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Kronach
Schultheater

Da hat einfach alles gestimmt

Die Theatergruppe am KZG präsentierte ihre neueste temporeiche Produktion. Bei ihrer "Schule der Frauen" kamen viele aus dem Lachen nicht mehr heraus.
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Arnulf (Leo Mertel, vorne) ließ Agnes (Lisa Weigel) vom strunzdummen Wächterpaar (hinten, von links) Kathrin (Ronja Kuhnlein) und Hansjörg (Nick Baier) in völliger Abgeschiedenheit aufziehen.  Foto: Heike Schülein
Arnulf (Leo Mertel, vorne) ließ Agnes (Lisa Weigel) vom strunzdummen Wächterpaar (hinten, von links) Kathrin (Ronja Kuhnlein) und Hansjörg (Nick Baier) in völliger Abgeschiedenheit aufziehen. Foto: Heike Schülein
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Unschuldig, unterwürfig und dumm soll sie sein! Um den Schicksal der gehörnten Männer zu entgehen, die - wie er überzeugt ist - alle von ihren durchtriebenen Ehefrauen betrogen werden, hat der reiche Arnulf seinen eigenen Plan entwickelt. Der Junggeselle macht ein vierjähriges Mädchen zu seinem Mündel und lässt es 13 Jahre in Abgeschiedenheit zu Demut, Duldsamkeit und Dummheit erziehen.
In der "Schule der Frauen" wird ihr jegliche Ausbildung verweigert, um sie zu einer untertänigen Gattin heranzuziehen, die gegen die Verführung anderer Männer immun ist. Jetzt - zu Beginn der Komödie - ist das Mädchen 17 Jahre alt und Arnulf möchte die Ernte seiner Geduld einbringen, sprich das Mädchen heiraten: Agnes hat sich jedoch in den jungen Horaz verguckt und so kommt es, wie es kommen muss.
Molières mit Wortwitz und Pointen nur so gespickte Komödie "Die Schule der Frauen" zählt zu seinen seltener zu sehenden Werken.
Hauptperson des 1662 uraufgeführten, in Italien spielenden Theaterstücks ist der wohlhabende Arnulf - ein Frauenfeind, der das schöne Geschlecht für moralisch verwahrlost hält. Um nicht in die gleiche Ehefalle zu tappen, versucht er sich mit reichlich Geld und einem perfiden Plan eine Partnerin nach Maß zu schaffen: dumm, unschuldig und naiv, aufgezogen von zwei depperten Bediensteten in einem Haus, in das Besucher keinen Zutritt haben. Doch während seiner Abwesenheit bleibt die zur Schönheit erblühte Agnes nicht unentdeckt. Horaz, der Sohn eines Freundes von Arnulf, verliebt sich in das liebenswert-naive Mädchen, das auch seine Gefühle erwidert.


Anmaßender Sittenhüter

Gesten- und wortreich mimt Leo Mertel den ältlichen Intriganten, der sich die perfekte Frau abrichten will und dabei in die eigene Falle gerät. Ein Mann, der glaubt, mit Reichtum alles kaufen zu können. Leo fegt dabei während der gesamten Aufführung nur so über die Bühne. Mit hochrotem Kopf, stechenden Augen und Schweißperlen auf der Stirn spielt er den anmaßenden Sittenhüter, der sich kaum noch zähmen kann und gar nicht weiß, wohin mit seiner angestauten Wut. Nahezu hilflos muss der zynische Spötter mit ansehen, wie sich Agnes ihrer Lage bewusst wird, einen eigenen Willen entwickelt und sich aus ihrem "Gefängnis" zu befreien versucht. Herausragend waren die Szenen, als Arnulf - hin- und hergerissen zwischen Eifersucht und Neugier - von Horaz und Agnes ganz genau wissen will, was zwischen den beiden Liebenden vorgefallen ist.
Gespielt wird das Mädchen von der zauberhaften Lisa Weigel, die mit ihrem entwaffnenden Unschuldsblick und mit glockenheller Unschuldsstimme den Spieß umdreht, indem sie sich in einen anderen verliebt - Horaz. Johannes Ludwig sprudelt in seiner Rolle als attraktiver verliebter Jüngling geradezu über vor Glück, wenn er von seiner Auserwählten schwärmt. Zum Brüllen komisch waren die Auftritte des strunzdummen Wächterpaars Hansjörg und dessen Ehefrau Kathrin (Nick Baier und Ronja Kuhnlein) oder auch die Szene mit den - zur vermeintlichen Hochzeit bestellten - Notaren (Antonia Pfadenhauer und Paul Steinke) mit ihren Fachjargon. Die Spielfreude und Begeisterung aller Nachwuchs-Darsteller war im gesamten Publikum zu spüren. Arnulfs Freund, Chrysald (Janike Dombrowsky), der sich darüber lustig macht, dass sich sein Kumpel seit einiger Zeit "Herr von Eich" nennen lässt sowie Anneke Münch und Stephanie Brand als Mütter des jungen Liebespaares rundeten die gelungene Ensembleleistung ab.


Temporeiche Inszenierung

Dass die Darsteller ihre Schauspielkunst so entfalten konnten, ist maßgeblich der Regiekunst von Rainer Gräbner und seiner temporeichen Inszenierung zu verdanken. Erstmals kamen die hervorragenden neuen technischen Möglichkeiten der Studiobühne zum Einsatz, für deren Anschaffung und Einrichtung Gräbner dem Landkreis als Sachaufwandsträger dankte.


Natürlich mit Happy End

Gezielt eingesetzte Scheinwerfer und Lichteffekte setzten dabei das von Christoph Dümlein gestaltete Bühnenbild im wahrsten Sinne des Wortes ins rechte Licht. Am Ende gab es tosenden Applaus mit rhythmischen Klatschen des begeisterten Publikums. Hierzu zählte - bei der gut besuchten Premiere am Freitagabend - auch Direktorin Renate Leive, die strahlte: "Mir geht bei eurem Spiel das Herz auf". Die Technik und die Studiobühne seien toll. Doch all dies würde nichts nützen, ohne die Spielfreude der Darsteller. "Ich freue mich, solche Schüler und Lehrkräfte an der Schule zu haben", meinte sie stolz. Fazit: Es war eine kurzweilige heitere, aber auch anspruchsvolle Inszenierung, bei der einfach alles gestimmt hat - und bei der es natürlich ein Happy End gab. Dank einer unerwarteten Wendung dürfen Agnes und Horaz nämlich in den Bund der Ehe treten, während Arnulf, mit dem man am Ende fast ein wenig Mitleid hat, resigniert das Feld räumt. An den drei Tagen der Aufführungen fand im Erdgeschoss des Hauptbaus eine sehr sehenswerte Ausstellung "Kleinmöbeldesign" des P-Seminars Kunst (11. Klasse) unter Leitung von Christoph Dümlein statt.


Rollen/Darsteller


Arnulf (Leo Mertel), Chrysald (Janike Dombrowsky), Agnes (Lisa Weigel), Horaz (Johannes Ludwig), Hansjörg (Nick Baier), Kathrin (Ronja Kuhnlein), Orontine (Anneke Münch), Berenique (Stephanie Brand), Notare (Antonia Pfadenhauer, Paul Steinke), Leiter: Rainer Gräbner, Bühnenbild: Christoph Dümlein, Technik: Alexander Schmidt, Jonas Löffler, Joshua Wicklein, Luca Drechsel. hs

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