Zum mittlerweile sechsten Mal laden die Stadt und die Bürgerstiftung "Historisches Kronach" noch bis zum 14. September zu der beliebten Kronacher Denkmalwoche ein. Damit soll vor allem das Bewusstsein der einheimischen Bevölkerung für die große Zahl an beeindruckenden Denkmälern und Zeugen der Geschichte geweckt beziehungsweise wach gehalten werden.

Wie Stefan Wicklein erläuterte, befinden sich die meisten der Keller in Privatbesitz, nur einige wenige sind Stadteigentum. Fast der gesamte Bergsporn zwischen den Flüssen Haßlach und Kronach ist von Gängen, Hallen, Schächten und Treppenaufgängen durchzogen. Dabei handelt es sich nicht um ein großes Kellersystem, sondern um eine Vielzahl von Einzelanlagen, von denen nur ganz wenige miteinander verbunden sind.

Jedem Haus ist laut Wicklein mindestens ein Keller zugeordnet. Größere Gebäude verfügen über zwei oder drei dieser Anlagen. Bis zu drei Geschosse tief reichen sie in den Fels. Damit sind die unterirdischen Räumlichkeiten der Altstadt oft größer als die darüber liegenden Häuser.


Beim Bamberger Tor


Die erste Station führte unter das Bamberger Tor, worüber sich heute das Servicezentrum des Kronacher Finanzamtes befindet. Die Anlage wurde im Zweiten Weltkrieg von der Bevölkerung vor allem als Zufluchtsmöglichkeit bei Luftangriffen genutzt und bis auf eine Breite von einem halben Meter fast völlig ausgespült.

Eine weitere Kelleranlage wurde unter dem Pfarrhaus der katholischen Stadtpfarrkirche besichtigt. In den oberen Keller aus dem 18. Jahrhundert waren verschiedene gotische Elemente seines aus dem 15. Jahrhundert stammenden Vorgängerbaus integriert worden. Diese Verschachtelung sei typisch für die damalige Zeit, so Stefan Wicklein. Neben der militärischen Nutzung in Kriegszeiten beziehungsweise als Schutz vor Bombenangriffen seien die Keller auch als Steinbrüche verwendet worden, da Sandstein ein wertvolles Baumaterial für den Hausbau gewesen sei. Mit ihrer konstanten Temperatur von acht Grad Celsius seien die Keller zudem ideal für die Lagerung von Lebensmitteln gewesen - quasi der Kühlschrank der damaligen Zeit.


Lagerung in Fässern


"Die gängigste Großverpackung, nicht nur für Lebensmittel, Bier und Wein, sondern für Waren jeglicher Art war damals das Holzfass. Sogar Lucas Cranach lagerte seine Bücher fassweise", erzählte Stefan Wicklein. Deshalb fänden sich in jedem Keller ein oder mehrere Fasslagersteine. Diese bildeten parallele Reihen, auf denen man die Fässer hin- und herrollen beziehungsweise erhöht als Schutz vor Feuchtigkeit sicher habe lagern können.

Welche zwischenmenschlichen Dramen sich in dieser, aber auch in den anderen geschichtsträchtigen Anlagen abgespielt haben müssen, machte eine von Stefan Wicklein vorgelesene Textpassage aus dem Buch Willi Schreibers, "Die letzten Tage", deutlich. Darin berichtete eine Zeitzeugin: "Am Tag meiner Erstkommunion, am 8. April 1945, hörten wir schon die Flugzeugmotoren der Amerikaner am Himmel brummen. In aller Eile erhielten wir zum ersten Mal den Leib Christi, und der Pfarrer flüsterte uns dabei zu: ,In den Keller, in den Keller.‘ Mit meinem weißen Kleid saß ich fünf Tage lang im Keller."


Große Kelleranlage


In der Strauer Straße konnte die größte zusammenhängende Kelleranlage der Stadt Kronach begangen werden, welche die drei Anwesen des heutigen "Alten Druckhauses", der ehemaligen "Lucas-Cranach-Passage" und des Witzgall-Anwesens verbindet. In dieser Anlage sei im April 1945 ein Geheimtransport der Deutschen erfolgt, um wertvolle Schätze außer Reichweite der Amerikaner zu schaffen, erklärte Wicklein. Bemerkenswert sei vor allem das ausgeklügelte Entwässerungssystem aller Anlagen.

Zum Abschluss der sehr interessanten Expedition ging es in den Keller der Traditionsgaststätte "Zum Scharfen Eck", wo Hausherr Markus Steller auf die frühere und jetzige Nutzung der Anlage einging.