Rothenkirchen
Wärme

"Allrounder"-Ofen als Seele des Hauses

Der gusseisernen Ofen aus dem Jahr 1899 verbreitet Behaglichkeit. Das Prachtexemplar steht beim "Hauckensepper" in Rothenkirchen.
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Behaglichkeit am gusseisernen Ofen aus dem Jahr 1899. Mit im Bild Gastronom Josef Rebhan.   Foto: Gerd Fleischmann
Behaglichkeit am gusseisernen Ofen aus dem Jahr 1899. Mit im Bild Gastronom Josef Rebhan. Foto: Gerd Fleischmann
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Die weltweite Energieproblematik, verbunden mit wieder stetig steigenden Heizkosten, hat zu einer Rückbesinnung auf die herkömmlichen Heizungsmethoden geführt. Der Küchenherd und der mit Holz beheizte Kachelofen sind wieder "in". Und die Minustemperaturen in den letzten Wochen haben uns daran erinnert, dass es trotz der Klimaerwärmung immer noch einen Winter mit Eis und Schnee im Frankenwald geben kann.
Hie und da kann man noch uralte Feuerungsanlagen entdecken, die man bestenfalls in einem Museum vermutet. Denn nach wie vor sind die alten, verschieferten Frankenwaldhäuser für Überraschungen gut; sie bergen so mancherlei Schätze vergangener Zeiten.
Noch vor wenigen Jahren von vielen Zeitgenossen belächelt, sind die einstigen Brennstellen aktueller denn je geworden. Dafür sorgten schon die Scheichs, die geschäftstüchtigen Multis und eben jene Optimisten, die glaubten, Öl und Gas seien schier unerschöpflich. Verschärft wird schließlich noch die Energieproblematik durch Atomausstieg und durch eine explodierende Menschheit mit mittlerweile 7,6 Milliarden Erdenbürgern.


Motive aus der Heilsgeschichte

Ein attraktiver "Oldie" steht noch in Rothenkirchen, und zwar in der Gastwirtschaft "Hauckensepper". Ein gusseiserner Ofen - Baujahr 1899 - versorgte einst die Bewohner und vor allem die Gäste mit behaglicher Wärme. Jetzt dient der prächtige Wärmespender mit kunstvollen Verzierungen und Motiven aus der Heilsgeschichte in der Wirtsstube als besonderer "Hingucker". Und er strahlt Atmosphäre aus.


In Landshut hergestellt

Verewigt hat sich auch im Metall der seinerzeit sicherlich recht stolze Käufer Johann Zapf aus Friedersdorf, Hausnummer 3, geboren 1862, gestorben 1933. Allerdings hatte er für dieses Prachtexemplar - in Landshut hergestellt - ordentlich investieren müssen. Und Johann Zapf hat schließlich auch noch den Friedersdorfer Hausnamen "Hauckensepper" bei der Einheiratung im Jahre 1886 nach Rothenkirchen importiert. Dieser Begriff leitet sich ab von Josef Hauck.
Und das ist die Besonderheit: Eine Ofenbank lud an den kalten Wintertagen zum Sitzen beziehungsweise zu einem Plauderstündchen förmlich ein. An den langen Abenden war dies Anno dazumal der ideale Platz für den Dialog, denn bei der Anschaffung 1899 lenkte noch nicht einmal ein Radio von einem Gespräch ab. Von der Küche aus wurde der Ofen mit großen Holzscheiten beheizt. Recht wohl fühlten sich an diesem Ort der Behaglichkeit die Gäste. Vor allem dann, wenn es draußen stürmte und schneite. Sicherlich mag im Winter so mancher Flößer vom vorbeifließenden Landleitenbach sich nach harter Arbeit wieder in der wohligen Wirtsstube aufgewärmt haben.
Der schwarze, gußeiserne Ofen muss durchaus als komfortabel und vor allem als praktisch betrachtet werden. Dadurch, dass ein Wasserkessel (Ofenhafen) eingebaut wurde, gab es immer heißes Wasser. Selbst das Kuchenbacken warf keine Probleme auf. Und schließlich gab es in der oberen Etage die Möglichkeit, das Essen aufzuwärmen. Natürlich konnte auch das Schuhwerk getrocknet werden. Früher waren noch in der Nähe der Feuerstelle an der Decke zwei Holzstangen befestigt. An ihnen bot sich die Möglichkeit, nasse Kleider aufzuhängen. Bemerkenswert allemal der Einfallsreichtum unserer Altvorderen, die sich optimal auf die kalten Wintermonate einrichteten.
Besitzer Josef Rebhan (Jahrgang 1951) hatte im Jahr 1983 die Gastwirtschaft mit uralter Tradition mitten im geschichtsträchtigen Ortskern von Rothenkirchen von seinem Vater Hans übernommen und weiter ausgebaut. Einst waren mit dem Anwesen Metzgerei, Brauerei, Gastwirtschaft und Landwirtschaft verbunden. So manches attraktive Kaufangebot hat Josef Rebhan, weit und breit bekannt als ehemaliger Gauschützenkönig und passionierter Pilzsammler, abgelehnt, denn dieser Ofen ist für ihn so etwas wie die Seele des Hauses, in der die Zeit festgehalten wurde, und der vor allem an die fleißigen Vorfahren erinnert.

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