Wallenfels
Hobby

Andreas Lutz aus Wallenfels ist unter die Jungimker gegangen

Andreas Lutz aus Wallenfels ist 19 Jahre und hat im April mit dem Imkern begonnen. Mittlerweile ist er Herr von drei Völkern, die ihn gut auf Trab halten.
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Andreas Lutz ist im April unter die Jungimker gegangen. Foto: Lisa Kieslinger
Andreas Lutz ist im April unter die Jungimker gegangen. Foto: Lisa Kieslinger
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Andreas Lutz verhält sich ruhig, arbeitet langsam und konzentriert. Seinen Kopf schützt er mit einem weißen Hut aus Stoff und einem Schleier, die Hände mit Handschuhen, die weit über die Ärmel der weißen Jacke gehen. Um ihn herum ein monotones Summen. "Heute sind sie aber ziemlich aktiv", sagt Andreas Lutz, als er auf seine Bienenvölker zugeht. Wie aktiv die Bienen an diesem Tag sind, erfährt unsere Reporterin am eigenen Leib, als sie in den Hals gestochen wird. "Das passiert mir auch öfters. Letztens ist mein Fuß sogar total angeschwollen", erzählt der Wallenfelser. Doch den Spaß an seinem Hobby lässt er sich davon nicht nehmen.

Im April begann der 19-Jährige zusammen mit seinem Freund und Nachbarn Dominik Stumpf das Imkern - eine Tätigkeit, die ihn schon immer interessiert hat. Im Frühjahr vergangenen Jahres schaute er seinem Feuerwehrkollegen Christian Krump über die Schultern, der schon länger als Imker tätig ist, und half ihm das ganze Jahr über. "Er ist mein Imkerpate. Das ist vom Deutschen Imkerbund auch so vorgeschrieben", erklärt Lutz. Die Bienen faszinieren den 19-Jährigen. "Sie sind total schlau. Wenn sie Nektar oder Pollen finden, machen sie einen Tanz in Form einer Acht auf einer Wabe, um den anderen Bienen zu zeigen, wo es viel davon gibt."

Auch das Leben im Volk laufe vollkommen harmonisch - und das bei 50 000 Bienen in der Hochsaison. "Dort hat jeder seine Aufgabe, und es läuft alles koordiniert ab", staunt der 19-Jährige immer wieder.
Ganz vorsichtig nimmt der Jungimker den Deckel einer Bienenzarge ab. Einige Bienen schwirren hastig heraus. "Die waren schon wieder ganz schön fleißig", sagt Lutz und zeigt auf die bereits vollen Waben.


75 Kilogramm Honig

Erst vor ein paar Tagen schleuderte der 19-Jährige mit seinem Kollegen zum ersten Mal ihren eigenen Honig. Zuerst mussten sie dafür die Waben entdeckeln, dann kamen die Rähmchen in die Honigschleuder. Ein paar Mal kräftig kurbeln, schon fliegt der goldene Honig aus den Waben und fließt an der Wand der Honigschleuder herunter. 75 Kilogramm Honig kamen heraus. Dass es so viel werden würde, damit hätten die beiden Jungimker nicht gerechnet. "Die Wiesen hier sind einfach perfekt. Sie werden nicht gemäht, und es wachsen viele verschiedene Blumen darauf. Da finden die Bienen genug."

Aktuell hat Andreas Lutz drei Völker, um die er sich kümmert. "Eigentlich wollte ich mal vier haben, aber das überlege ich mir noch einmal, denn das macht alles schon viel Arbeit", erzählt der Mechatroniker. Nach der Arbeit fährt er öfters mal bei seinen Kästen vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Alle zwei bis drei Wochen muss er dann eine Durchsicht machen. "Dabei sieht man dann, ob sie schwärmen wollen, wie viel Honig sie schon produziert haben und ob alles in Ordnung ist", erklärt der 19-Jährige.

Falls ein Volk schwärmen möchte, müsse er handeln und einen sogenannten Ableger bilden: einige Brutwaben mit Bienen raus und in eine andere Zarge hängen, wo die Arbeiterinnen sich selbst eine Königin ziehen.
Als die beiden Wallenfelser im April mit dem Imkern begonnen haben, holten sie sich die Bienen aus der Nähe von Bad Steben. Auch Werkzeuge wie Meisel, Greifer oder Besen sowie die Schutzkleidung mussten sich die beiden erst zulegen. Einen großen Teil der Ausrüstung konnten sie sich gebraucht von einem ehemaligen Imker aus Wallenfels kaufen. Die Kästen haben sich die Jungimker selbst gebaut. "Da haben wir uns dann zumindest etwas gespart." Um einen Teil davon finanzieren zu können, bekommen Jungimker die ersten beiden Jahren eine Förderung vom Deutschen Imkerbund. Ein Anreiz, um in das Hobby einzusteigen.


Bis zu fünf Kilometer unterwegs

An diesem Tag sind die Bienen besonders fleißig. Zwischendurch war sogar eine richtige Einflugschneiße in Richtung der Kästen zu sehen. Eine Biene nach der anderen kam von der Wiese zurück, andere flogen wieder los. "Die Bienen fliegen teilweise an die fünf Kilometer weit", erklärt der Jungimker.

Und das könnte aktuell zu einem Problem werden, denn vor einer Woche teilte das Landratsamt mit, dass in Bienenständen im Marktrodacher Ortsteil Waldbuch die amerikanische Faulbrut - eine Bienenseuche - aufgetreten ist. Diese kann ganze Völker zerstören.

Da sich das sehr schnell verbreiten kann, hat das Landratsamt einen Sperrbezirk von drei Kilometern eingerichtet. Dort müssten unter anderem alle Bienenvölker amtstierärztlich untersucht werden und bewegliche Bienenstände dürfen nicht entfernt werden.
Die fünf Völker der Wallenfelser sind von alledem nicht betroffen, doch auch die Jungimker machen sich Gedanken über die Amerikanische Faulbrut. "Das ist schlimm, weil man einfach kaum etwas dagegen machen kann", erklärt der 19-Jährige. Er sei froh, dass er sich in solchen Fällen und auch bei allen anderen Fragen an seinen Imkerpaten und die Mitglieder des Wallenfelser Imkervereins wenden kann, wo ihm die erfahrenen Imker immer weiterhelfen.

Andreas mit seinen 19 Jahren und Dominik mit seinen 20 Jahren sind eine Ausnahme unter den Imkern. "Im Landkreis gibt es noch ein paar wenige die ungefähr in unserem Alter sind", erklärt Lutz. Doch das mache ihm nichts aus. Er mag sein neues Hobby und lebt seine Faszination rund um die Imkerei. "Manchmal komme ich nach der Arbeit nur hierher und beobachte die Bienen, das ist wahnsinnig interessant und ein guter Ausgleich zu meinem Beruf."

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