Friesen
Konzert

Der Alltag war plötzlich weit weg

Die Gesangs- und Musikgruppe Con Brio aus Friesen lud am Sonntag zum Jahreskonzert unter dem Motto "Farbtöne" ein.
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Viel Rhythmusgefühl zeigte der Chornachwuchs beim rhythmischen Schlagen auf großen Gymnastikbällen zu "Viva la Vida". Foto: Heike Schülein
Viel Rhythmusgefühl zeigte der Chornachwuchs beim rhythmischen Schlagen auf großen Gymnastikbällen zu "Viva la Vida". Foto: Heike Schülein
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Das weite Meer, umgeben von einem tiefen bis zum Horizont reichenden Blau, das Plätschern des Wassers: Farben beeinflussen unsere Stimmungen und Gefühle. Mit unterschiedlichen Sinnesorganen wahrgenommen, lassen sie Zeit und Raum vergessen. Nicht anders erging es den mehreren Hundert Zuhörern beim "farbenfrohen" Konzert von Con Brio am Sonntagabend. Einen Abend lang schien alles andere vergessen und es war schier greifbar: Die Freude am gemeinsamen Musizieren, die Liebe zur Musik zog Mitwirkende wie auch Zuhörer in den Bann und ließ sie nicht mehr los. Die Hektik und die Last des Alltags, sie waren weit weg.

"Bunt ist bunt! Bunt ist cool, bunt ist farbenfroh, bunt ist einfach so" - das so fröhliche Lied des aufgeweckten Chornachwuchses bildete den fast schon frühlingshaften Auftakt des Konzerts, beim dem unter Leitung von Michaela Taube ein vielseitiger musikalischer Reigen erklang. Afrikanische Songs und Gospels wechselten sich mit modernen, neuzeitlichen Stücken sowie Hits aus Rock und Pop ab. Von Liedern der Lebensfreude über flotte Mitklatsch-Songs bis hin zu nachdenklich-melancholischen Liedern war alles dabei.


Nicht nur schwarz-weiß ...

"Farbe in Verbindung mit Tönen und Musik" - so lautete die Überschrift des musikalischen Abends. "Ich habe viele Stimmen gehört, die sich wünschten, dass dieses so schicksalshafte und mit vielen schlimmen Nachrichten gespickte Jahr endlich zu Ende ist", erzählte die Chorleiterin. Aber auch 2017 erwarte uns eine ungewisse Zukunft. Die Zeiten der Unbeschwertheit seien in einigen Bereichen vorbei. Uns lieb gewordene Gewohnheiten seien bisweilen mit Angst oder einem unruhigen Gefühl verbunden. "Das Leben ist aber nicht nur schwarz-weiß, sondern es gibt auch vieles dazwischen", zeigte sie sich sicher: Räume und Farben zwischen den Polen, die man den Besuchern in Liedern, Gedanken aber auch Stille vermitteln wolle.

Dies gelang den Sängern und denen, die sie instrumental begleiteten, in wunderbarer Art und Weise - mit einem musikalischen Abend voller Farb- und Strahlkraft. Lieder, die Emotionen weckten und von Kraft und Hoffnung zeugten. Dabei "ordneten" die Chormitglieder jeder Farbe stimmungsvolle Lieder zu. Unterstrichen wurde die Wirkung durch sanfte Lichteffekte, die das Gotteshaus mittels Scheinwerfer in die jeweilige Farbe tauchten.
Jede Farbe wurde von einem anderen Chormitglied vorgestellt, das zugleich die Thematik in tiefgehenden Gedanken aufgriff. Zur würdevollen Farbe Violett, die für Spiritualität, Besinnung und innere Einkehr steht, stimmte der Chor beispielsweise "Some Nights" sowie "Nothing else matters an" - "Metallica" in der Akustik einer Kirche: Welches Erlebnis!

Schwarz - symbolisch für das Dunkle im Leben, Trauer, Leere und Hoffnungslosigkeit - griff man in den Liedern "Weiße Fahnen" von Silbermond sowie "Tears in Heaven" von Eric Clapton auf. Aber es gibt auch das Grün der Hoffnung, des neuen Lebens - das Grün, mit dem wir uns in der kalten und düsteren Jahreszeit, beispielsweise mit dem Tannenbaum, die Farbe der Natur, des Frühlings und Neubeginns ins Haus holen: Ein Triumph, ein Sieg des Lebens über den Tod! Hierzu erklangen die hoffnungsvollen Lieder "Wunder gescheh'n" von Nena sowie der Coldplay-Hit "Viva la Vita"(spanisch für "Es lebe das Leben"), dessen Melodie vom Chornachwuchs durch rhythmisches Schlagen auf große Gymnastikbälle untermalt wurde. Für ihr tolles Rhythmusgefühl ernteten diese einen Extra-Applaus.

Zu Ehren kamen auch viele weitere Farben - wie unter anderem die hellste Farbe Gelb mit den Titeln "Go light your World" oder dem Mitmach-Gospel "This little Light", wobei das ganze Publikum mitklatschte, oder auch Blau - die Farbe des Meeres, der Ferne, Unendlichkeit - mit Liedern wie "Wann reißt der Himmel auf" von Silbermond sowie "Seite an Seite" von Christina Stürmer.

Immer wieder waren schöne Solobeiträge zu hören - auch der jüngsten Chor-Mitglieder, die sich alleine ans Mikro trauten und das Publikum besonders bezauberten. Auf der Leinwand waren farblich passende thematische Bilder zu sehen und auch einige englischsprachige Texte wurden hier - zum besseren Verständnis - ins Deutsche übersetzt. Am Ende hinterließ Con Brio einmal mehr ein völlig verzaubertes Publikum, das sich den gehörten "Klangfarben" voll hingegeben hatte.

Mit ihren Konzerterlösen und Aktionen unterstützt Con Brio regelmäßig gemeinnützige Zwecke. Tradition ist es auch, dass im Anschluss an ihre Konzerte der Abend in geselliger Runde auf dem Kirchplatz ausklingt - ein Angebot, das wieder gerne angenommen wurde.
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