Kronach
Seilakt

B 303 bei Ebersdorf: Trassenbau aus der Luft

Am Dienstag flog über Ebersdorf bei Coburg ein Helikopter. Er spannte im Auftrag des Netzbetreibers Tennet Vorseile an der Hochspannungstrasse, die zwischen Altenfeld (Thüringen) und Redwitz gebaut wird. Bauabschnitt einer Stromautobahn.
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Gleich nimmt der Arbeiter auf der mittleren Traverse das Vorseil vom Helikopter an.  Fotos: Hendrik Steffens
Gleich nimmt der Arbeiter auf der mittleren Traverse das Vorseil vom Helikopter an. Fotos: Hendrik Steffens
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Trotz Regens und Windböen naht der Helikopter. Auf dem mittleren Mastarm in 30 Metern Höhe streckt sich der Arbeiter über den Rand. Packt das Vorseil, das vom Hubschrauber baumelt und zieht es zu sich. Trassenbau an der B 303 - Dürrmühle nahe Ebersdorf bei Coburg. Quer durch Oberfranken entsteht derzeit eine 380-Kilovolt-Stromautobahn, ohne die auch in Kronach wohl öfter mal die Lichter ausgingen.

An dem Vorseil, das der Heli brachte, werden später die Lei terseile, durch die der Strom fließt, zu den Masten gezogen. Damit dabei der Verkehr nicht gefährdet wird, sind Netze über der B 303 angebracht, die stark an die von Hochseilartisten erinnern.
Ab der kommenden Woche sollen zwischen Ebersdorf, Sonnefeld und Weidhausen die Leiterseile angebracht werden.

Stromtrasse: wozu?

Die 380-kV-Leitung durch das Coburger Land ist Bestandteil der "Thüringer Strombrücke" von Altenfeld nach Redwitz, die wiederum eingebunden ist in die "Südwest-Kuppelleitung", die von Bad Lauchstädt (Halle/Saale) bis Grafenrheinfeld reicht. Jetzt, da mit dem AKW in Grafenrheinfeld das letzte große Kraftwerk in Unter- und Oberfranken wegbricht, muss noch mehr Strom "von außen in die Region transportiert werden", wie Markus Lieberknecht, Sprecher des zuständigen Stromnetzbetreibers Tennet, erklärt. Und die bestehenden Leitungen sind an ihren Kapazitätsgrenzen.

Die gesamte Stromversorgung der Region geht über das Umspannwerk in Redwitz. Egal ob in Kronach eine Lampe, in Coburg ein Föhn oder in Bayreuth ein Radio angeht. "Hochspannungsleitungen mit 380 Kilovolt kann man sich wie Autobahnen vorstellen. Und am Umspannwerk werden die Bundesstraßen auf 110-Kilovolt-Ebene angeschlossen", erläutert Lieberknecht, während der Helikop ter über der B 303 schwebt.

Zur selben Zeit montieren Arbeiter vor dem Umspannwerk den finalen Strommast, der die "Thüringer Strombrücke" mit dem Knotenpunkt in Redwitz verbinden wird. Vornehmlich soll die neue Leitung Windstrom aus Mittel- und Norddeutschland in den Süden transportieren, um die Leistung des AKW Grafenrheinfeld zu ersetzen. Zwar gibt es auch in Oberfranken zunehmend regenerative Energien vor Ort, aber: "Wenn an einem dunklen Herbstabend der Wind nicht weht, dann bringt uns das nichts", weist Lieberknecht auf die Relevanz konstanter Versorgung hin.

Was ist mit der Umwelt?

Die Masten an der B 303 bei Ebersdorf sind zwischen 60 und 70 Meter hoch und überspannen den Wald. "Die Höhe orientiert sich auch am Endaufwuchs der Bäume. So müssen wir nicht in jedem Waldstück eine Schneise schlagen und können die Umwelt schonen", erklärt Lieberknecht.

Vor Baubeginn der Trasse hat es Protest gegeben. Im Raum Coburg insbesondere vom BUND sowie der Bürgerinitiative "Achtung, Hochspannung" . Die Gegner zeigten sich überzeugt, dass Energieerzeugung aus regenerativen Rohstoffen, Windkraft und Solarenergie die Leitung überflüssig machen könne.

Hintergrund

Mit dem Bau der 83 Masten auf der rund 31 Kilometer langen, 50 Millionen Euro teuren Trasse ist im Januar begonnen worden, nachdem die Regierung von Oberfranken das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen und die Baugenehmigung erteilt hatte. Tennet auf bayerischer Seite will zum Jahreswechsel fertig sein. Strom wird aber erst fließen, wenn Anfang 2016 der Thüringer Abschnitt zwischen Landesgrenze und Altenfeld in Betrieb geht.

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