Steinwiesen
Infrastruktur

Baustelle in Steinwiesen beeinträchtigt nicht nur den Verkehr

Die Erneuerung der Ortsdurchfahrt kostet Verkehrsteilnehmer Zeit und Nerven. Auch Gewerbetreibende klagen, reagieren mitunter aber mit kreativen Ideen auf die Zustände. Bis Ende des Jahres sollen die "groben" Arbeiten abgeschlossen sein.
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Trotz Ampelregelung kann es schon einmal passieren, dass der Verkehr wegen den Bauarbeiten vollständig zum Erliegen kommt. Foto: Heike Schülein
Trotz Ampelregelung kann es schon einmal passieren, dass der Verkehr wegen den Bauarbeiten vollständig zum Erliegen kommt. Foto: Heike Schülein
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Wer zurzeit durch Steinwiesen fahren will oder muss, der braucht Geduld und gute Nerven. Bereits am Ortseingang warnen Schilder vor einer "gesperrten Ortsdurchfahrt", verweisen auf "keine Wendemöglichkeit" und auf Ampelbetrieb. Der Schwerlastverkehr wird großräumig umgeleitet. Und wer nicht unbedingt in Richtung der Kerngemeinde Steinwiesen muss, fährt lieber außen vorbei.

Nachdem die Ortsdurchfahrt zwischenzeitlich einem Chaos glich, wurde in der vergangenen Woche eine Ampelanlage in Betrieb genommen. Zwar führt dies zu teilweise längeren Wartezeiten, aber Behinderungen im Baustellenbereich gibt es nun nicht mehr, nachdem der Verkehr jetzt jeweils nur noch in eine Richtung fließt. Dennoch herrschen teils chaotische Verhältnisse. Auf beiden Straßenseiten stehen teilweise Bagger, Lader und Lastwagen. Nachdem auch die Gehsteige aufgerissen und erst teilweise wieder normal zu begehen sind, ist es mitunter für Fußgänger oder gar Rollator-Benutzer sehr schwierig, sich sicher zu bewegen.

Doch nicht nur die Baustelle am Ortseingang aus Richtung Kronach kommend beeinträchtigt den Verkehr. Auch am Ortsausgang in Richtung Nordhalben wird kräftig gebaut. Dort wird gerade der Kanal neu verlegt. Laut Bürgermeister Gerhard Wunder sollen die groben Straßenarbeiten bis zum Herbst abgeschlossen sein. Im Frühjahr 2016 sollen schließlich die Seitenbereiche fertig gestellt werden. Dass der Kanal teilweise erneuert werden muss, "bedeutet zusätzliche Kosten und vor allem auch Arbeitsaufwand, was vorher so nicht abzusehen war", erklärt Wunder.

Koordination

"Es arbeiten zurzeit vier Firmen gleichzeitig auf der Baustelle, da ist die Koordination nicht ganz einfach. Es sind wöchentliche Baubesprechungen angesetzt und natürlich wird auch spontan miteinander geredet, wenn Probleme anfallen", betont der Bürgermeister. Die Baumaßnahme am Ortsende Richtung Nordhalben sei so nicht geplant gewesen. Doch nach einer Abwasserkanaluntersuchung wurde festgestellt, dass das Abwassersystem im oberen Bereich erneuert werden muss. "Es wäre ein Schildbürgerstreich, wenn wir die Straße fertig machen und danach für den Kanal wieder aufreißen würden", erklärt Wunder.

Seit Anfang der Woche ist die Ortsdurchfahrt ab der Raiffeisenbank in Richtung Nordhalben komplett für vier bis sechs Wochen komplett gesperrt. Für Busse und Rettungsfahrzeuge sind die Umleitungsstrecken innerhalb des Ortskerns ausgeschildert. "Es ist ein Mammutprogramm, das hier zu bewältigen ist", verweist Wunder nicht nur auf die Arbeiten, sondern auch auf die Kosten in Höhe von zirka drei Millionen Euro, wobei die Stromverlegung kostenmäßig über das Bayernwerk läuft", erklärt Bürgermeister Wunder.

Die bauliche Situation sorgt natürlich auch bei den vielen Geschäften in Steinwiesen für Beeinträchtigungen.
Dorothea Golden vom "Blumentöpfchen" kann ein Lied davon singen. Bereits im Herbst, als die ersten Bauarbeiten begonnen haben, sei die Kundschaft wegen Parkplatzproblemen bereits ausgeblieben. "Wenn die Kunden Pflanzen gerade für den Garten oder Friedhof kaufen, wollen sie mit dem Wagen vor dem Geschäft halten und einladen können. Das war im Herbst schon schwer und ist jetzt gar nicht mehr möglich", beklagt Dorothea Golden. Hinzu komme noch, dass Kunden aus benachbarten Orten Steinwiesen umfahren und anderswo einkauften. Auch dadurch breche ein Teil der Kundschaft weg.

Kunde will eine Auswahl

"Wir wissen nicht, was wir ordern sollen. Die Pflanzen können ja nicht unbegrenzt in der Gärtnerei bleiben. Und trotzdem will der Kunde eine Auswahl haben", weiß die Blumentöpfchen-Inhaberin, die dennoch kreativ auf die Situation regiert und in der Nähe des Friedhofes einen mobilen Verkaufsstand errichtet hat. Dort können Kunden in Ruhe einkaufen, ohne Beeinträchtigung durch die Bauarbeiten.

Auch Anwohnerin Irene Beierkuhnlein kann ein Lied von den Einschränkungen durch die Baustelle singen. Sie kümmert sich um ihre Eltern, die im nördlichen Teil von Steinwiesen wohnen. "Ich muss dreimal am Tag nach ihnen sehen. Da ist die Baustelle mit der Ampel schon ziemlich lästig. Im Berufsverkehr steht man dann schon mal drei Ampelphasen, ehe man durchkommt", sagt Irene Beierkuhnlein. Daran, dass es wirklich mal ganz dringend sein müsse, mag sie gar nicht denken.

Herausforderungen zu meistern haben auch die Mitarbeiter der Caritas-Sozialstation. Laut Leiterin Brigitte Wunder hat man die Probleme jedoch im Griff. "Die rechtzeitigen Informationen seitens der Gemeinde haben uns schon sehr viel genutzt. Es konnte umgeplant werden, sodass das Wohl der Patienten nicht beeinträchtigt ist", sagt Brigitte Wunder. Zwar sei die Baustelle ein generelles Hindernis und man müsse manchmal schon "Schleichwege" benutzen, aber mit gegenseitiger Rücksichtnahme werde man auch diese Bauzeit überbrücken. "Wir müssen halt die Betreuung und Versorgung unserer Patienten gewährleisten. Durch Gespräche mit den Betroffenen und den Angehörigen und mit ein paar Kompromissen funktioniert es aber gut", sagt die Leiterin und fügt hinzu, dass eben jeder seine Arbeit machen muss, die Beschäftigten der Sozialstation ebenso wie die Bauarbeiter.

Bevölkerung ist skeptisch

Wenn man sich so in der Bevölkerung umhört, herrscht schon die überwiegende Meinung vor, dass die Bauarbeiten in diesem Umfang nicht auf einmal hätten stattfinden müssen. "Muss das sein, dass überall aufgebaggert wird? Kann man das nicht nach und nach machen?" sind Sätze, die man häufig zu hören bekommt. Am Ende dürfte die Freude dennoch über eine schöne Ortsdurchfahrt mit Parkbuchten und kleinen Grünflächen überwiegen.




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