Kronach
Gebühr

Behinderte müssen fürs Parken zahlen

Seit diesem Kronacher Freischießen verlangt die Schützengesellschaft fünf Euro von Rollstuhlfahrern und Co. für die Parkplätze direkt vor dem Schützenhaus.
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Sebastian Kotschenreuther und Nadine Hannweber besuchen das Freischießen im Rollstuhl. Die Parkgebühr für Behinderte ärgert sie. Foto: Corinna Igler
Sebastian Kotschenreuther und Nadine Hannweber besuchen das Freischießen im Rollstuhl. Die Parkgebühr für Behinderte ärgert sie. Foto: Corinna Igler
Sebastian Kotschenreuther fährt mit seinem Rollstuhl über den Schützenplatz. Doch so fröhlich wie sonst genießt er das Fest heuer nicht. Er ist verärgert. Der Grund: Für den Behindertenparkplatz auf dem Platz vor dem Schützenhaus muss er ab diesem Jahr zahlen. Und zwar fünf Euro. Bisher seien die Behindertenparkplätze beim Freischießen immer kostenlos gewesen.

"Das kann ja wohl nicht sein", sagte der Neufanger am Donnerstagabend bei der Bierprobe verwundert, als der Parkplatzeinweiser von ihm Geld verlangte. "Ich kann ja nichts dafür, dass ich im Rollstuhl sitze", sagt Sebastian Kotschenreuther. Wenn er wenigstens nur die 2,50 Euro zahlen müsste, die für gewöhnliche Parkplätze rund um das Schützenfest-Areal anfallen. "Aber sogar das Doppelte - das ist eine Frechheit", findet er.

Der Parkplatzeinweiser habe ihn dann ein paar Meter weiter Richtung Seelach verwiesen. Dort müsste er nur 2,50 Euro zahlen. Aber die Parkplätze direkt an der Seite des Schützenhauses seien meist schon "von Nicht-Rollstuhlfahrern" zugeparkt, und weiter oben könne man es einem Rollstuhlfahrer nicht zumuten, zu parken. Erstens sei dies ziemlich weit und steil, und dann müsse man dort ja durch die Wiese, die als Parkplatz diene, was mit dem Rollstuhl nicht möglich sei. "Da braucht man einfach eine ebene, geteerte Fläche", erklärt Sebastian Kotschenreuther.

Darin bestärkt ihn auch Heinrich Hannweber, dessen zehnjährige Tochter Nadine ebenfalls im Rollstuhl sitzt. "Klar kann ich sie unten am Platz rauslassen und mir dann woanders einen Parkplatz suchen. Aber so lange steht sie dann alleine dort herum beziehungsweise muss noch jemand dabei sein, der mit ihr wartet." Er und Sebastian Kotschenreuther finden die neue Regelung der Schützen alles andere als sozial. "Bei sämtlichen Großveranstaltungen - egal wo - sind Parkplätze für Behinderte kostenlos", sagt Hannweber.

Dabei betonen beide, dass es ihnen nicht darum gehe, sparen zu wollen. Aber es sei einfach so, dass Behinderte - gerade Rollstuhlfahrer - auf einen ebenerdigen Zugang angewiesen seien und ja nichts dafür könnten, dass sie behindert sind.

Platzmeister Charly Wittig erklärt auf Nachfrage von inFranken.de, dass man lange darüber diskutiert habe, ob man auch für Behindertenparkplätze eine Gebühr erhebt. "Im Kronacher Parkhaus muss man ja auch für einen Behindertenparkplatz zahlen", erklärt er.

Für den Parkplatz direkt vor dem Schützenhaus seien drei Personen nötig, welche die Ein- und Ausfahrt überwachten und die Einweisung übernähmen. "Sonst ist der Parkplatz nicht freizuhalten", so Wittig. Diese drei Parkwächter kosten die Schützengesellschaft insgesamt 30 Euro in der Stunde. "Wenn die, wie bei der Bierprobe von 16 bis 23 Uhr dort sind, dann sind das sieben Stunden mal 30 Euro. Das kostet uns 210 Euro. Hochgerechnet auf alle elf Tage sind das extreme Kosten, die wir als Schützengesellschaft alleine tragen müssen", erklärt der Platzmeister. Dem gegenübergestellt seien lediglich die Einnahmen durch 15 Parkplätze, die man sich für jeweils 80 Euro über die gesamte Festzeit auf dem gleichen Platz mieten könne, also 1200 Euro.

"Wenn man diese 80 Euro, die ein Nicht-Behinderter für elf Tage Parken auf dem Platz zahlt, auf einen Tag umlegt, dann sind die Behindertenparkplätze ja ermäßigt", so Charly Wittig. Die Behindertenparkplätze würden zudem freigehalten, nicht anderweitig belegt.

Stefan Wicklein, Geschäftsführender Beamter der Stadt Kronach, erklärt, dass mindestens sechs Behindertenplätze beim Freischießen vorhanden sein müssen. Ob man dafür Geld verlangt oder nicht, sei aber die Entscheidung der Schützengesellschaft.

Sebastian Kotschenreuther und Heinrich Hannweber können diese Entscheidung nicht nachvollziehen: "Wenn die Schützengesellschaft auf das Geld der sechs Rollstuhlparkplätze angewiesen ist, dann tut sie mir leid", sagt Kotschenreuther. Und Heinrich Hannweber fügt hinzu: "In Kronach wird auf Inklusion gepfiffen. Behinderte spielen hier keine Rolle - und zwar nicht nur beim Freischießen."


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