Kronach
Fasching

Damit andere lachen können

Für den reibungslosen Ablauf der Kroniche Fousanaocht sorgt ein Team, das auf der Bühne nicht zu sehen ist. Ein Besuch.
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Das hält: Thomas Porzelt sorgt zusammen mit seinem Bühnenbau-Team dafür, dass sich die Protagonisten des Abends einzig und allein auf ihren Auftritt konzentrieren müssen. Foto: Marian Hamacher
Das hält: Thomas Porzelt sorgt zusammen mit seinem Bühnenbau-Team dafür, dass sich die Protagonisten des Abends einzig und allein auf ihren Auftritt konzentrieren müssen. Foto: Marian Hamacher
Es ist angerichtet. Die Bühne steht, die Beleuchtung hängt und auch die dekorierenden Orden haben schon ihren zugeordneten Platz an den Wänden des Schützenhauses eingenommen. Den besten Überblick hat Willi Schreiber. Das Konterfei des ehemaligen FT-Redakteurs und Kreisheimatpflegers ziert dieses Jahr den Orden der Kroniche Fousanaocht. Prominent platziert auf der Rückwand des Bühnenbilds, blickt er dem Elferrat quasi über die Schulter. Doch noch sieht der gezeichnete Schreiber nur leere Stuhlreihen.

Eine halbe Stunde vor Beginn der Probe ist von den Protagonisten des Büttenabends am Mittwochabend noch kaum jemand zu sehen. Erst nach und nach trudeln immer mehr Männer ein, die sich in Frauenklamotten zwängen, Perücken aufsetzen und schließlich zum Besten geben, womit sie ab morgen (19.30 Uhr) an vier Abenden die Zwerchfelle des Kronacher Faschingsvolks strapazieren möchten. "Das muss auch in der Probe mit Verkleidung sein, damit das Licht richtig eingestellt werden kann", erklärt Thomas Porzelt.


Helfende Hände

Der 49-Jährige ist stets einer der Ersten, der die Schützenhalle betritt. Sei es bei Proben oder wenn es ernst wird und Menschen in den unterschiedlichsten Kostümen in den Saal strömen. Seit 24 Jahren gehört Porzelt zum Bühnenbau-Team, das er seit einigen Jahren auch anleitet. "Ich weiß gar nicht mehr genau, ob das jetzt nun schon fünf oder sechs Jahre her ist", sagt er. Ins Boot holte ihn 1993 sein Bruder Robert, der damals als Sitzungspräsident, die oberste Narrenkappe aufhatte. Heuer sorgen neun Personen dafür, dass das Programm wie geplant über die Bühne gehen kann. Während es bei den Proben ausreicht, wenn ein paar helfende Hände vor Ort sind, ist an den Büttenabenden das gesamte Team gefordert. "Wenn Not am Mann ist, helfen auch schon mal die Stadtsoldaten oder einer aus dem Elferrat aus", erzählt Porzelt. Denn ohne die Arbeit der Bühnenbauer geht es nicht.

Im Sport würde wohl vom Team hinter dem Team die Rede sein. "Wir sind dafür verantwortlich, dass bei jeder Nummer alles am richtigen Platz ist", sagt Porzelt. "Bei den Proben müssen wir auch deshalb dabei sein, damit wir wissen, wie eine Nummer abläuft." Wann muss der Vorhang zugezogen werden, wann die Notenständer hereingetragen? Antworten darauf gebe es eben nur vor Ort.

Hilfestellung, welche Requisiten wo platziert werden sollen, gibt dagegen ein Ringordner, der gleich neben der Bühne an der Wand hängt. Schwarze Kreuze markieren den genauen Standort für die Bütt, Notenständer oder ein Trampolin - je nachdem, was sich die Darsteller ausgesucht haben. "Das kann schon stressig werden, wenn man dann 30 Akteure pro Abend auf der Bühne hat", sagt Porzelt und lacht. Ab und zu werde eine Nummer auch noch einmal kurzfristig umgeschmissen.


Entspannte Sommermonate

Zeit zum Durchschnaufen haben die Bühnenbauer dabei kaum. 19 Programmpunkte sieht der Regieplan für die Büttenabende vor. Kaum einer, bei dem Porzelt und sein Team nicht gefragt sind. Deutlich entspannter seien dagegen die Vorbereitungen gewesen. Weil das Bühnenbild vor einigen Jahren erst komplett erneuert wurde, musste in den Sommermonaten nicht viel instant gesetzt werden. "Auch die Gruppen hatten ihr Zeug größtenteils dabei", so Porzelt.

Falls nicht, steht sein Team als Ansprechpartner zur Verfügung. Oftmals könne auch schnell geholfen werden, da die gewünschten Requisiten längst gebaut oder gekauft wurden und im Lager auf ihren Einsatz warten. Etwa drei bis vier Stunden benötigen die Bühnenbauer pro Probe oder Büttenabend. In der Session kommen da locker an die 30 Stunden zusammen. Doch die wende er gerne auf, erzählt Porzelt. "Wenn's keinen Spaß mehr macht, dann hört man auf." Und Spaß bereite ihm vor allem die Spannung vor dem ersten Büttenabend. Klappt alles reibungslos? Wurde keine Requisite vergessen? "Wenn der erste Abend einmal rum ist, sieht man den anderen dreien dann gelassener entgegen."

Er hat seinen Platz im bunten Faschings-Treiben längst gefunden. Sich zu Maskieren sei nicht unbedingt sein Ding, erzählt er. "Ich steh' schon lieber hinter der Bühne." Doch nicht nur die fehlende Verkleidung unterscheidet ihn vom närrischen Faschingsvolk. Während die Session bekanntlich Aschermittwoch endet, ist Fasching fürs Bühnenbau-Team dann noch längst nicht vorbei. "Da fängt für uns der Abbau an und wir sind noch einmal zwei bis drei Tage beschäftigt."


Noch drei Auftritte

Doch bis dahin regieren im Schützenhaus noch die Narren. Wer es morgen nicht dorthin schafft, hat noch am Samstag, 11. Februar, Freitag, 17. Februar und Samstag, 18. Februar, jeweils ab 19.30 Uhr die Chance, zu erleben, was sich die verschiedenen Gruppen für Nummern haben einfallen lassen - und welche Requisiten Porzelts Team dafür in Windeseile auf die Bühne bringen muss.
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