Kronach
Frucht

Der Erdbeer-Sommelier

Vier Sorten baut der Kronacher Erdbeerbauer Hermann Bayer auf seinen Feldern an - zudem werden jedes Jahr zwei weitere getestet.
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Weil die Früchte in seinen Folienhäusern bessere Bedingungen haben als unter freiem Himmel, kann Hermann Bayer schon seit Anfang Mai Erdbeeren ernten. Weil jede Sorte zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt reif ist, ist der Nachschub bis Ende August gesichert. Foto: Marian Hamacher
Weil die Früchte in seinen Folienhäusern bessere Bedingungen haben als unter freiem Himmel, kann Hermann Bayer schon seit Anfang Mai Erdbeeren ernten. Weil jede Sorte zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt reif ist, ist der Nachschub bis Ende August gesichert. Foto: Marian Hamacher
Die dominierende Farbe auf einem Erdbeerfeld? Grün! Jedenfalls gegen Mittag. Denn von den süßen, orangeroten Früchten ist schon längst nichts mehr zu sehen. Lediglich an denen, die noch einige Tage brauchen, ehe sie in die grauen Pappschachteln wandern, ist eine rötliche Färbung zu erkennen. "Unser Bestreben ist es, Erdbeeren frisch vom Feld direkt an den Verbraucher zu bringen", erklärt Hermann Bayer. "Wenn man um 9 Uhr welche kauft, sind die erst einige Stunden zuvor gepflückt worden." Was morgens noch rot an der Pflanze hing, ist mittags also entweder längst im Verkauf - oder schon verspeist.

Sechs verschiedene Sorten baut der Kronacher Erdbeerbauer auf seinen Feldern an, die sich in einem Radius von 35 Kilometern rund um Kronach befinden. Von Bad Staffelstein bis Coburg, von Kulmbach bis Sonneberg. "Früher haben wir sogar acht bis zehn Sorten angebaut", erinnert sich Bayer.


Vier Hauptanbausorten

Inzwischen habe es sich auf vier Hauptanbausorten reduziert, zwei weitere würden zudem jedes Jahr auf kleinerer Fläche getestet. Denn bei der Wahl der Sorte kommt es für den 60-Jährigen auf zwei Kriterien an: den Geschmack und den Zeitpunkt der Ernte. "Das Ziel ist es, den Markt so lange wie möglich zu beliefern." Erreicht werden kann es wegen der frühblühenden Clery, der mittelspäten Sonata sowie den beiden spätreifen Florence und Malwina. Der Erntezeitraum erstreckt sich so von Anfang Mai bis Ende August.

Eigentlich beginne die Erdbeersaison im Landkreis so richtig erst in dieser, spätestens aber in der kommenden Woche, so Bayer. Dass Biskuitböden aber schon längst mit Erdbeeren aus der Region belegt werden können, liegt an rund 500 Meter langen Folien-Halbrohren, die sich seit einigen Jahren über einen Teil der Pflanzen stehen.

Treibhaus möchte Bayer sie aber nicht nennen, das Wort ist ihm zu negativ besetzt. Er sagt lieber Folienhäuser. Perfekte Bedingungen liefert es so oder so. Die Pflanzen wachsen über einer schwarzen Plane, die durch ihre Farbe die Wärme anzieht und an den Boden weitergibt. "Die sind dadurch vitaler und wachsen schneller", erzählt er. "So haben wir schon am 8. Mai die ersten Erdbeeren pflücken können."


Wo die Schmerzgrenze liegt

Ein weiterer Vorteil sei, dass die Früchte wegen des Foliendachs keinem Regen ausgesetzt sind und so nicht matschig werden können. "Probieren Sie mal", fordert Bayer unseren Reporter auf und beißt selbst wie zum Beweis in eine Clery. "Die ist super süß und hat einen kleinen Säureanteil", sagt er zwischen zwei Bissen begeistert. Ein bisschen klingt er dabei wie ein Sommelier, der gerade seinen Lieblingswein anpreist.

Erdbeeren sind für den 60-Jährigen mehr als nur ein Mittel zum Broterwerb. Er ist mit ihnen aufgewachsen. "Es ist ein bisschen so wie mit Kindern. Die müssen auch regelmäßig gefüttert werden und man muss aufpassen, dass sie nicht krank werden und es ihnen gut geht."

30 Jahre ist es inzwischen her, dass er die Leitung des Familienbetriebs übernahm. Ganz klassisch nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung. Wenn er aber gewusst hätte, was auf ihn zukommt, hätte er wohl besser eine betriebswirtschaftliche gemacht sagt Bayer. Er vergleiche sich "eher mit den Leuten vom Schützenplatz. Die müssen auch in kurzer Zeit ihr Geld verdienen". Zwei oder drei Monate habe er, um die restlichen neun oder zehn mitzufinanzieren.

Haben sich die Folienhäuser da nun eigentlich gelohnt? Bayer zieht seine Stirn kurz in Falten, bevor er antwortet: "Von der Qualität her auf jeden Fall, aber von den Kosten ist es ein Spiel mit dem Feuer." Die Schmerzgrenze scheine beim Verbraucher bei vier Euro zu liegen. Koste ein Schälchen mehr, sei die Bereitschaft eines zu kaufen äußerst gering. Derzeit verlangt er in dem Verkaufshäuschen am Kaulanger 3,50 Euro.


Wofür Stroh gut ist

Ab Freitag sollen nun auch die restlichen Verkaufsstände in Kronach und Sonneberg öffnen. 30 Stück hat er in sechs Landkreisen stehen. Die Zahl der beschäftigten Mitarbeiter liege aktuell noch bei 22, wenn es in die heiße Phase gehe, steige sie kurzzeitig aber sogar auf über 300 an.

Bis auch Privatpersonen mit Tupperschüsseln und Holzkörbchen durch die mit Stroh ausgelegten Felder stiefeln können, um selbst zu pflücken, wird es aber noch einige Tage dauern. "Ich hoffe, dass es noch vor dem 10. Juni soweit sein wird", sagt Bayer.

Apropos Stroh: Das liegt nicht nur zwischen den Pflanzen, damit die Schuhe der Selbstpflücker nicht schmutzig werden. "Es verhindert auch, dass Dreck von unten auf die Erdbeeren spritzt." Noch viel wichtiger sei aber, dass so unter dem Stroh Humus entsteht - der wiederum perfekt für Regenwürmer ist. "Und die sind unsere wichtigsten Helfer", sagt Bayer.

Helfer auf dem Weg dahin, so schnell und so lange wie möglich herrlich orangerote Früchte ernten zu können.
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