Kronach
Kabarett

Auch Merkel kam nicht ungeschoren davon

Wolfgang Krebs begeisterte auf der Festung Rosenberg. Dabei hatte er neben der Kanzlerin auch die Herren Seehofer, Stoiber und Söder dabei.
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O-Ton Angela Merkel laut Wolfgang Krebs: "Meine lieben fränkischen Landsleute, ich bin diejenige, die am Rednerpult neben Seehofer steht und schweigt." Foto: Hans Franz
O-Ton Angela Merkel laut Wolfgang Krebs: "Meine lieben fränkischen Landsleute, ich bin diejenige, die am Rednerpult neben Seehofer steht und schweigt." Foto: Hans Franz
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Hoher Besuch am Dienstagabend in Kronach. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem aktuellen bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und dem ehemaligen Ministerpräsidenten des Freistaates, Edmund Stoiber, sowie mit Heimatminister Markus Söder gastierten gleich vier politische Hochkaräter auf der Festung Rosenberg. Wer dies verpasst hat - gut, dann rudern wir etwas zurück. Alle genannten Politiker verkörperte in einer Person der fernsehbekannte Kabarettist Wolfgang Krebs. Dennoch: Wer nicht anwesend war, hat trotzdem etwas verpasst. Der Parodist und Stimmenimitator, der in Begleitung der fünfköpfigen Blasmusikgruppe "Bayerische Löwen" erschienenen war, lieferte einen viel umjubelten Auftritt zum Auftakt der Kronacher Open-Air-Saison ab.
Nach der offiziellen Begrüßung durch Veranstalter Rainer Ludwig aus Kulmbach und Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein betrat Krebs als Horst Seehofer das Areal, freute sich, dass er da sein darf und bezeichnete die Oberfranken als die Krönung der Schöpfung mit einer stolzen Hochkultur. Franken habe schließlich schon bestanden, als man in München noch auf den Bäumen herumgeklettert sei. "Dass das Wetter heute so schön ist, ist ein Verdienst der bayerischen Staatsregierung und nicht etwa von einem Bankinstitut gesponsert", stellte Horst Drehhofer, äh Seehofer, ausdrücklich fest. Er nahm sich mehrere Politiker vor, so auch seine Brieffeindin, äh Brieffreundin, Merkel. Diese habe ihm einen Dobrindt geschickt, nein, einen Drohbrief. Mit diesen und weiteren ähnlichen Versprechern ging es durch den Abend. Sein Fett bekam Landwirtschafts-Bundesminister Christian Schmidt weg. "Dieser ist sogar seiner Frau unbekannt." Er stellte fest, dass, wenn ein Mann erfolgreich ist, eine Frau dahinter stehen würde. "Dies auch, wenn er nicht erfolgreich ist."
Viel Beifall bekam Krebs während seines Seehofer-Auftritts, als er Bürgermeister Beiergrößlein nicht gleich in vorderster Reihe entdeckte. "Hier in Kronach sitzt die Prominenz vorne, die Intelligenz weiter hinten."
Als der Oberbayer den Heimatminister verkörperte, hämmerte er dem Publikum den Satz "Wenn du denkst es geht nicht blöder, kommt der Markus Söder" ein. In der Person als Söder wurde die stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner, die ein Durchsetzungsvermögen wie Zuckerwatte habe, aufs Korn genommen.
Der Großwaldbesitzer Karl-Theodor zu Guttenberg habe zwar 20 Vornamen, aber Null-Ahnung. "Söder" zu sich selbst: "Ich habe etwas für Kronach getan, die anderen nicht. Ich bin eben ein Alphatier und kein Betablocker."
Dann erneut helle Begeisterung und Applaus auf der Festung, als Krebs ins Kostüm von Angela Merkel geschlüpft und in Gestik und Optik zum Brüllen war. "Meine lieben fränkischen Landsleute, ich bin diejenige, die am Rednerpult neben Seehofer steht und schweigt", stellte sie sich vor. Seehofer sei eben ein Kavalier der alten Schule - leider viermal sitzengeblieben. Als sie einmal Bayern mit seinen seltsamen Bräuchen und merkwürdiger Sprache kennenlernen wollte, habe sie einfach was Schickes angezogen, so dass sie nicht erkannt wurde. Mit ihrem Mann Joachim habe sie einen Urlaub in der Oberpfalz verbracht und in einer Metzgerei versucht, sich der Ausdrucksweise von Einheimischen anzupassen - was natürlich gründlich in die Hose ging. Worte wie Hundskrüppel, Saubär, Suffbeutel, Leutbescheißer, Preußenschädel oder Bulldog-Misshandler konnte sie einfach nicht einordnen. Am Ende ihres Besuchs in Kronach ging sie auf Stimmenfang für die Wahlen im September. Sie bat zu bedenken, dass Bayern eine Bavaria hat, Franken aber eine Mutti brauche.
Mit Beginn des zweiten Teils erschien der Künstler als Schlagerfuzzi Meggy Montana und schmetterte den Song "Du bist das Standgebläse meines Lebens, du bist der Staubsauger der Lust."
Beigeisternd auch sein Auftritt als betrunkener niederbayerischer Vereinsfunktionär Schorsch Schberl, der eine Hochzeitsrede auf die reiche Tochter eines Bauern (500 Rindviecher, 10 000 Hektar) und dessen Bräutigam Hussein aus Syrien hält. Als Ehrenamtlicher stehe er nicht weniger als bei 30 Vereinen an der Spitze. So, um nur beim Buchstaben "F" zu bleiben, bei der Feuerwehr, den Fußballern, Fischern und Feteranen. Überhaupt bemängelte er, seien ehrenamtlich immer die gleichen Personen tätig, nie die vom Neubaugebiet.
Krönender Abschluss nach zwei Stunden bester Unterhaltung war der Auftritt in seiner Paraderolle als sich ständig verhaspelnder Edmund Stoiber. Mit "Liebe Rosenbergler, liebe Marianne Rosenberg, liebe Regensburger Domspatzen hier unter der Linde bei Vollmond", begrüßte er das Publikum.
Den Oberfranken bestätigte er, dass diese mit den Thüringer einiger seien als die Katholiken mit den Protestanten. Er habe festgestellt, dass mehrere Franken Italiener geworden seien. Jetzt seien sie aber wieder hier und haben Eiscafés eröffnet, Politisch gab es mehrere Seitenhiebe. Hinsichtlich des vegetarischen Tages stellte er fest, dass diesen die CSU schon seit 2000 Jahren habe, nämlich den Gründonnerstag.


"Einmaliger Abend"

Eine Stoiber-Weisheit gab es obendrein: "Ich habe alles früh erledigt: Das frühe Vögeln entspannt den Wurm". Dem lang anhaltenden Applaus folgte noch eine fulminante Zugabe des zu den führenden bayerischen Kabarettisten gehörenden Wolfgang Krebs. Dass es ein überschwänglicher Unterhaltungsabend wurde, dazu trugen auch die fünf Musikanten von den "Bayerischen Löwen" mit zünftiger Blasmusik, fetzigen Eigenkompositionen, lustigen Liedern und A-cappella-Weisen bei. Das Quintett war mehr als Pausenfüller während der Umziehphasen des Hauptdarstellers. Will man ein Fazit über das Politkabarett auf der Kronacher Festung ziehen, dann braucht man wohl nur das Wort einer Steinwiesener Besucherin heranziehen: "Einmalig".


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