er die Beamtenfachhochschule Hof, um sich im Landratsamt zunächst als "Wasserrechtler" und später als Leiter Tiefbauverwaltung seinen Lebensunterhalt zu verdienen. "Meine schönsten Aufgaben waren damals der Windheimer Freizeitsee und die Ortsumgehung Neuses!"
Danach folgten einige Jahre im Küpser Rathaus als Bauamtsleiter. Es sei eine aufregende Zeit gewesen, erinnert er. Damals seien ein Dutzend Baugebiete ausgewiesen worden. Die Gemeinde habe unter dem Bürgermeister Oswald Marr (SPD) die Grundstücke erworben, in Bauparzellen aufgeteilt, diese erschlossen und an Bauinteressenten weiterverkauft. Seine Aufgabe sei es gewesen, dieses ganze Verfahren durchzuführen. Viele Gespräche mit Grundstückseigentümern und Bauwilligen habe er geführt und dabei viele Bürger kennengelernt. Küps konnte damals einen Zuwachs von rund 1000 Einwohnern verzeichnen.
Seine Arbeit im Küpser Rathaus, seine kommunalpolitische Tätigkeit als SPD-Gemeinderat und auch sein Engagement in verschiedenen Vereinen haben schließlich dazu beitragen, dass er 1996 als Bürgermeister kandidierte. Der Grund: "Mit diesem Job kann ich mehr gestalten."


Einwohnerzahl in etwa konstant

Und Norbert Gräbner hat zusammen mit seinem Gemeinderat seine Heimat gestaltet. Und das, obwohl Marktrodach bei seinem Amtsantritt aufgrund des Stellenabbaus der Firma Dreefs von 800 Mitarbeitern nicht nur gewaltige Gewerbesteuereinbrüche im siebenstelligen Bereich hatte hinnehmen müssen, sondern auch noch Gelder zurückzahlen musste. Ausgebaut hat Gräbner unter anderem das Gewerbegebiet "Im Gries", das Radwegenetz, entstanden ist in Zusammenarbeit mit dem ASB das ASB-Seniorenheim, eine Solaranlage im Steinbruch/Großvichtach, eine neue Schule, ein zentrales Feuerwehrgerätehaus und ein Bürgerhaus. Geschaffen wurde zudem in Oberrodach auf dem Grundstück der katholischen Kirche ein gemeindeeigener Kindergarten, in dem schon vor über zehn Jahren die Kinder ab 6 Uhr morgens auf Wunsch der Eltern betreut wurden. Trotz der Schieflage von Dreefs und den damit verbundenen Verlust von 800 Arbeitsplätzen ist es gelungen, die Einwohnerzahl in etwa konstant zu halten. Seine Erfahrungen mit Erschließung von Baugebieten hat Gräbner auch in Marktrodach angewandt. Es entstanden mittlerweile die Baugebiete Schlot III, Bühl I, III, IV, die Angersiedlung, Peunt II. Gräbner ist einer, den man Stress nicht ansieht. Das mag an den Jahren liegen, die er mit einer zunehmenden Gelassenheit in Verbindung bringt. Er spricht aber auch von Achtsamkeit gegenüber sich selbst und von Bewegung. Derzeit lernen ihn die Bürger kennen, wenn er eines seiner liebsten Hobbies ausführt. Als SPD-Genosse kann er in Bayern schlecht Minister an Land ziehen, deshalb joggt er durch den Landkreis und kommt dabei mit Bürgern ins Gespräch.


"Der Wald gibt mir viel!"

Lieblingsorte sind für Norbert Gräbner sein Garten und sein Wald. In seiner Freizeit ist er meist mit Joggen, Bäume pflanzen, Obst ernten oder Holzarbeiten beschäftigt, mittlerweile hat er sich auch als Weinkenner entpuppt. "Der Wald gibt mir viel!" In diesem Zusammenhang spricht Gräbner von Ruhe, Kraft tanken, vom Einklang mit der Natur. Und Kraft braucht er auch für die kommenden Tage. Was seine politische Laufbahn betrifft, so weiß Gräbner: "Der nächste Weg ist der schwierigste!"

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