Kronach
Prozess

Attacke mit dem Messer in Kronach?

Einem jungen Mann wird eine lange Liste von Straftaten vorgeworfen. Unter anderem soll er einen anderen Mann im Obdachlosenheim in Kronach mit einem Messer bedroht haben. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.
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Vor der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Coburg steht seit Montag ein junger Mann aus Kronach. Ihm wird eine lange Liste an Straftaten vorgeworfen. Diese soll er in einem Zeitraum von knapp sechs Monaten begangen haben, als er versuchte, sich nach einer längeren Haft wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Dieser Versuch sei, nach Angaben seines Betreuers, offensichtlich daran gescheitert, weil er sich zwar bemüht, jedoch die meisten angebotenen Unterstützungen nicht wahrgenommen habe.

In der Anklageschrift finden sich elf Anklagepunkte, darunter Fahren ohne Fahrerlaubnis, Diebstahl, Bedrohung, Freiheitsberaubung, vorsätzliche Körperverletzung, Nötigung. Das führende Verfahren ist allerdings ein versuchter Totschlag, den der 23-Jährige im Januar 2013 in Kronach verübt haben soll.
Im dortigen Obdachlosenwohnheim soll er einen Bewohner, einen ehemaligen Kumpel, über einen Zeitraum von mehreren Stunden mit Ohrfeigen, Tritten in Bauch- und Brustbereich drangsaliert haben. Später soll er ihn mit einem Messer bedroht haben, in dem er es ihm an den Hals hielt und erklärte: "Ich schwöre auf das Grab meines Vaters, dass ich Dich umbringe." Der Bedrohte konnte ihm jedoch das Messer aus der Hand schlagen und unter ein Bett schieben. Als der Bedrohte daraufhin das Zimmer verlassen wollte, soll der Angeklagte ein Brotzeitmesser aus zwei bis drei Metern Entfernung nach ihm geworfen haben. Der Wurf verfehlte das Ziel jedoch.


Unter Druck gesetzt

In der folgenden Nacht setzte der Angeklagte den Geschädigten weiter unter Druck. Bis 3 Uhr in der Früh hielten sich die beiden in einem Casino auf. Am kommenden Morgen begaben sie sich auf das Gartenschaugelände in Kronach. Dort nun soll der Angeklagte seinem Opfer auftragen haben, alten Damen im Vorbeigehen die Handtasche zu entreißen. Als dieser sich weigerte und Müdigkeit vorschützte, drohte ihm der 23-Jährige abermals, ließ ihn dann jedoch unter der Voraussetzung gehen, dass diese Diebestour am Abend fortgesetzt werden solle. Zu diesem Zweck werde er ihn um 18 Uhr abholen. Um 18 Uhr jedoch stand dann die Polizei vor der Wohnung des Angeklagten und nahm ihn fest, weil der Geschädigte sie informiert hatte.

Der Angeklagte, der in Coburg geboren und aufgewachsen ist, streitet alle Anschuldigungen zu dieser Tat ab. " Ich habe nicht mit dem Messer zugestochen und wenn ich geworfen hätte, dann hätte ich getroffen!" Er behauptet hingegen, dass der Andere ihn falsch beschuldige, nichts davon sei wahr. Das angebliche " Opfer" habe selber genug Dreck am Stecken. Angeblich sei dieser nämlich in einen dubiosen Briefmarkenhandel verstrickt. Zudem habe er im Obdachlosenheim einen älteren Mann missbraucht und dies mit dem Handy aufgezeichnet. Man wolle ihn " reinreiten". Tatsächlich war die Aussage des Geschädigten alles andere als schnörkellos.
Alle anderen Anklagepunkte haben sich aus der Sicht des Angeklagten ebenfalls etwas anders zugetragen, einem jungen Mann aus Coburg will er seiner Meinung nach nicht mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, sondern nur mit dem Handrücken und er habe auch keine Schuld an einem Autounfall mit Fahrerflucht oder einem Diebstahl im Dezember 2012 in einem Kronacher Geschäft: "In dieser Nacht war ich überfordert!"

Seit Januar in Haft

Der Mann befindet sich seit Januar 2013 in Untersuchungshaft. Immer wieder während der Befragungen war er sehr aufgebracht, wurde schnell laut, rief dazwischen, sah sich ständig mit Vorurteilen konfrontiert. " ch kann niemandem vertrauen", erklärte er oder " Ich werde kaputt gemacht!" Dem Gutachter warf er vor, ein negatives Gutachten erstellt zu haben, das seine Persönlichkeit vollkommen falsch widerspiegele. Auf Grund dieses Gutachtens sei seine Untersuchungshaft in einen Unterbringungsbefehl umgewandelt und er aus Bayreuth nach Straubing in die dortige psychiatrische Abteilung der JVA gebracht worden. Dort werde er wie der "letzte Dreck" behandelt und man habe ihn mit Medikamenten " abgespritzt".

Auch Staatsanwältin Ursula Haderlein ließ der Angeklagte von Beginn an wissen, dass er mit ihrer Ermittlungsarbeit nicht ganz einverstandenen ist. Mehrmals legte er sich mit der Staatsanwältin an. Sein Verteidiger Gerhard Thien riet ihm: "Lassen Sie sich doch nicht provozieren, dass will die doch nur!" 37 Zeugen sind zu dem Verfahren geladen. Bisher konnten wenige der Aussagen dazu beitragen, ein schärferes Bild zu schaffen.
Die Verhandlung wird am Mittwoch um 9 Uhr fortgesetzt.
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