Kronach
Konzert

Akustische Traumreise in Kronach

Die spritzige Musikwelt Spaniens sorgte am Samstag in der ehemaligen Synagoge für ein Klangerlebnis. Gitarrist Antonio de Cádiz und sein Duo-Partner Paulo Ares aus Brasilien boten ein abwechslungsreiches Konzert auf höchstem Niveau.
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Die Gitarristen (von links) Paulo Ares und Antonio de Cádiz unternahmen mit ihrem Publikum eine akustische Traumreise in den Süden. Sheila Runa (vorne) setzte die Klänge tänzerisch um.  Foto: Heike Schülein
Die Gitarristen (von links) Paulo Ares und Antonio de Cádiz unternahmen mit ihrem Publikum eine akustische Traumreise in den Süden. Sheila Runa (vorne) setzte die Klänge tänzerisch um. Foto: Heike Schülein
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Schon mit den ersten spanisch-mediterranen Klängen meinte man, sie vor sich zu sehen: Die Schönheit Andalusiens mit ihren wilden Küsten, romantischen Fischerdörfern, die atemberaubende Landschaft. Flamenco ist eine Musik des Südens, ein Lebensgefühl: Ausdruck von Freude, Trauer, Leid und Wut. Der Flamenco klingt wie in Töne gesetzte Gefühle, gleichermaßen wie ein Spaziergang durch die Seelenlandschaft - verträumt, nostalgisch, spritzig und lebendig.

Das feurig-tänzerische bis zart-verklärende Spiel der beiden großartigen Gitarristen mit ihrer dargebotenen Fülle von eindrucksvollen Interpretationen der Flamenco-Literatur ließ einen dies alles fühlen. Ob Rumba, Fandango oder Buleria: Antonio de Cádiz und Paulo Ares kosteten mit all den Spielarten des Flamencos das Klangspektrum der Gitarre in atemberaubender Virtuosität voll aus. Sie luden zum Träumen ein und vermittelten Urlaubsstimmung. Der ganz in Rot und Lila ausgeleuchtete vordere Bereich des ehemaligen Gotteshauses tat ihr Übriges dazu.

Der Flamenco-Gitarrist Antonio de Cádiz, der bereits viele erfolgreiche Konzerte in ganz Deutschland gab, trat zum zweiten Mal in der ehemaligen Synagoge auf. In Deutschland aufgewachsen, hat ihm seine aus Andalusien stammende Großmutter schon früh den Flamenco nahe gebracht. Trotz vielversprechender Auftritte als junger Flamenco-Gitarrist studierte er klassische Gitarre. Damit ist er einer der wenigen Instrumentalisten, die Klassik und Flamenco authentisch interpretieren können.


Technische Perfektion

Natürlich blieb er dem Flamenco auch dieses Mal treu. Das Programm des Abends "Corazones del Amor" war aber viel mehr - eine außergewöhnliche Zusammenstellung von spanischer Gitarrenmusik. Das Gitarren-Duo griff dabei die vielen Facetten des Flamencos auf und verknüpfte sie - mit melodischer Vielfalt und technischer Perfektion - miteinander. Beide begeistern seit Jahren auf internationaler Ebene als Solisten. In diesem Konzert schlugen sie nun gemeinsam Brücken zwischen sehr unterschiedlichen Musikstilen, die sie als Ganzes harmonisch zusammenführten. Solistisch oder mit dem Partner ließen sie auch Werke erklingen, die sich stark an den Traditionen des argentinischen Tango, des brasilianischen Samba und klassischer Kompositionsformen orientieren.

Mit ihrem spanischen Abenteuer schufen die beiden Vollblutmusiker viele zauberhafte Momente. Die Saitenvirtuosen zeigten dabei, dass diese Musik wie kaum eine andere beim Hörer intensive Erlebnisse fühlbar machen kann. Ihre Klänge vermittelten die tiefen Gefühle des Flamencos - wie Trauer, Wehmut oder Verlust. Fast zärtlich nahmen sie dabei ihre Instrumente in die Hand, um sie mal sanft und gefühlvoll zu bearbeiten; bisweilen aber auch um im temperamentvollen Spiel auszubrechen. Fast schienen sie die Welt um sich vergessen zu haben. Nicht anders erging es dem zahlreichem Publikum, das sich von der Klarheit und Tiefgründigkeit des Klangs angezupfter Saiten gefangen nehmen ließ.

In der Tat ist die Gitarre - wie kaum ein anderes Instrument - fähig, Wärme und Klangfarbenreichtum auf sinnlich schöne und nahe gehende Art zur Entfaltung zu bringen. Die Bandbreite der dargebotenen Stücke reichte von Kompositionen beispielsweise aus der Feder von Luigi Boccherini, Johann Kaspar Mertz und Manuel de Falla bis hin zu eigenen Werken.


Musik und Tanz

So fesselnd wie die Musiker den Flamenco interpretierten, so faszinierend setzte ihn die Künstlerin Sheila Runa tänzerisch um. Bei ihren Auftritten knisterte es förmlich in der ehemaligen Synagoge. Die bildhübsche - aus der Schweiz stammende - Tänzerin verzauberte das Publikum durch ihre anmutigen und grazilen Interpretationen. Die typischen Staccati der Füße setzen dabei die rhythmischen Akzente der einzigartigen Musik eindrucksvoll in Szene - mal ruhig, dann wieder wie entfesselt, feurig und sinnlich!

Für das außergewöhnliche Konzert bedankten sich die Besucher mit lang anhaltendem Applaus. Natürlich ließen sie die Künstler nicht ohne die obligatorische Zugabe - in diesem Fall ein Schlaflied in Flamenco-Form - ziehen.


Der Flamenco

Über den Ursprung des Flamenco gibt es wenige schriftliche Zeugnisse und zudem viele Theorien über seine Entstehung. Selbst Flamenco-Forscher sind sich nicht ganz einig. Fest steht jedoch, dass eine Vielfalt kultureller Einflüsse und ethnischer Gruppen zu seiner Entwicklung beigetragen haben. Spanien wurde von den verschiedensten Völkern besiedelt, erobert und durchquert. Sie alle haben die Musik und den Tanz beeinflusst.




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