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Coburg
Babyleichen-Prozess

Babyleichen von Wallenfels: Urteil ist gefallen

Urteil im Babyleichen-Prozess: Andrea G. soll vier ihrer Kinder direkt nach der Geburt zuhause getötet haben. Nun ist das Urteil gefallen.
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Im Prozess um die Babyleichen von Wallenfels im Kreis Kronach ist das Urteil gefallen. Foto: Ronald Rinklef
Im Prozess um die Babyleichen von Wallenfels im Kreis Kronach ist das Urteil gefallen. Foto: Ronald Rinklef
Das Urteil für Andrea G., die Mutter aus Wallenfels, die vier ihrer Säuglinge nach der Geburt zuhause erstickt haben soll, steht fest. Richter Christoph Gillot verurteilt sie zu 14 Jahren Haft wegen Totschlags in vier Fällen. Johann G., der Ehemann von Andrea G. wurde freigesprochen.

Bilder vom Babyleichen-Prozess in Coburg

Die Mutter der acht toten Kinder von Wallenfels hatte zu Prozessbeginn vor einer Woche die Tötung mehrerer Säuglinge gestanden. Sie ließ ihren Anwalt schildern, wie sie acht Kinder zwischen 2003 und 2013 geboren und jene getötet hatte, die gelebt haben. "Sie hat immer gleich reagiert", sagte Till Wagler, der Verteidiger der Mutter. Sie habe die Neugeborenen in Handtücher gewickelt und versteckt - egal, ob sie Lebenszeichen gezeigt hätten oder nicht. Die Frage ist, wie viel ihr Noch-Ehemann wusste - und wann. Der 55-Jährige sagte zu den konkreten Vorwürfen gegen ihn nichts.

Darum ging es in dem Prozess: Mitte November 2015 waren in dem Haus der Familie in der Kleinstadt im Landkreis Kronach acht tote Babys entdeckt worden. Bei vier der gefundenen Babyleichen konnte laut Oberstaatsanwalt Martin Dippold nicht geklärt werden, ob die Kinder tatsächlich lebten und auch lebensfähig waren.
Verteidiger Wagler ging hingegen bei den Taten seiner Mandantin von Totschlag aus. Die Mutter habe die Schwangerschaften jedes Mal so sehr verdrängt, dass sie von den Geburten völlig überrascht gewesen sei - auch weil ihr Mann keine Kinder mehr habe bekommen wollen, heißt es in der vom Anwalt verlesenen Erklärung der Angeklagten.


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Die 45-Jährige wisse nicht mehr genau, wie viele Säuglinge unmittelbar nach der Geburt lebten. Es seien zwei, drei oder vier gewesen. Um den Kopf der Neugeborenen habe sie die Handtücher immer etwas enger gewickelt - und bei einem Lebenszeichen auf das Handtuch gedrückt. Danach räumte sie die toten Säuglinge in eine Sauna, die als Lagerraum diente. Die Ermittler fanden die verwesten Körper in mehrere Plastiksäcke verpackt, wie sie als Zeugen in der Verhandlung beschrieben.

Der 55-Jährige Ehemann erklärte vor Gericht, er habe keine Kinder mehr gewollt. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft erfuhr er aber von den Schwangerschaften und rechnete demnach damit, dass seine Frau die Kinder umbringen würde. Er habe das billigend in Kauf genommen und sie nicht davon abgehalten. Oberstaatsanwalt Dippold warf dem Ehepaar vor: "Ihnen kam es nur darauf an, weiterhin uneingeschränkt sexuell aktiv zu sein - ohne jegliche Bedenken gegen die Folgen und den Wert ungeborenen Lebens aufkommen zu lassen." Sogar bei ihrer eigenen Mutter konnte die Angeklagte nicht auf Verständnis hoffen, wie in deren Aussage deutlich wurde. Die Rentnerin bezeichnete ihre Tochter als "eiskalte Mörderin".

Im Prozess hatten zuvor die Gutachter Karoline Pöhlmann und Cornelis Stadtland der Angeklagten Andrea G. bescheinigt, dass sie schuldfähig sei. Pöhlmann erklärte, dass die Mutter eine durchschnittliche bis in Teilbereichen leicht überdurchschnittliche Intelligenz habe. Im Gespräch mit der Angeklagten hatte sie jedoch eine geringe Bereitschaft zur kritischen Selbstreflexion festgestellt. "Sie schien Schwierigkeiten auszublenden", meinte die Sachverständige. Irgendwann sei der Angeklagten alles egal gewesen. Allerdings habe sie sich nicht von den Kindern trennen wollen, sie deshalb zuhause im Abstellraum gelagert. Sie habe die Leichen sogar in eine neue Wohnung nachholen wollen. Eine Tötungsabsicht habe Andrea G. im Gespräch bestritten. Die Entdeckung der Babys sei für die 45-Jährige ein Schock gewesen, aber letztlich auch eine Erleichterung.

Cornelis Stadtland ging in seinem Gutachten vor allem auf die Schuldfähigkeit der Angeklagten ein. Diese zeige zwar außerhalb und innerhalb der Familie durchaus zwei Gesichter, im Großen und Ganzen sah er allerdings keine psychischen Probleme bei Andrea G. - Kindheit, Schulzeit und Arbeitsleben seien seiner Ansicht nach in geordneten Bahnen verlaufen. Den Alkoholkonsum der Angeklagten (immerhin fünf bis sieben Bier am Abend) nannte Stadtland zwar "riskant", sei aber kein Missbrauch oder eine Abhängigkeit. Und auch ihr "Horten" von Klamotten und Schmuck spricht nach Ansicht von Gerichtspsychiater Stadtland nicht für eine schwere Zwangsstörung. Er unterstrich auf Nachfrage von Oberstaatsanwalt Martin Dippold weiter, dass die Vielzahl der Fälle nicht zwingend mit einer psychischen Erkrankung im Zusammenhang stehen muss.

Im Prozess hatte der mitangeklagte Ehemann von Andrea G. ausgesagt, dass seine Frau einen regelrechten Kaufrausch gehabt haben soll: "Als sie weg war, habe ich ausräumen müssen. Für ihren Schrank habe ich 27 Müllsäcke gebraucht. Darunter waren auch 130 BHs oder Kisten voller Modeschmuck, an denen noch die Etiketten dran waren."

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