Die Bürger werden dadurch auch aus der Verantwortung genommen, welche vorsieht, dass zwischen sieben und 19 Uhr die Gehwege und Gehbahnen in einem ordentlichen Zustand sind. Für die beiden Gemeindearbeiter bedeutet dies einen gewissen Mehraufwand, für die Bürger "sorgenloses Ausschlafen".
"Ich bin jetzt im Winter jeden Tag um 4 Uhr draußen und mache mit dem Pkw meine Dorfrunde", erzählt der Bauhofchef Thomas Förtsch. "Ist alles in Ordnung, lege ich mich noch etwas schlafen und gehe dann meist eine Stunde später zur Arbeit in den Bauhof. Bei Schnee oder Glätte rufe ich meinen Mitarbeiter Christoph Scherbel an und wir beginnen mit dem Räumen. Fast immer bin ich dann auf dem großen Fahrzeug unterwegs und räume die Gemeindestraßen und Plätze, während mein Kollege mit dem neu angeschafften Fahrzeug die Gehwege räumt." Alles Weitere sei vom Wetter abhängig. Während des Tages machen sie ihre weiteren Bauhof-Arbeiten, seien aber flexibel. Wenn es die Witterung erfordert, gehen sie auch nochmals "on Tour". "Unser Ziel ist es, dass keine Überstunden anfallen beziehungsweise dass die vom Wochenende umgehend wieder abgebaut werden", so Förtsch.
Bürgermeister Peter Klinger (CSU) erklärt, dass man sich im Vorfeld viele Gedanken gemacht habe, um in Sachen Räum- und Streupflicht vor allem für die älteren Bürger eine entsprechende Lösung zu finden. Für diese "Aktion" sei es notwendig gewesen, ein leistungsfähiges Gerät, welches auf die schmalen Gehsteige passt, anzuschaffen. Mit Zusatzgeräten seien 25 000 Euro investiert worden. So könne das Gerät im Sommer umfunktioniert und zum Mähen verwendet werden.
Insgesamt sei der Dienst sicher auch vom Finanziellen her für die Bürger erschwinglich. Eine pauschale Umlegung sei aus rechtlicher Sicht nicht machbar gewesen, deshalb habe man als Maßstab die Frontlänge der Grundstücke nehmen müssen. Bei einem Preis von 1,32 Euro pro Meter und Jahr kommen im Schnitt rund 40 Euro auf die einzelnen Anwesen zu. Der Gemeinde Tschirn bringe dies im Jahr knapp 10 000 Euro in die Kasse, so Klinger.
Zur Kasse gebeten werden für diesen Dienst alle Tschirner - auch die, deren Grundstück nicht an einen Gehsteig grenzt. Schließlich seien auch diese verpflichtet gewesen, im Winter eine ein Meter breite Gehbahn herzustellen. Zumindest habe gewährleistet sein müssen, dass ein eventuell gegenüberliegender Gehweg geräumt ist. "Die Bürger dürfen nicht verkennen, dass ihnen auch auf Straßen ohne Gehsteig nun das Risiko und die Verantwortung im Schadensfall genommen werden", spricht Klinger die rund 50 Widersprüche an, die es bei diesem Angebot gegeben hat. Bei einer vorgegangenen Bürgerversammlung habe sich die Mehrheit der Tschirner, etwa 80 Prozent, für die nun umgesetzte Lösung ausgesprochen.
Natürlich hätten die Bürger ihre Gehwege auch von einem privaten Anbieter räumen und streuen lassen können. "Allerdings entstehen dabei die zigfachen Kosten", meint Klinger.
Auf jede Gemeinde sei die Tschirner Regelung sicher nicht übertragbar. "Wir haben eine überschaubare Ortslage, in größeren Gemeinden lässt sich das aus organisatorischen, personellen und finanziellen Gründen sicher nicht machen."