Kronach
Ernte

Ab Oktober gibt's Bier mit Kronacher Hopfen

Vor zwei Jahren hatte Thomas Kaiser, Braumeister der Brauerei Kaiserhof in Kronach, eine etwas verrückte Idee: Er baute auf einem 1000 Quadratmeter großen Feld zwischen Kronach und Dörfles Hopfen an. Am Sonntag soll dieser erstmals geerntet werden - und jeder kann mitmachen.
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Thomas Kaiser zieht auf seinem Feld an einer Hopfenpflanze. Am Sonntag sollen die Hopfenfrüchte geerntet werden. Fotos: Corinna Igler
Thomas Kaiser zieht auf seinem Feld an einer Hopfenpflanze. Am Sonntag sollen die Hopfenfrüchte geerntet werden. Fotos: Corinna Igler
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Thomas Kaiser steht auf einem Feld, gleich hinter dem Kronacher BRK-Seniorenheim. Er streift sich die Handschuhe ab, reibt an einer Frucht und riecht. "Das Aroma ist da", sagt er und strahlt über beide Ohren.

Denn der Braumeister ist jetzt auch ein bisschen Landwirt. Vor zwei Jahren hat er auf dem 1000 Quadratmeter großen Feld nämlich Hopfen angebaut. Die Idee schwirrte schon seit 1990 in seinem Kopf: "Damals haben wir die Gaststätte umgebaut. Und eigentlich gehört in eine Brauereigaststätte ja etwas Hopfen als Deko. Aber woher soll man den nehmen?" An den Kronacher Flüssen gebe es etwas wilden Hopfen, der sei aber gar nicht so einfach zu ernten. "Jedes Jahr um die Zeit der Hopfenernte hab' ich mir gedacht ,Jetzt wäre etwas Hopfen recht.'"

Und auch das Feld zwischen Kronach und Dörfles, das ihm gehört, habe er bereits im Blick gehabt.
"Als ich im Frühjahr 2011 mit meinem Hopfenbauer telefoniert habe, meinte der, er habe noch ein paar Stangen da, ob ich nicht Lust auf ein eigenes Hopfenfeld hätte. Das war wie Telepatie", erinnert sich Kaiser. Und genau das sei dann letztlich ausschlaggebend für ihn gewesen zu sagen: "Das machen wir jetzt."

Also hat Kaiser den Biobauer Michael Porzelt angerufen, der die Fläche zwischen Kronach und Dörfles landwirtschaftlich nutzt. Auf der freien Fläche haben sie Löcher in die Erde gebohrt. "Der Hydraulikbohrer ist damals abgebrochen, weil der Boden so fest war. Das war eine richtig feste Lehmschicht. Da hab ich mir gedacht ,Wie soll da dann bloß jemals Hopfen wachsen?'", erinnert sich Kaiser. Aber er hat dennoch nicht aufgegeben, Drähte in die Höhe gespannt und die Pflanzen gegossen. "Die Wurzel kann bis zu sieben Meter tief in den Boden, um Wasser zu finden. Jetzt wusste ich immer nicht, ob sie bereits Wasser hat oder nicht", erklärt er die Problematik.
Im vergangenen Jahr hat Kaiser "nur zur Deko" etwas von seinem Hopfen geerntet. Heuer sieht das schon anders aus. Kaiser will ein Bier brauen, ein typisches Kronacher Bier: "Mit Kronacher Hopfen und Kronacher Wasser."

Hopfen braucht Regen

Täglich stand er deshalb die vergangenen Wochen auf dem Feld, drehte den Hopfen, jätete Unkraut, hackte auf. Und dabei geriet er noch in einen Interessenskonflikt: Als Braumeister hoffte er für die ganzen Feste schließlich auf schönes Wetter, als Landwirt hingegen auf Regen. "Damit der Hopfen schön wächst", erklärt er. Und das ist er tatsächlich. "Das Ergebnis steht da", sagt Kaiser voller Stolz und fügt hinzu: Jetzt kann's los gehen."

Los gehen mit dem Zupfen. "Mich haben immer wieder Leute angesprochen, sogar angehalten, wenn sie mich auf dem Feld gesehen haben. Und einige von ihnen haben davon erzählt, wie sie früher mit dem Zug weggefahren sind, um Hopfen zu zupfen", berichtetet Kaiser. Und deshalb will er genau die - ebenso wie Familien mit Kinder - in die Hopfenernte mit einbeziehen. So etwas kennt man in Kronach ja schließlich noch nicht. "Es soll ein richtiges Erlebnis sein, an dem alle teilhaben können", sagt der neue Hopfenbauer.

Jeder kann bei der Hopfenernte helfen

Am Sonntag verteilt er deshalb ab 13 Uhr Körbe in der Strau, dann geht es um 14 Uhr zu Fuß raus aufs Hopfenfeld - begleitet von einer kleinen Blasmusik-Kapelle. Gegen 14.30 Uhr soll dort die Hopfenernte beginnen. Etwa eine Stunde lang soll gezupft werden, was die Pflanzen hergeben. Und anschließend wird der Hopfen gewogen, um zu wissen, wie viel Bier Kaiser daraus brauen kann. Für einen 6000 Liter Sud braucht er circa 30 Kilo getrockneten Hopfen. Bevor es aber so weit ist, muss der Hopfen noch - je nach Wetter - acht bis 14 Tage trocknen. Am 21. September soll dann das erste Kronacher Bier eingebraut werden. Und am 25. Oktober soll man es probieren können. In der Tenne der Brauerei Kaiserhof erfolgt der Bieranstich, bevor dann ab 28. Oktober die erste Auslieferung beginnt. Mit 500 Kästen rechnet Thomas Kaiser, die es von dem Kronacher Bier geben wird.

Für die kommenden Jahre hofft der Brauer und Neu-Landwirt, sein Hopfenfeld erweitern zu können. "Wir sind gerade an der Äquatorgrenze, hier wächst der Hopfen noch", erklärt er. Natürlich sei er sich bewusst, dass das auch anders hätte sein können. "Ich hab's eben einfach ausprobiert." Und sicher liegt es nicht zuletzt auch an der robusten Traditionspflanze aus Franken, die er angepflanzt hat. "Perle" nennt sie sich.

Eine Perle soll auch das Kronacher Bier werden. Wie es heißen soll, will Kaiser aber noch nicht verraten.
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