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Ludwigsstadt
Stadtrat

Bahnhofsumfeld: Stadt geht in Offensive

Ludwigsstadt kritisiert die Bahn und wird aktiv. Flüchtlingsbeauftragte Karin Weber berichtet von ihrem "Alltag" und wirbt um Verständnis.
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Das Bahnhofsgelände befindet sich im Eigentum der Bahn. Die Stadt will es nun aber nicht zuletzt aufgrund dessen, dass für Ludwigsstadt ein IC-Halt geplant ist, im Rahmen der Städtebauförderung sanieren. Foto: Frank Ziener
Das Bahnhofsgelände befindet sich im Eigentum der Bahn. Die Stadt will es nun aber nicht zuletzt aufgrund dessen, dass für Ludwigsstadt ein IC-Halt geplant ist, im Rahmen der Städtebauförderung sanieren. Foto: Frank Ziener
Für eine Diskussion im Ludwigsstadter Stadtrat sorgte die Neugestaltung des Bahnhofsumfelds. Zweiter großer Punkt war der Bericht der Flüchtlingsbeauftragten der Stadt, Karin Weber. Sie berichtete über ihren "Berufsalltag". Dass Flüchtlingshelfer es nicht immer einfach haben, wurde dabei am Donnerstagabend deutlich. Rund 70 Flüchtlinge leben derzeit im Stadtgebiet, zu Spitzenzeiten waren es 90. Anhand der Ausführungen konnte man erfahren, dass Wohnungen fehlen, Fahrräder Mangelware sind und die Sprache für so manche Barriere sorgt. Auch die behördlichen Auflagen und die andere Kultur sorgten für Probleme.
Karin Weber wies auf die Integrationskurse hin, die jedoch nur für Iraker und Syrer gelten. Die Afghanen lernen im Gemeindehaus die deutsche Sprache. Probleme bereite der lange Weg zu den Anhörungsverfahren. Diese finden unter anderem in München und Deggendorf statt und das morgens um 8 Uhr.
Die Fahrkarten seien teuer, so Weber. Es sei auch schon vorgekommen, dass Flüchtlinge aufgrund fehlender Verbindungen nach Ludwigsstadt in Kronach am Bahnhof übernachten mussten. "Auch die Einschulung von Flüchtlingskindern verlief nicht ganz reibungslos."
Ein trauriges Ereignis sei gewesen, als eine Mutter ihr Kind bei der Geburt verloren habe. "Die Eltern sind Christen, das Kind sollte daher auch eine Beerdigung bekommen." Sarg und Blumen seien gespendet worden. Aber mit den Formalitäten habe es gehapert. So wollte der Standesbeamte in Kronach keinen Totenschein aushändigen. Erst, als sie die Regierung von Oberfranken und den Landrat eingeschaltet habe, funktionierte es. Karin Weber berichtete auch, dass Flüchtlinge ihre christlichen Landsleute "mobben". Auch deren Kinder würden in der Schule gemobbt.
In der Bevölkerung würden mittlerweile Unwahrheiten verbreitet. Dass die Flüchtlinge alle Smartphones hätten, erwecke Neid bei den Einheimischen. "Dabei", so Weber, "erleichtern Smartphones die Arbeit mit den Flüchtlingen, denn dadurch können sich diese untereinander verständigen und Meldungen sowie Termine weitergeben."


Puppe mit blonden Haaren?

Karin Weber warb auch um Verständnis für deren Kultur. Und das sollte auch bei Spenden beachtet werden. In diesem Zusammenhang berichtete sie, dass beispielsweise eine Puppe mit blonden Haaren als Spielzeug von Eltern nicht akzeptiert wurde. Die Flüchtlinge haben auch gerne Teppiche, da sie es von zu Hause aus so gewohnt seien.
Bedauern äußerte sie, dass nun eine Familie, die sich in Ludwigsstadt wohlfühle, nach Steinbach am Wald in die "Flurbachschänke" umziehen müsse. "Manche Flüchtlinge", berichtete Karin Weber, "sind schon zwei Jahre in der Stadt und haben erstaunliche Fortschritte gemacht, was die Sprache betrifft. Einige davon möchten auch bleiben."


Wirbel um Steinbach

Unverständnis äußerte Karin Weber bei ihren Ausführungen zur Flüchtlingsarbeit über die Nachbargemeinde. Sie habe einen Anruf bekommen, indem sie gebeten wurde, die Flüchtlinge in Steinbach am Wald zu unterstützen. Die Gemeinde, die bei jeder Gelegenheit mit "familienfreundlich" werbe, müsste doch genügend Bürger für die Flüchtlingsarbeit haben. Sie und ihr Team könnten diese Aufgabe bei 70 Flüchtlingen nicht auch noch übernehmen. Der Gemeinderat und Flüchtlingsbeauftragte Klaus Neubauer (SPD) wies darauf hin, dass in der Kommune Bürger seien, die sich sehr wohl um die Flüchtlinge kümmerten. Dass jemand in Ludwigsstadt um Unterstützung gebeten habe, davon wisse er nichts. Er will sich nun mit seiner Kollegin, Karin Weber, in Verbindung setzen.


"Vorplanungen nötig"

Ab 2023 soll ein IC-Halt in Ludwigsstadt etabliert werden. Die Bahn, die Eigentümer des Bahnhofsumfelds ist, will ihr Grundstück nicht veräußern und will es aber auch nicht sanieren. Nun befindet sich das Areal im Bereich des Städtebaus. Bürgermeister Timo Ehrhardt schlug vor, dass die Stadt die Sanierung übernimmt und entsprechende Vorplanungen veranlasse, die wiederum notwendig seien, um in den Genuss von Städtebaumitteln zu kommen. Die Stadt denke daran, unter anderem Parkplätze auf diesem Grundstück zu schaffen. "Die Bahn tut sich leicht", so Gerhard Rentsch. "In den Großstädten werfen sie bei der Sanierung von Bahnhöfen das Geld zum Fenster hinaus. Ihre Gebäude und Flächen auf dem Land lässt die Bahn dagegen verkommen." Hermann Feuerpfeil (FW) appellierte, bei der Gestaltung der Bahnhofsvorflächen auf "barrierefrei" zu achten. Letztendlich erhielt die Verwaltung grünes Licht, die Voraussetzungen für die Vorplanungen zwecks Gestaltung der Bahnhofsflächen in die Hand zu nehmen.
Keine Einwände gab es bezüglich der Ersatzbeschaffung eines LF 20 KatS für die Freiwillige Feuerwehr Ludwigsstadt. Wie Ehrhardt ausführte, sind die bestehenden zwei Fahrzeuge bereits 22 Jahre alt. Die Anschaffung des Fahrzeugs ist im Fahrzeugkonzept der Jahre 2015 bis 2017 berücksichtigt. Insgesamt investiert die Stadt hierfür 330 000 Euro. Mit einem Zuschuss in Höhe von 92 400 Euro sei zu rechnen. Die europaweite Ausschreibung soll nun 2017 erfolgen.


Neue Planungen in Lauenhain

Lauenhain muss nun noch etwa drei Jahre auf schnelles Internet warten. Der Grund: Die Telekom hatte geäußert, den Breitbandausbau zu übernehmen. Daher konnte Lauenhain bei der Antragsstellung zwecks Förderung für den Breitbandausbau im Stadtgebiet nicht berichtigt werden. Nun räumt die Telekom aber Planungsfehler ein und zieht sich aus dem Vorhaben zurück. Das hat zur Folge, dass neue Planungen in Auftrag gegeben werden müssen. Die Verwaltung wurde beauftragt, einen Zuwendungsantrag für die Übernahme der Kosten des Planungsbüros zu stellen. Wie Ehrhardt erläuterte, übernimmt der Bund im Rahmen eines eigenen Förderungsprogramms diese Kosten pro Kommune bis zu 50 000 Euro. Die Umsetzung des Breitbandausbaus für Lauenhain im Bundesprogramm erachtet der Bürgermeister jedoch als schwierig, da die Bagatellgrenze bei 100 000 Euro liegt. Allerdings könnte jedoch ein Zuschuss aus dem bayerischen Breitbandprogramm möglich sein.



Der Gemeinderat in Kürze


Kindergarten Keine Einwände gab es bei der energetischen Sanierung des Kindergartens Lauenhain. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 220 000 Euro. Im Rahmen des Kommunalinvestitionsprogramms wird ein Zuschuss in Höhe von 135 000 erwartet.

Sanierung Zugestimmt wurde auch der energetischen Sanierung der Schule in Ludwigsstadt. Es geht dabei um die Erneuerung der Heizkessel, des Wärmetauschers im Hallenbad und die energetische Verbesserung der Hallenbadfassade. Es fallen hierfür Kosten in Höhe von 232 000 Euro an.

Förderung Zugestimmt wurde, dass der Privatbesitzer für seine Dachsanierung in der Lauensteiner Straße 30 das kommunale Förderprogramm in Anspruch nehmen kann.

Termine 30. Oktober Herbstmarkt in Ludwigsstadt, 4. bis 7. November Kirchweih in Steinbach/Haide. vs

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