Kronach
Konzert

Bilder und Musik im Dialog

Das "PentAnemos"-Bläserquintett gestaltete eine musikalische Bilderreise mit dem Titel "TraumGestalten" in der Kronacher Synagoge. Charakter-Porträts und Kammermusik harmonierten vortrefflich.
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Das Bläserquintett "PentAnemos" begeisterte am Sonntag mit seiner musikalischen Bilderreise. Die Malerin Hanna Petermann (links) spielt im Ensemble Flöte .  Fotos: Heike Schülein
Das Bläserquintett "PentAnemos" begeisterte am Sonntag mit seiner musikalischen Bilderreise. Die Malerin Hanna Petermann (links) spielt im Ensemble Flöte . Fotos: Heike Schülein
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Sie heißen Tomke, Vincent, Pelle, Hendrik, Rainer oder Emily, und es scheint so, als ob sie ihrer Erschafferin und deren Musikerkollegen an diesem Freitagabend über die Schulter schauen: Jede Menge eigenwillige Charakter-Porträts schmückten am Wochenende die Wände der Kronacher Synagoge. Geschaffen wurden sie von Hanna Petermann.

Die Künstlerin ließ sich bei ihren Bildern von Debussys berühmten "Clair de Lune" (Mondschein) - auf Grundlage des gleichnamigen Gedichts von Paul Verlaine - inspirieren.

Das "Clair de Lune" aus der Suite "Bergamesque" von Claude Debussy bildete den musikalischen Ausgangs- und Mittelpunkt der klingenden Bilderreise, die "PentAnemos" am Freitagabend mit den vielen Gästen in der Kronacher Synagoge unternahm.
Zu diesem Ensemble zählt die Künstlerin Hanna Petermann (Flöte) ebenso wie Dirk Kammerer (Oboe), Claudia Sautter (Klarinette), Christian Loferer (Horn) sowie die Kronacherin Susanne von Hayn (Fagott), die in Kronach ihr neues Projekt vorstellten.

"Wir wollen unseren Zuhörern ein künstlerisch anspruchsvolles und dennoch leicht zugängliches Programm bieten", erläuterte Claudia Sautter eingangs des Konzerts. Dafür habe man Wolfgang Renz gebeten, bekannte Klavierstücke entsprechend für das Quintett zu arrangieren.

Die einstmals für zwei Hände und zehn Finger komponierten Werke nun zu fünft mit 50 Fingern zu spielen, sei durchaus eine Herausforderung, mache aber auch unheimlich viel Spaß. Leider locke man in der heutigen "Eventgesellschaft" mit Kammermusik alleine nicht mehr allzu viele Gäste an. Glücklicherweise wisse man mit Hanna Petermann eine professionelle Malerin in den eigenen Reihen, die mit ihren Bildern gleichzeitig für eine "visuelle Stimulation" sorge.

Petermann, 1980 in Kiel geboren, entwickelte bereits in jüngsten Jahren ihre Begeisterung für die Malerei. Sie schnupperte schon als Kind die Atelier-Luft bei ihrem professionell malenden Vater Ulf Petermann.
Neben dem Studium der Musik - ihrer zweiten großen Leidenschaft - baute sie ihre bildnerischen Fähigkeiten weiter aus. Sie erhielt Aufträge im Bereich der Illustration und widmet sich seit dem Sommer 2013 der Öl-Malerei.

"Die Anregung für die hier zu sehenden Bilder erhielt ich in dem Gedicht "Clair de Lune", so die Künstlerin, die regelmäßig Unterricht bei Ulf Petermann und Lars Möller erhält. Manche würden sich dabei fragen, wo die im Gedicht vorkommenden Masken, die Vögel und der Mond seien. "Für mich war das Gedicht nur eine Inspirationsquelle. Ich habe es nicht illustriert, sondern wollte die Stimmung in den Gesichtern einfangen", so Petermann weiter. Sie schaue viel lieber hinter die Maske.

Beim Musikprogramm handelte es sich ausschließlich um Klavierwerke, die später von verschiedensten Komponisten orchestriert und schließlich von Wolfgang Renz für "PentAnemos" arrangiert wurden.

Schmetterling und Elfentanz

Neben der faszinierenden Klangpoesie von Debussys "Clair de Lune" brachte das Quintett auch acht "Lyrische Stücke" des norwegischen Pianisten und Komponisten Edvard Grieg zum Klingen. Zwischen 1867" und 1901 schuf er insgesamt 66 kurze Charakterstücke. Zu hören waren "Norwegische Melodie", "Elfentanz", "Einsamer Wanderer", "Schmetterling", "Erotik", "Kobold", "Andante" und der berühmte Ausflug in die Welt der Trolle, der "Zug der Zwerge".

Im zweiten Teil erklang, ebenfalls aus Debussys Feder, die Suite aus "La Boîte à Joujoux" (Die Spielzeugschachtel), ursprünglich eine Ballettmusik für Marionetten, nach einem Libretto von André Hellé. "Pent Anemos" arbeitete dabei in die Musik einen eigens für sie vom Schweizer Drehbuchautor und Schriftsteller Charles Lewinsky geschriebenen Text ein. Damit ließen sie vor dem inneren Auge des Zuhörers die Liebesgeschichte der Puppe mit ihrem Zinnsoldaten lebendig werden.

Das 2004 von Akademiestipendiaten der Münchener Philharmoniker und der Bayerischen Staatsoper gegründete Ensemble "PentAnemos" gewann schon zahlreiche Preise bei internationalen Musikwettbewerben. Seine Musik präsentierten das Bläserquintett in der Synagoge auf solch eindringende Art und Weise, dass man meinte, Teil der Handlung zu sein. Im Kopf entstanden Bilder und Geschichten voller Poesie, dargestellt durch Melodien und Töne.

Für dieses einzigartige Erlebnis bedankte sich das Publikum mit lang anhaltendem Applaus, wofür es mit der Zugabe "Arietta" - Nummer Eins der "Lyrischen Stücke" - belohnt wurde.

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