Kronach
Auszeichnung

Bayerns bester Fachabiturient kommt aus Kronach

Was haben ein Fallschirmspringer und eine Abiturprüfung gemein? Johannes Friedlein weiß es. Der Kronacher hat das Fachabitur an der Adalbert-Raps-Schule in Kulmbach mit dem Notendurchschnitt von 0,88 bestanden. Er ist der wagemutige Springer aus einer alten Abiprüfung.
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Bester Fachabiturient Bayerns im Bereich Technik ist Johannes Friedlein aus Kronach mit dem nicht alltäglichen Notendurchschnitt von 0,88. Heike Frauenfelder vom Landeselternbeirat, Schulleiter Joachim Meier (rechts) und sein Stellvertreter Reinhard Schuberth (zweiter von links) gratulieren ihm. Foto: Stephan Stöckel
Bester Fachabiturient Bayerns im Bereich Technik ist Johannes Friedlein aus Kronach mit dem nicht alltäglichen Notendurchschnitt von 0,88. Heike Frauenfelder vom Landeselternbeirat, Schulleiter Joachim Meier (rechts) und sein Stellvertreter Reinhard Schuberth (zweiter von links) gratulieren ihm. Foto: Stephan Stöckel
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"Diesen Praxisbezug habe ich an der Fachoberschule (FOS), wo ich den technischen Zweig besuchte, immer geschätzt. Es geht nicht so verkopft zu wie am Gymnasium."

Der 18-jährige Fachoberschüler steht nicht nur an seiner Schule, sondern im gesamten Freistaat an der Spitze: "Von über 4000 Schülern der Fachrichtung Technik bist du der beste in Bayern", schwärmt stellvertretender Schulleiter Reinhard Schuberth am Freitagabend bei der Abschlussfeier in der Dr. Stammberger-Halle. Der kluge Kopf wurde mit Preisen überhäuft: Holger Popp, Einkaufsleiter bei dem Kulmbacher Unternehmen Raps, überreichte ihm den mit 1500 Euro dotierten Adalbert-Raps-Preis, Heike Frauenfelder den Sonderpreis des Landeselternbeirates. Auch Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein zählt zu den Gratulanten.

Der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner fühlt sich - mit einem Augenzwinkern versteht sich - beim Notendurchschnitt des jungen Kronachers an die Promillegrenze erinnert: "Früher hätte ich gedacht: Da bist du dran, wenn die dich anhalten." Doch nichts dergleichen ist der Fall, wie Friedlein aufklärt: "Dieser ungewöhnliche Wert ergibt sich, wenn man das 15-Punkte-System an der FOS in das normale Notensystem von eins bis sechs umrechnet. Auf meinem Abiturzeugnis steht der Einfachheit halber die Note 1,0."

Worum es in der eingangs erwähnt Aufgabe ging, verrät der junge Mann auch noch: Anhand einer vorgegeben Funktion habe man die Höchstgeschwindigkeit des Springers berechnen dürfen und herausfinden müssen, wie seine Flugbahn verlaufe.

Seine Lieblingsfächer, wie könnte es auch anders sein, sind Mathematik und Physik. Es bereite ihm viel Spaß, so Friedlein, komplizierte Zusammenhänge mit Zahlen nachzuvollziehen oder technische Systeme zu erklären und zu überprüfen.


Tüftler aus Tradition

Dass sich der 18-jährige für technische und handwerkliche Zusammenhänge interessiert, kommt nicht von ungefähr. Für ihn gilt das altbekannte Sprichwort: "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm." "Mein Vater baut in seiner Freizeit - quasi als Ausgleich zu seiner Arbeit als Softwareentwickler - Schränke. Auch eine gemauerte Halle hat er in unserem Garten schon errichtet." Und der Sohnemann, der sich selbst als Tüftler bezeichnet, hat nach eigener Aussage fleißig mitgeholfen.

In der Schule konnte er im Rahmen der fachpraktischen Ausbildung in der elften Klasse seine praktischen Fähigkeiten auf technischem Gebiet schulen. Schön findet er es, dass man an der Kulmbacher Fachoberschule auch nach der Schule noch in der Ausbildungswerkstatt willkommen sei. "Im elektronischen Labor konnte ich nach Herzenslust löten und in der Metallwerkstatt mich dem Fräsen widmen", erzählt der frischgebackene Fachabiturient.

An einer Schule wird den jungen Leuten nicht nur Wissen, sondern auch soziale Kompetenz vermittelt. In Projekten habe er gelernt mit anderen im Team zusammenzuarbeiten und Kompromisse einzugehen. Zu den Schokoladenseiten der Kulmbacher Bildungseinrichtung zählt Friedlein auch die Tatsache, dass man sich nicht in den Elfenbeinturm der Wissenschaft zurückgezogen, sondern über den technischen Tellerrand hinausgeblickt habe. "In den Fächern Deutsch und Sozialkunde wurden gesellschaftspolitische und soziale Themen diskutiert", nennt er ein Beispiel. Die Lehrer an seiner ehemaligen Schule lobt er über den Klee.


Nächster Schritt: Maschinenbaustudium

Am 1. Oktober beginnt für Friedlein mit einem Maschinenbaustudium an der Hochschule Coburg der Ernst des Lebens. Bis dorthin gehen noch ein paar Monate ins Land. In der Hängematte groß ausruhen wird sich der junge Mann in dieser Zeit nicht. "Ich absolviere bei zwei Firmen ein insgesamt achtwöchiges Grundpraktikum. Zunächst arbeite ich vier Wochen lang bei dem Fernsehhersteller Löwe in Kronach, im Anschluss daran werde ich voraussichtlich vier Wochen bei der Firma MAI verbringen, die Automatisierungsanlagen und -systeme herstellt", erzählt Friedlein.

Schulleiter Joachim Meier, der mit einer launigen Rede über das Schafkopfen ("Es trainiert den spielerischen Umgang mit Zahlen") die Lacher auf seiner Seite hatte, rät den frischgebackenen Abiturienten: "Spielen sie im Leben ihre Trümpfe aus und behalten Sie immer ein Ass im Ärmel."


Die Abschlussfeier

Der Fachabiturprüfung an der Adalbert-Raps-Schule unterzogen sich 124 Schülerinnen und Schüler von der Fachoberschule und 57 von der Berufsoberschule. 16 Schüler hatten eine Eins vor dem Komma.

Adalbert-Raps-Preisträger: Johannes Friedlein (Kronach/FOS/0,88/1500 Euro), Luisa Schramm (Marktleugast/FOS/1,4/1000 Euro), Lisa Fijolek (Bad Lobenstein /FOS/1,5/750 Euro) und Evelina Susdorf (Wirsberg/FOS/1,6/500 Euro).
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