Kronach
Demografie

Das Rote Kreuz bietet der Demografie die Stirn

Im BRK-Kreisverband Kronach fand ein Expertengespräch von rund 30 Vertretern aus Politik und Wirtschaft, von Behörden und Institutionen statt. Dabei drehte sich alles um die Frage, wie die Region den Auswirkungen des demografischen Wandels gegenübertreten kann.
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BRK-Kreisgeschäftsführer Roland Beierwaltes informierte über die Ziele des Projektes "Lebensqualität für Generationen". Foto: Heike Schülein
BRK-Kreisgeschäftsführer Roland Beierwaltes informierte über die Ziele des Projektes "Lebensqualität für Generationen". Foto: Heike Schülein
Die kleinen Kinder einer erwerbstätigen Frau werden von der Oma versorgt, die plötzlich erkrankt. Die Frau und ihr Ehemann müssen beide arbeiten. Wer kümmert sich jetzt um ihren Nachwuchs? Und wer versorgt die Oma? Keineswegs müssen es immer gravierende Lebenseinschnitte sein, die dazu führen, dass Mitarbeiter ihrem Unternehmen nicht mehr (im bisherigen Umfang) zur Verfügung stehen. Dies zeigte das Expertengespräch zum demografischen Faktor.

Das vom BRK Kronach initiierte, durchgängige Betreuungssystem "Lebensqualität für Generationen" in Steinbach am Wald verfolgt das Ziel, der demografischen Entwicklung entgegenzuwirken und den Betrieben das knappe Gut "Mitarbeiter" so lange als möglich zu erhalten.


Motiviert an die Arbeit


Gefragt ist hier Projektleiterin Antje Angles.
Sie hilft bei der Bewältigung des Papierkriegs, beispielsweise bei der Beantragung einer Pflegestufe, sie kümmert sich um die Vermittlung von Pflegeplätzen oder die Betreuung von Kindern außerhalb der üblichen Kindergartenzeiten. "Ein Mitarbeiter, der seine Kinder gut aufgehoben weiß, kommt gelassener, ausgeglichener, motivierter und leistungsfähiger an seine Arbeitsstelle", ist sich BRK-Kreisgeschäftsführer Roland Beierwaltes sicher.


Weniger Fachkräfte


Auf Grund der demografischen Entwicklung wird die Zahl der Personen in Deutschland, die theoretisch in der Lage sind, einer Arbeit nachzugehen, bis zum Jahr 2025 um rund 6,5 Millionen sinken - und damit auch das Angebot an qualifizierten Fachkräften. Mit Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung - von der Familie bis zum Unternehmen - will "Lebensqualität für Generationen" positiv auf den regionalen Fachkräftemangel einwirken.

"Wie hat sich das Konzept in der Praxis bewährt?", wollte der Moderator der Veranstaltung, Heiner Gremer, von den Kooperationspartnern wissen. Laut dem Geschäftsführer der Ger resheimer Tettau, Bernd Hör auf, ist eine Fachkräfte-Sicherung immer lokal und individuell. Die Auswertung der AOK verdeutlicht, dass psychosomatische Krankheiten den größten Teil der Fehlzeiten ausmachen. "Es waren praktische Überlegungen und egoistische Hintergründe, die uns zum Beitritt bewogen haben. Wir brauchen im Fall der Fälle professionelle Hilfe", meinte er. Die Akzeptanz werde größer. Es habe bereits zwei oder drei praktische Hilfsbeispiele gegeben.


"Leute in der Region halten"


Personalleiter Matthias Fröba von Wiegand-Glas sah in dem Konzept auch einen Wettbewerbsvorteil. "Wir müssen nicht nur Leute in die Region bekommen, sondern sie auch hier behalten", verdeutlichte er.

Wie Personalreferentin Angelika Stubrach von der Firma Rauschert ausführte, habe ein Großteil ihrer Mitarbeiter zwar den Arbeitsplatz in Steinbach am Wald, aber nicht den Lebensmittelpunkt. "Ein Drittel kommt beispielsweise aus Thüringen", erklärte sie. Leider werde das Angebot bislang nicht angenommen. "Wir tun uns schwer mit der Umsetzung", bedauerte sie. Vorstandsmitglied Klaus Bodenschlegel bezeichnete die Sparkasse als Multiplikator und betonte: "Wir unterstützen das Konzept gerne, weil es eine Initiative aus der Region für die Region ist."

Wie Beierwaltes ausführte, greifen in vielen Unternehmen Angebote für betriebliches Gesundheitsmanagement. Auch beim BRK-Kreisverband ist dieses - als wichtiges Modul von "Lebensqualität für Generationen" - bereits 2010 im Rettungsdienst gestartet. "Auf Grund der sehr positiven Erfahrungen werden wir dieses Angebot auf den Gesamtverband ausdehnen", kündigte der Kreisgeschäftsführer an.

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