Kronach
Prozess

Alles drehte sich um den "Stoff"

Ein 31-jähriger Kronacher dealte in Kronach, Mitwitz und Coburg mit Crystal-Speed und Heroin, um seine eigene Sucht zu finanzieren.
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Dem Angeklagten hat mit Crystal-Speed und Heroin (Bild) gedealt. Symbolfoto Christopher Schulz
Dem Angeklagten hat mit Crystal-Speed und Heroin (Bild) gedealt. Symbolfoto Christopher Schulz
Er sitzt - genau wie sein Komplize - seit neun Monaten in Untersuchungshaft. Im Gegensatz zu seinem Kompagnon allerdings will der Mann nicht persönlich aussagen. Stattdessen lässt er eine Erklärung über seinen Anwalt verlautbaren, in dem er die Straftatbestände voll einräumt. "Seine Dealertätigkeiten waren dazu bestimmt, seinen eigene Sucht zu finanzieren", äußerte sich sein Verteidiger Tim Fischer.

Zum Hintergrund: Im Jahr 2014 und 2015 dealte der Angeklagte, ein 31-Jähriger aus Kronach, im Raum Kronach, Mitwitz und Coburg mehrfach mit Crystal-Speed. Für das Rauschgift, bei dem die Analyse eine eher schlechtere Qualität und somit niedrigen Wirkstoffgehalt ergab, kassierte der Mann zwischen 50 bis 75 Euro pro Gramm.
Da es sich im Einzelnen um Mengen bis zu 45 Gramm handelte, erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und unterstellte dem Kronacher in sechs Fällen auch Vorsatz. Am 22. Mai 2015 verkaufte der arbeitslose 31-Jährige zusammen mit einem Kompagnon mehr als 50 Gramm Heroin zu einem Preis von 3000 Euro ausgerechnet an einen verdeckt ermittelnden Polizeibeamten. Damit hatte es sich ausgedealt: Kurz nach Abschluss des Geschäfts wurden die beiden Männer verhaftet und das Heroin sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage.

Während sein Kompagnon mit einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und elf Monaten sowie einer Unterbringung in einer Entziehungsanstalt bereits am Mittwoch vergangener Woche abgeurteilt wurde (wir berichteten), stand dies dem Kronacher noch bevor. Auch in diesem Gerichtsverfahren gab es ein Verständigungsgespräch zwischen der ersten großen Strafkammer, Staatsanwältin Susanne Heppel und dem Verteidiger des Angeklagten. Die Parteien einigten sich auf eine Strafobergrenze von fünf Jahren und drei Monaten unter der Voraussetzung, der Angeklagte sage zu seiner Rolle am 22. Mai detailliert aus. Sein Partner habe gestanden, dass er beim Verkauf des Heroins die führende Rolle inne gehabt hätte, sagte Richter Christoph Gillot. "Das Gericht muss sich ein Bild machen, ob das stimmt."


Angeklagter lässt Verständigung platzen

Der Kronacher weigerte sich allerdings, über seine Beteiligung am Verkauf des Heroins genauere Angaben zu machen. Damit platzte die Verständigung, für die sich die Parteien einige Zeit genommen hatten. Der psychologische Gutachter, Dr. Michael Zappe vom Bezirkskrankenhaus Bayreuth, bescheinigte dem Mann ein massives Drogenproblem und die Abhängigkeit von Opiaten wie Heroin und Medikamenten. Es sei davon auszugehen, dass der Angeklagte zwar während der Tatzeitpunkte unter Heroin oder Suchtmitteln stand, aber dennoch zielgerichtet gehandelt habe, sagte er. Mehrfach habe der Kronacher versucht, von seiner Sucht loszukommen, allerdings ohne Erfolg. Der Suchtdruck habe dazu geführt, dass der Mann auch keiner Arbeit habe nachgehen können. "Sein Leben war auf Konsum und Beschaffung ausgerichtet", erklärte Zache und empfahl eine auf 18 Monate angelegte Therapie in einer Drogeneinrichtung.

Vier Einträge seit dem Jahr 2006 listete das Bundeszentralregister auf: Der 31-Jährige stand bereits wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, dem vorsätzlichen unerlaubten Erwerb sowie Besitz und dem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln vor Gericht. Drei der verhängten Freiheitsstrafen, die jeweils zur Bewährung ausgesetzt wurden, sind derzeit noch offen und müssen beim Urteil, das noch gesprochen wird, berücksichtigt werden.


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