Der Flößerplatz ist kaum wiederzuerkennen, gleicht er doch eher einer großen Fahrzeugmeile. Rund 30 "wahrgewordene Kinderträume" waren auf der eigenen Achse nach Neuses gekommen. Nun stehen sie da -- Seite an Seite - und "strahlen" mit der Sonne um die Wette: Hochglanzpolierte Bulldogs sowie Motorräder aller möglichen Fabrikate. Des Zuschauers Auge entdeckt aber auch einen Unimog und ein knallrotes Kult-Rollermobil, nämlich eine BMW Isetta.
Das Interessante bei dem Treffen ist die Vielfalt an restaurierten Fahrzeugen, die allesamt noch wertvolle Dienste leisten. Mit leuchtenden Augen stehen ihre großen und kleinen Bewunderer vor ihnen. Gerne stellen die Besitzer voller Stolz ihre Schätze vor. "Mann" zieht die Technik an, Detailfragen löchern die Traktorenbesitzer, der Lack - ob rostig oder chromblitzend - sammelt sanfte "Streicheleinheiten". Mit elf Fahrzeugen vertreten war der Bulldogverein Knellendorf, während die Schlepperfreunde Schmölz sechs historische Gefährte zeigten. Einige Mitglieder berichten unserer Zeitung von ihrer großen Leidenschaft.

"Der Wunsch eines eigenen Bulldogvereins schlummerte schon lange in uns", erzählt Thomas Welscher, Vorsitzender des Bulldogvereins Knellendorf. Im März 2009 habe man sich erstmals getroffen, bevor man am Gründungstag, dem 6. Juni 2009, "Nägel mit Köpfen" gemacht und den Verein ins Leben gerufen habe. "Wir hatten 29 Gründungsmitglieder. Jetzt ist unser Verein auf etwa 100 Mitglieder angestiegen - auch aus anderen Ortschaften im Landkreis", freut sich der Hobby-Landwirt, der mit Traktoren schon seit frühester Kindheit zu tun hat, da seine Eltern Landwirtschaft betrieben. Zusammen mit seinem Schwager Frank Maaß, gleichzeitig Zweiter Vorsitzender, besitzt er unter anderem einen Eicher Baujahr 1956 mit 16 PS. "Wir haben ihn vor etwa 16 Jahren in Hesselbach gekauft und selbst restauriert. Das Beschaffen von Ersatzteilen ist nicht so schwierig wie man meinen könnte. Bei der Firma Eicher kann man rund 30 000 Ersatzteile für praktisch alle Modelle erwerben. Wenn man sie bestellt, werden sie in wenigen Tagen ausgeliefert. Allerdings sind sie schon teuer", ergänzt Frank Maaß, der im Gegensatz zu Welscher Berufslandwirt ist. "Es ist aber nicht nur wegen des Berufs. Meine Maschinen sind auch meine liebste Freizeitbeschäftigung. Das sind echte Oldtimer", sagt er mit glänzenden Augen. Für die Reparatur habe man gemeinsam etwa sechs Wochen gebraucht. "Um ein solches Hobby zu betreiben, muss schon ein Idealist sein. Man könnte auch sagen, man muss eine "Macke" haben", sagt Welscher lachend, der im stolzen Besitz von drei Kühen und damit Knellendorfs letzter "Kühbauer" ist. "Ich motze meine Bulldogs nicht groß auf. Natürlich mache ich sie schon vor einem solchen Treffen zurecht. Aber Gebrauchsspuren einer jahrzehntealten Maschine sind normal", meint er.
Seine Leidenschaft teile er mit vielen Gleichgesinnten. "Es gibt im Jahr etwa eine Hand voll Bulldog-Treffen, an denen wir teilnehmen - beispielsweise in Geroldsgrün, Michelau, Oberlind oder Kirchleus. Natürlich veranstalten wir auch Treffen", erklärt Welscher. Er erinnert dabei an den von seinem Verein initiierten Grünland-Tag am Pfingstsonntag in Knellendorf. "Verbunden mit unserem Bulldogtreffen stellten wir auch landwirtschaftliche Gerätschaften aus vergangenen Tagen vor. Mit einem Pferdegespann wurden frühere bäuerliche Arbeitsmethoden aus den 1960-er und 1970-er Jahren aufgezeigt sowie die technische Entwicklung in bäuerlichen Betrieben", blickt er zurück. Wichtiges Anliegen seines Vereins sei das Bewusstsein in der Bevölkerung zu fördern, sich mit Tradition von Traktoren und anderen historischen Landmaschinen auseinander zu setzen.
Ebenfalls stark vertreten waren die Schlepperfreunde Schmölz, die sich vor etwa einem Jahr gründeten und rund 30 Mitglieder zählen. "Heute ist noch ein weiteres Bulldogtreffen in Mainleus. Wir haben uns quasi aufgeteilt. Deswegen ist auch unser Vorsitzender Edgar Redwitz heute nicht in Neuses dabei", erzählt Ausschuss-Mitglied Eugen Geuther, der in seiner Freizeit selbst einige Hektar Land bewirtschaftet. "Ich habe einen besonderen Bezug zu Holz. Gerade die Umgebung von Schmölz ist ja ein sehr waldreiches Gebiet. Mich reizt aber auch die alte Technik der früheren Gerätschaften und Fahrzeuge", erklärt Geuther, der ergänzt: "Uns geht es in unserem Verein um Brauchtumspflege und die Wahrung der Tradition."
Ähnlich sieht es auch sein Vereinskollege Gerolf Sauerwein, stolzer Besitzer eines Ferguson, Baujahr 1953. "Ich habe ihn 1962 gekauft und über Holland bezogen, da es Bulldogs der englischen Firma Ferguson damals in Deutschland nicht zu kaufen gab", erzählt er und ergänzt schmunzelnd: "Natürlich ist er noch in Betrieb. So ein Modell ist praktisch unverwüstlich."