Kronach
Interview

Ängsten mit Transparenz begegnen

Der frühere Staatsminister Werner Schnappauf ist am Freitag im Gasthaus "Fröschbrunna" in Kronach bei der Mittelstandsunion zu Gast. Gemeinsam mit MdB Hans Michelbach und Matthias Eckardt vom DGB wird er öffentlich über das Freihandelsabkommen TTIP diskutieren.
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Werner Schnappauf ist heute in Kronach bei einer Diskussion über das Freihandelsabkommen TTIP zu Gast. Der frühere Landrat, Staatsminister und BDI-Hauptgeschäftsführer ist inzwischen unter anderem Senior Advisor der Bank of America Merrill Lynch. Foto: Archiv/Matthias Hoch
Werner Schnappauf ist heute in Kronach bei einer Diskussion über das Freihandelsabkommen TTIP zu Gast. Der frühere Landrat, Staatsminister und BDI-Hauptgeschäftsführer ist inzwischen unter anderem Senior Advisor der Bank of America Merrill Lynch. Foto: Archiv/Matthias Hoch
Werner Schnappauf kennt die verschiedenen Perspektiven, von denen aus man auf das Freihandelsabkommen TTIP blicken kann. Er weiß auf Grund seiner beruflichen Laufbahn, wie Staat, Industrie und Wirtschaft in dieser Frage ticken. Als früherer Landrat kennt er auch den Blickwinkel des "kleinen Mannes" in der Region, der die Geschehnisse in der großen Politik zum Teil mit Argwohn oder gar Furcht verfolgt. Heute Abend ab 18 Uhr wird er im Gasthaus "Fröschbrunna" in Kronach darüber diskutieren. Vorab zeigte er uns seine Sicht der Dinge auf.

Das Freihandelsabkommen stößt vielfach auf Widerstand. Können Sie die Furcht vor diesem Abkommen nachvollziehen beziehungsweise ist sie sogar begründet?
Werner Schnappauf: Furcht entsteht immer dann, wenn zu wenig Information öffentlich und transparent verfügbar ist. Deshalb begrüße ich sehr, dass jetzt intensiv über TTIP gesprochen wird, denn ein transatlantisches Handelsabkommen ist wirtschaftlich und politisch von großer Bedeutung. Wirtschaftlich trägt es sicherlich zur Schaffung von Arbeitsplätzen bei, politisch stärkt es die Zusammenarbeit mit unserem wichtigsten Verbündeten, der USA. Das ist gerade vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen auf der Krim, in der Ukraine, aber auch im Nahen und Mittleren Osten von großer Bedeutung.

In welchen Bereichen würde TTIP für den "Normalbürger" im Landkreis Kronach spürbar werden?
Für den "Normalbürger", der in der mittelständischen Industrie arbeitet, wird es sich für die Arbeitsplätze positiv auswirken. Denn gerade für den kleinen und mittleren Industriebetrieb werden der Marktzugang in die USA erleichtert, die Kosten unserer Produkte gesenkt und damit die Wettbewerbs-Chancen verbessert werden.

Welche der im Landkreis Kronach ansässigen Branchen würden unmittelbar von TTIP tangiert und mit welchen Folgen für sie und die regionale Wirtschaft?
Die Industrie ist das Rückgrat der Wirtschaft in Kronach und Oberfranken. Beispielsweise müssen aktuell Automobilzulieferer für den europäischen und amerikanischen Markt gesondert konstruieren, um die jeweiligen Sicherheitsstandards zu erfüllen. Wenn man die unterschiedlichen Standards vereinheitlicht, wird Doppelarbeit vermieden, werden Prüfvorgänge vereinfacht und es wird damit die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert.

Angeblich findet die größte öffentliche Debatte über TTIP in Deutschland statt. Gleichzeitig wird hier wohl am meisten über Intransparenz geklagt. Wie sehen Sie die Situation?
Transparenz ist wichtig, um Vertrauen zu gewinnen. Deshalb halte ich es für gut, dass nach anfänglicher Zurückhaltung in der öffentlichen Debatte jetzt über die Sinnhaftigkeit eines Abkommens und einzelne Inhalte offen diskutiert wird. Ganz eindeutig hat es in den vergangenen Monaten einen Wandel im Umgang mit dem Thema gegeben.

Was würde Deutschland allgemein und im Speziellen den Frankenwald härter treffen - die Folgen des Abkommens oder seine Ablehnung?
Ich bin entschieden für den Abschluss von TTIP, um die Chancen daraus für Kronach, Oberfranken, Bayern, Deutschland und Europa auch verwirklichen zu können, denn die Globalisierung schreitet immer weiter voran. Wenn zwei der größten Wirtschaftsräume der Erde, USA und Europa, einen gemeinsamen Wirtschaftsraum mit hohen Standards für Mensch und Umwelt schaffen und ihn zugleich so strukturieren, dass doppelte Prüfungen und Kosten vermieden werden, bedeutet das eine Riesenchance im globalen Wettbewerb - und damit auch eine konkrete Chance für die Arbeitsplätze in der Industrieregion Frankenwald.

Welchen Effekt hätte TTIP mit Blick auf die restliche Welt?
TTIP kann zum Muster werden für Freihandelsabkommen, die Wirtschaft, Umwelt und Soziales beispielhaft miteinander verbinden. Damit können Europa und die USA eine Zukunftschance verwirklichen.

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