Kronach
Amtsgericht

Bewährung für zwei Diebe in Kronach

Zwei erneut straffällige junge Männer wurden zu Geld- und Freiheitsstrafen verurteilt. Außerdem müssen sie viele Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Beide haben ein langes Vorstrafenregister.
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Das Sparschwein einer Friseurin haben zwei junge Männer gestohlen. Nun standen sie deswegen und wegen weiterer Delikte vor Gericht. Foto: Peter Kneffel, dpa
Das Sparschwein einer Friseurin haben zwei junge Männer gestohlen. Nun standen sie deswegen und wegen weiterer Delikte vor Gericht. Foto: Peter Kneffel, dpa
Ihr Vorstrafenregister ist lang und einschlägig. Trotzdem erhielten zwei junge Männer noch einmal Bewährungsstrafen für ihre Taten: mehrere Diebstähle. Richter Markus Läger verurteilte denjenigen, der dauernd lächelte und alles bereitwillig zugab, auch das, was er wahrscheinlich nicht gemacht hat, zu einer milderen Strafe, den anderen, der still und verkniffen dasaß und nichts gemacht haben wollte, zur höheren Strafe.

Der 22-Jährige muss eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 15 Euro zahlen und wurde zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten, auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, verurteilt. Außerdem muss er genauso gemeinnützige Arbeit leisten wie sein 21-jähriger Komplize. Der muss 40 Tagessätze zahlen und erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Monaten mit den gleichen Bewährungsauflagen. Außerdem muss er die begonnene Drogentherapie fortsetzen.

Die beiden jungen Männer haben schon einiges auf dem Kerbholz und es erweckte den Anschein, dass das nicht ihr letzter Besuch auf der Anklagebank gewesen ist, denn sie hatten nach den vorherigen Verurteilungen munter weiterhin gegen Gesetze verstoßen, auch noch in der Bewährungszeit.

Der 22-Jährige hat bereits sieben Einträge im Bundeszentralregister, unter anderem wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, wegen Sachbeschädigung, Diebstahl und "Erschleichen von Leistungen". So nennt die Bahn das Schwarzfahren. Der junge Mann muss ein notorischer Schwarzfahrer sein, denn er wurde bereits elfmal erwischt.


Einer lächelt, einer leugnet

Auch sein 21-jähriger Kumpel zieht es anscheinend vor, keine Fahrkarten zu kaufen, denn er wurde innerhalb von sechs Wochen in diesem Frühjahr dreimal beim Schwarzfahren ertappt. Das gab er genauso bereitwillig - und mit einem Lächeln im Gesicht - zu wie den Diebstahl eines Beinscherhebels aus einer Arztpraxis. Wozu er das wohl gebraucht hätte, wurde er gefragt. Die Antwort blieb er schuldig, aber das gestohlene Teil ist sehr stabil und sieht fast aus wie ein Einbruchswerkzeug. Einbrüche stehen nicht in seinem Vorstrafenregister, aber - richtig getippt - Schwarzfahrten und auch Drogendelikte.

Bei der vorherigen Verurteilung erhielt er eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen, die er wahrscheinlich nicht bezahlen kann, denn mit einem Lächeln, als ob er sich drauf freue, kündigte er an, dass 18 Tage Ersatzhaft anstünden.
Der Diebstahl eines Sparschweins mit 39 Euro Trinkgeld für eine Friseurin nahm die meiste Zeit der Verhandlung vor dem Amtsgericht in Anspruch und rief auch die meisten Zeugen auf den Plan. Am 20. Juni dieses Jahres hatte das Duo am Morgen ein Friseurgeschäft in Kronach aufgesucht und ein Sparschweinchen mit dem Trinkgeld für eine der Angestellten mitgehen lassen. Weil das so erfolgreich lief, kamen die beiden jungen Männer zwei Stunden später erneut, mussten aber ohne Beute abziehen, weil der Diebstahl bemerkt und die restlichen Trinkgeld-Schweinchen in Sicherheit gebracht worden waren. Dieser erneute Besuch war ihr Fehler, denn nach dem Diebstahl konnte sie die Polizei nicht finden, aber nach dem erneuten Besuch schaute eine der Friseurinnen, wohin sie liefen. Dafür kassierte sie auch noch die freche Bemerkung: "Willst ein Passbild?" Dank der guten Täterbeschreibung wurden die beiden Diebe von einer Polizeistreife aufgegriffen und bei einer Gegenüberstellung auch identifiziert.


Wer nahm das Schweinchen?

Vor Gericht wurde es dann noch einmal kompliziert. Der jüngere der Angeklagten verkündete mit einem Lächeln, dass er das Sparschwein gestohlen habe, während sein Kumpel nichts damit zu tun gehabt habe, denn der habe zwischen Tresen und Tür gestanden. Das bestritten alle vier Friseurinnen. Der Jüngere habe eine der Mitarbeiterinnen in ein Gespräch wegen eines Friseurtermins verwickelt, während sich der Ältere auf Höhe der Schweinchen über den Tresen gebeugt habe. Auch nach mehreren Vorhaltungen konnte sich der 22-Jährige nicht zu einem Geständnis durchringen, sondern ließ seinen Kumpel weiterhin die Tat auf sich nehmen. Richter Läger glaubte den Angeklagten nicht.

Auch beim Diebstahlsvorwurf wegen eines 600 Euro teuren Smartphones blieb der 22-Jährige beim Leugnen. Dieses Handy soll er ausgerechnet seinem Cousin, mit dem er sich immer gut verstand, in dessen Wohnung gestohlen haben. Kurz vor dem Besuch war das Handy noch da, denn der Geschädigte telefonierte damit noch mit dem Angeklagten. Während des Besuchs lag es auf dem Wohnzimmertisch, während der Handybesitzer in der Küche war. Der Angeklagte verließ die Wohnung unter einem Vorwand und mit der Ankündigung, gleich wiederzukommen, kam aber nicht zurück. Das Handy war verschwunden. Der Cousin war sich sicher, dass nur der Angeklagte das Teil gestohlen haben könne und brach daraufhin die Verbindung ab.
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