Kronach
Schule im Norden

CSU schließt schulische Doppellösung nicht aus

Die Frankenwald-CSU wird konkreter in ihren Überlegungen zur Bildungslandschaft. Die SPD hegt Zweifel an den Ideen.
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Wohin geht die Reise der Schulkinder im nördlichen Landkreis Kronach? Symbolbild: Daniel Bockwoldt/dpa
Wohin geht die Reise der Schulkinder im nördlichen Landkreis Kronach? Symbolbild: Daniel Bockwoldt/dpa
Der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Richard Rauh, äußerte sich nach dem Besuch von Kultusminister Ludwig Spaenle in Wallenfels enttäuscht. "Jetzt ist also die Katze aus dem Sack. Wenn weder an der Einrichtung einer Gemeinschaftsschule noch an der Errichtung einer Wirtschaftsschule von Seiten der CSU-Staatsregierung Interesse besteht, so heißt das dann ja: Eine weiterführende Schule im Landkreis-Norden will die CSU nicht", beurteilt er die Aussagen des Ministers.


Baumgärtner legt Worte anders aus

Eine Einschätzung die nicht jeder teilt. Für MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) ist die Schule im Norden noch längst nicht gestorben. "Es wird keine Wirtschaftsschule geben, wenn eine andere Schule dadurch gefährdet wird", lautet seine Auslegung von Spaenles Worten. Als Abgeordneter für Kronach und Lichtenfels stehe er zu dieser Auffassung.
Die CSU wolle die Wirtschaftsschule in Lichtenfels nicht sterben lassen, um im Kronacher Landkreis-Norden etwas Neues aus dem Boden zu stampfen. "Es geht darum, eine Kompensation für Lichtenfels zu finden", stellt Baumgärtner fest. Das könnte er sich so vorstellen, dass die dortige Wirtschaftsschule um eine Realschule erweitert wird. Damit würde man die Lichtenfelser Schule aufwerten und ihr Wege zu neuen Schülerpotenzialen öffnen, während man die heimischen Wirtschaftsschüler im Kreis Kronach behalten könnte.

Richard Rauh sieht darin den Versuch der Frankenwald-CSU, offiziell weiter - "bis zu gewissen Terminen" - an den eigenen Forderungen festzuhalten. Inoffiziell werden sich die heimischen Christsozialen seiner Einschätzung nach bestimmt schon von ihrem Wirtschaftsschulvorhaben für Pressig distanzieren. "Wo steht denn geschrieben, dass die CSU in der Bildungspolitik immer bei ihrer Meinung bleiben muss?", fragt der Sozialdemokrat. Auf Landesebene habe der Bürger den "Zick-Zack-Kurs der CSU" nicht zuletzt beim G 8 und bei den Studiengebühren miterleben können.


Wo bleibt das Konzept?

Deshalb würde sich Rauh wünschen, ein klares Konzept der CSU für eine Schule im Norden zu sehen. Eine Wirtschaftsschule hält er jedenfalls nicht für die viel gepriesene "intelligente Lösung". Rauh meint: "Die Wirtschaftsschulen sind nach den Prognosen doch die größten Verlierer. Wie viele Schüler aus dem Kreis Kronach gehen denn auf eine Wirtschaftsschule?" Deshalb ist er mit einem Blick auf den politischen Mitbewerber überzeugt: "Es kommt nix, dass die Monokultur mit den Schulen in Kronach ändert."

Jürgen Baumgärtner weist dies zurück: "Ziel der CSU ist es, dass die Kinder im Landkreis Kronach beschult werden. Wir wollen, dass alle schulischen Möglichkeiten geboten werden." Den Vorstoß Rauhs hält er hingegen für ein "Rumpoltern" vor der Landratswahl. "Erst gut zuhören, dann stören!", rät er seinem Gegenüber, der erst einmal eine einheitliche Linie in der SPD herstellen solle. Die Belastung der Eltern durch Fahrdienste für ihre Kinder, der Nutzen von Direktbussen, die Notwendigkeit, Geld in die Bildung zu stecken - in all diesen Bereichen fahre die SPD keine klare Linie. Er selbst habe dies hingegen beispielsweise in Sachen G 9 getan, wo seine Bemühungen gefruchtet hätten.


Erst Schülerbeförderung oder erst Schule?

Außerdem kritisiert er die Einstellung der Sozialdemokraten im Landkreis zur Schülerbeförderung. Äußerungen über "ein paar wenige Minuten", um die es gehe, "zeigen, wessen Geistes Kind die SPD ist". Sie nehme die Frage der Schülerbeförderung einfach nicht ernst.

Dem widerspricht Richard Rauh. Er meint, man dürfe die Schülerbeförderung nicht aus den Augen verlieren und müsse sie verbessern, wo es gehe. Aber letztlich bleibe die Geografie des Frankenwaldes davon unangetastet. "Da ist doch eine Gemeinschaftsschule im Norden besser. Damit passe ich mich der Geografie an", betont Rauh. So könnten die langen Anfahrtswege für viele Schüler verbessert werden. Wer hingegen erst den Schülerverkehr regeln wolle, zäume das Pferd von hinten auf. Die Probleme mit dem Schulweg seien überhaupt erst durch die Entscheidung des Freistaats entstanden, aufs G 8 umzusatteln. "Probleme haben wir erst ab der sechsten Stunde." Nun warte er sehnsüchtig auf das Konzept der CSU, das von Jürgen Baumgärtner propagiert werde - seit Ende 2015.


Konzept soll kommen

Das werde auch geliefert, unterstreicht Baumgärtner: "Wir werden als CSU einen Vorschlag für die Bildungslandschaft machen - aber erst dann, wenn die Schülerbeförderung geklärt ist." Dieses Konzept soll auch eine weiterführende Schule - neben der Wirtschaftsschule - beinhalten. Für alle solche Gedankenspiele sei die Schülerbeförderung aus CSU-Sicht allerdings die Grundlage.
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