Küps
Gemeinderat

Bernd Rebhans leichter Start mit Schönheitsfleck

Grund für viel Zündstoff gab es im Küpser Marktgemeinderat eigentlich nicht. Für Misstöne sorgten aber die Wahlen der Bürgermeister-Stellvertreter.
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Als ältestes anwesendes Gemeinderatsmitglied vereidigte Helga Mück (Freie Wähler) Bernd Rebhan (CSU) am Dienstagabend als neuen Bürgermeister der Marktgemeinde Küps. Foto: Marian Hamacher
Als ältestes anwesendes Gemeinderatsmitglied vereidigte Helga Mück (Freie Wähler) Bernd Rebhan (CSU) am Dienstagabend als neuen Bürgermeister der Marktgemeinde Küps. Foto: Marian Hamacher
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Diese Mienen wollten so gar nicht ins Bild passen - ins Bild einer Marktgemeinderatssitzung, die geprägt war von Lächeln, Umarmen und Händeschütteln. Von Abschieden und Neuanfängen. Doch während der neue Bürgermeister Bernd Rebhan (CSU) am Dienstagabend erstmals eine Sitzung leitete, blieb bei der SPD alles beim Alten. Zumindest bis zu den nächsten Gemeinderatswahlen. In drei Jahren werden sie auch weiterhin weder den ersten noch den zweiten Stellvertreter des Bürgermeisters stellen.

Stoisch, fast versteinert und leicht entsetzt wirkten die Gesichter der sieben SPD-Fraktionsmitglieder, während um sie herum lautstark geklatscht wurde. Der Erste, der wieder lachen konnte, war ausgerechnet Thomas Friedlein. Zweimal hintereinander hatte der 50-Jährige kurz zuvor das Nachsehen.

Dass er bei der Bürgermeisterwahl am 5. Februar 37,7 Prozent der Stimmen holte, zeige, dass viele Bürger ihm das Vertrauen geschenkt haben, betonte Ralf Pohl (SPD), als Rebhan Vorschläge erbat, wer denn sein erster Stellvertreter werden soll. "Thomas Friedlein ist ein aktiver Gemeinderat in den besten Jahren. Seine Wahl wäre ein Zeichen, dass alle drei Fraktionen im Gemeinderat Wert auf eine wirkliche Zusammenarbeit legen", sagte Pohl. Wer gemeinsam die Gemeinde gestalten wolle, sollte der zweitstärksten Fraktion den Posten des Zweiten Bürgermeisters zugestehen.


Rebhans Vorschlag

Doch dieser Meinung waren offenbar nur die Mitglieder seiner Fraktion - jedenfalls entfielen lediglich sieben Stimmen auf Friedlein, der während des Bürgermeister-Wahlkampfs einen starken Eindruck hinterlassen hatte. 14 Stimmen entfielen hingegen auf die bisherige Dritte Bürgermeisterin Helga Mück (Freie Wähler). Vorgeschlagen von Rebhan selbst.

Da sie dem Gremium bereits seit 1990 angehört und seit 15 Jahren das Amt als Dritte Bürgermeisterin ausübt, verfüge sie über einige Verwaltungserfahrung. "Sie hat bereits mehrfach Vertretungen übernommen und kann daher für mich eine wichtige Stütze bei der Amtsausführung sein", argumentierte der neue Bürgermeister. Sie sei darüber hinaus zeitlich flexibel und könne einspringen, wenn Vertretungen notwendig werden.

Ebenfalls mit 14:7 ging wenige Minuten und eine Blumenübergabe später die Abstimmung über die Nachfolge von Mücks bisherigem Posten aus. Diesmal setzte sich der stellvertretende Fraktionssprecher der CSU, Thomas Meyer, gegen Friedlein durch, den die SPD abermals ins Rennen schickte. "Es gab für uns keine Möglichkeit, uns mit den anderen Fraktionen zu einigen", erklärte Pohl einen Tag später.

Es habe im Vorfeld Gespräche mit Rebhan gegeben. "Er hat zum Ausdruck gebracht, dass er sich eine Person aus unserer Fraktion als Dritten Bürgermeister vorstellen könnte", so Pohl. Doch diese Person - nach FT-Informationen soll es sich dabei um Matthias Hopf handeln - habe sich das Amt aus persönlichen Gründen nicht vorstellen können. "Nachdem das nicht möglich war, wurde uns angedeutet, dass es nichts wird", sagt Pohl, der seine Partei ausgegrenzt sieht. "Ich denke, es wird die Atmosphäre belasten. Ein Vertrauensverhältnis zum neuen Bürgermeister ist so nicht leicht herstellbar."

Dennoch werde die SPD selbstverständlich im Gemeinderat mitarbeiten. Es habe sich aber gezeigt, dass die CSU und die Freien Wähler, "ein Herz und eine Seele sind". Pohl schätzt, dass dies auch in den kommenden Jahren so sein wird und beide Parteien ihre Themen durchdrücken werden.

Einen Konflikt möchte der neue Bürgermeister aber nicht aufkommen lassen. "Ich bin sicher, dass wir mit der SPD vertrauensvoll zusammenarbeiten werden", betonte Rebhan am Mittwoch. Er blicke optimistisch in die Zukunft. Er wolle alle einbinden. Da in drei Jahren die Wahlen zum neuen Marktgemeinderat anstehen, wurden die Stellvertreter auch nur für diesen Zeitraum bestimmt. "Danach stellen wir uns neu auf", so Rebhan. Und es gebe viele Arten, sich aufzustellen.

In seiner Antrittsrede reichte Rebhan schon vor der späteren Abstimmung den Fraktionen die Hand. Die Fülle der anstehenden Aufgaben erfordere eine ebenso tatkräftige wie vertrauensvolle Zusammenarbeit, betonte er. "Ich biete Ihnen diese Zusammenarbeit gerne an. Mit regelmäßigen Fraktionsführergesprächen und der Weitergabe von umfassenden Informationen an Sie als Mitglieder des Ratsgremiums, will ich meinen Beitrag leisten", sagte der Bürgermeister. Küps sei eine starke Gemeinde mit einer guten sozialen Infrastruktur an Kindergärten und Krippen. Die soll auch zukünftig erhalten bleiben. Als kommende Herausforderungen nannte er unter anderem den Neubau der Schule, Dorferneuerungsverfahren, die B173 oder die Gewerbeflächen als Stichworte. "Packen wir an, um gemeinsam die Aufgaben der Zukunft zu meistern", schloss Rebhan seine Rede.


"Eine Ära geht zu Ende"

Nicht mehr aktiv daran mitwirken wird Herbert Schneider, (parteilos), der sich nach 24 Jahre als Kämmerer und 18 als Bürgermeister in den Ruhestand verabschiedet (wir berichteten). Auf seinen Wunsch hin, fand seine offizielle Verabschiedung vor dem Ratsgremium statt. Jede Fraktion bedankte sich für die geleistete Arbeit, besonders seine Nähe zu den Bürgern bleibe vielen im Gedächtnis. "Als du deine letzte Rede gehalten hast, konnte ich es nicht glauben. Es ist eine Zäsur, eine Ära geht zu Ende", sagte etwa die CSU-Fraktionssprecherin Ursula Eberle-Berlips. Themen wie die innere Schulentwicklung trügen seine Handschrift. "Und die Dorferneuerungen werden uns alle überdauern."

Schneider erinnerte sich noch einmal an seine Anfangszeiten 1975 im Rat, als noch dicke Rauchschwaden über den Tischen schwebten und schlug die Brücke zu seinem politischen Vermächtnis. 40 Millionen Euro habe die Marktgemeinde während seiner Amtszeit selbst in die Hand nehmen müssen. "Alles andere wurde durch Zuschüsse finanziert. Dafür möchte ich den Behörden danken", sagte Schneider. Projekte umzusetzen sei aber immer auch die Leistung eines Kontrollorgans. Dankbar sei er daher auch für die gute Zusammenarbeit im Gremium.

Wie diese in den kommenden Jahren aussieht, ist eine der spannendsten Fragen. Angesichts der Differenzen um die Stellvertreter-Wahlen könnte es sein, dass der Neuanfang selbst einen Neustart braucht.

Außerdem im Marktgemeinderat beschlossen

Neubesetzung: Mit der Wahl Bernd Rebhans zum Bürgermeister und Verbandsvorsitzenden des Abwasserverbandes Kronach-Süd, wurden auch die in den vergangenen Jahren von ihm besetzten Ausschussplätze frei. Übernommen werden diese von Mitgliedern seiner Fraktion. Im Bau- und Umweltausschuss wird zukünftig Hubertus von Künsberg-Langenstadt Platz nehmen, während CSU-Fraktionssprecherin Ursula Eberle-Berlips in den Rechnungs- und Prüfungsausschuss rückt. Im Verbandsrat des Abwasserverbands wird Rebhan durch Thomas Meyer ersetzt. Den frei gewordenen Platz in den Reihen der CSU-Fraktion übernimmt Beate Renner, die am Dienstag in der Sitzung vereidigt wurde.

Neueinstellung: Ein Drittel der Rathaus-Mitarbeiter gehe in den kommenden Jahren in den Ruhestand, so Rebhan. Dem müsse man sich anpassen. Als erster Schritt beschloss der Marktgemeinderat, eine Ausbildungsstelle für einen Beamtenanwärter zu schaffen. Der zukünftige Beamte soll seinen Dienst dann zum 1. September 2018 antreten.

Trauungen: Wie schon seine Amtsvorgänger, wird auch Bernd Rebhan Ehe- und Lebenspartnerschafts-Schließungen durchführen dürfen. Möglich macht dies eine Ausnahmeregelung, die Bürgermeister auf Antrag der Verwaltung zu sogenannten Trauungsbeamten macht - also zu Standesbeamten mit einem eingeschränkten Aufgabenbereich. Dadurch soll laut Antrag den "praktischen Bedürfnissen im Standesamt vor Ort Rechnung" getragen werden.


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