Kronach
Tierwelt

Der Biber ist wieder da

In drei Revieren im Landkreis Kronach ist Europas größtes Nagetier heimisch. Naturschützer und Landwirte sind darüber unterschiedlich stark begeistert.
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Biber stehen unter Artenschutz und dürfen nicht gefangen werden. Foto: Treml
Biber stehen unter Artenschutz und dürfen nicht gefangen werden. Foto: Treml
Sie fällen Bäume, stauen Flüsse und graben Höhlen in Ufer. Kein anderes Tier gestaltet seine Umgebung so drastisch wie der Biber. Hervorragend für die Tierwelt, loben Naturschützer. Schrecklich für die Landwirtschaft, klagen Bauernverbände.

Es ist noch dunkel, als Karl-Heinz Selk das Kronacher Landesgartenschaugelände hinter dem Real-Markt betritt. Abseits der Skaterbahn pirscht er sich durch das Gestrüpp an das Ufer der Rodach heran. Plötzlich hält er inne und mustert die Gegend. Irgendetwas fehlt.

Nach ein paar Schritten steht der Rentner vor dem Baum, der gestern Abend noch meterhoch in den Himmel ragte. Nun liegt die stattliche Krone auf der Erde. Die leuchtend hellbraune Bruchstelle am Stamm und die feuchten Holzsplitter auf dem Boden stechen aus der grau-braunen Landschaft heraus. Schleifspuren führen ins Wasser.
Den heimlichen Holzfäller bekommt der 65-jährige heute morgen nicht mehr zu Gesicht. Doch er weiß genau, wer hier am Werk war: der Biber.

Karl-Heinz Selk ist ehrenamtlicher Biberbeauftragter im Landkreis Kronach. Seit sechs Jahren beobachtet er die Lebensweise der größten Nagetiere Europas.

"Der Biber schafft Lebensräume für andere Tierarten", sagt Selk. "Seit er wieder an der Rodach ist, sind die Fischbestände gestiegen und viele seltene Vögel wie Gänsesäger und Eisvogel fühlen sich wieder wohl hier. Der Fischotter müsste auch bald zurückkommen."

Fast 100 Jahre gab es keinen Biber in Bayern. Die Bürger waren so gierig nach seinem Fleisch, Fell und schmerzlindernden Drüsensekret (dem Bibergeil), dass 1867 der letzte erlegt wurde. Der Bund Naturschutz holte Meister Bockert, wie er in der Fabel heißt, zurück in den Freistaat. Zwischen 1966 und 1982 setzten Naturschützer insgesamt 120 Exemplare aus.

Heute leben schätzungsweise 16 000 Biber in 4500 Revieren. Drei davon befinden sich im Landkreis. Eine unnötige Aktion, findet Erwin Schwarz, Kronacher Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV). "In einem dicht besiedelten Gebiet wie Deutschland muss man nicht jedes Tier wieder einführen. Wir brauchen den Biber nicht."

Auch Dieter Heberlein, Referent für Umwelt und Naturschutz des BBV in Oberfranken, steht der Wiederansiedlung kritisch gegenüber: "Die Zahl der Biber nimmt zu und somit auch die Zahl der durch ihn verursachten Schäden in der Landwirtschaft."

Laut einer Statistik des BBV verursachte der Nager im Jahr 2012 Schäden in Höhe von 600 000 Euro. Dazu zählen unter anderem überschwemmte Wiesen und Äcker, Schäden an Traktoren durch Einbrüche in Biberbauten, Dammbrüche an Fischteichen und abgefressene Feldfrüchte. Mit insgesamt 160 749 Euro war der Schaden in der Oberpfalz am höchsten. Oberfranken steht mit rund 28 000 Euro an vorletzter Stelle.

Um die Akzeptanz für den Biber zu erhöhen, hat die bayerische Naturschutzbehörde das Bibermanagement ins Leben gerufen. Zwei hauptamtliche Bibermanager und um die 200 ehrenamtliche Biberberater helfen den Betroffenen dabei, Schäden vorzubeugen und zu minimieren. Zudem hat der Staat einen Ausgleichsfonds in Höhe von 450 000 Euro eingerichtet, aus dem landwirtschaftliche Schäden bezahlt werden.

"Der Biber bringt auf jeden Fall mehr Nutzen als Schaden", stellt Horst Schwemmer, hauptamtlicher Bibermanager für Nordbayern, klar. "Mittlerweile lassen auch die meisten Bauern mit sich reden. Früher wurde sofort verlangt, ihn zu erschießen." Biber stehen unter Artenschutz und dürfen nicht gefangen werden. Allerdings genehmigen die Naturschutzbehörden Ausnahmen in besonders harten Fällen.


Zweimal täglich streift auch Karl-Heinz Selk durch die Biber-Reviere in Kronach, um die Bauvorhaben zu begutachten und gegebenenfalls einschreiten zu können. Hier ist die Biberwelt noch in Ordnung. "Wir müssen halt abwarten, wie es sich entwickelt. Tot schießen geht nicht - aber tot knuddeln bringt auch nichts."
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