Kronach
Schulstart

Ab Dienstag: Ganztags schon für Grundschüler

Unterricht immer öfter nachmittags und die Schulformen immer vielfältiger. Das sind zwei Entwicklungen zum neuen Schuljahr an Grund- und Mittelschulen.
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Der Trend zur Ganztagsschule für Grundschüler wird ab Dienstag auch die Schule in Teuschnitz erreichen.  Foto: Archiv
Der Trend zur Ganztagsschule für Grundschüler wird ab Dienstag auch die Schule in Teuschnitz erreichen. Foto: Archiv
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Es gab Zeiten, da war es selbstverständlich, dass Kinder von 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr in die Grundschule gingen. Und dass diese Bildungseinrichtung vier feste Jahrgangsstufen hatte, stand ebenfalls nicht zur Disposition. Doch das war einmal.

Wenn am Dienstag das neue Schuljahr beginnt, fällt auch an den Grund- und Mittelschulen des Schulamtsbezirks Kronach ein Trend auf, der im Berufsleben längst nicht mehr neu ist. Flexible Modelle zu unterschiedlichsten Tageszeiten sind auf dem Vormarsch.


Anpassung an Lebensverhältnisse

"Wir werden 2016/17 neun Offene Ganztagsschulen haben", benennt Schulamtsdirektor Uwe Dörfer eine der Besonderheiten, die es zum neuen Schuljahr geben wird. Einen Modellversuch gab es im vergangenen Jahr bereits in Weißenbrunn. Ab Dienstag werden auch in Küps, Pressig, Windheim, Stockheim, Teuschnitz, Wilhelmsthal, Steinwiesen und an der Montessorischule Mitwitz Erst- bis Viertklässler nachmittags betreut.

Außerdem wird die Schulform, bei der vormittags der klassische Unterricht und nach dem Mittagessen zusätzliche Angebote stattfinden, an den Mittelschulen in Küps und Windheim, der Gottfried-Neukam-Schule Kronach und an der Montessorischule Mitwitz auch für die älteren Schüler angeboten. Parallel dazu gibt es an Mittelschulen aber weiterhin Regelklassen mit und ohne Mittagsbetreuung sowie die Gebundene Ganztagsschule, bei der der Unterricht mit zusätzlichen Lehrerstunden über den ganzen Tag verteilt wird und die Schüler in festen Klassenverbünden verbleiben.


Schülerzahlen relativ konstant

"Oft sind beide Eltern berufstätig, und Alleinerziehende nehmen auch zu. Da müssen auch die Schulzeiten flexibler werden", sagt Dörfer, der für 3208 Schüler (plus 22 im Vergleich zum Vorjahr) zuständig ist, die im Landkreis am Dienstag in den Unterricht starten (siehe auch Infografik). Diese sind aufgeteilt in 99 Grundschul- und 62 Mittelschulklassen.

Die offenen Ganztagsangebote - so betont der gebürtige Ludwigsstädter - würden den Geldbeutel der Eltern
kaum belasten. Schulleitung und Kommune hätten sich um die Schülerbeförderung zu kümmern, lediglich das Mittagessen koste einen kleinen Betrag.

Doch es gibt im Kreis noch weitere besondere Angebote: So sind zum Beispiel neun Bildungseinrichtungen "Umweltschulen", die meisten in Oberfranken. An sieben Grundschulen gibt es flexible Jahrgangsstufen, wobei zum Beispiel Erst- und Zweitklässler zusammen unterrichtet werden. Außerdem haben die beiden Grundschulen in Teuschnitz und Weißenbrunn den Titel "Modus-Schule" erhalten, wodurch sie zusätzliche, individuelle Förderaktionen durchführen können. Und die Kronacher Lucas-Cranach-Grundschule ist eine von 20 in Bayern, an denen in einem Modellversuch bereits ab der ersten Klasse Deutsch und Englisch parallel unterrichtet werden.


Schule geht ins letzte Jahr

Abschiedsstimmung herrscht hingegen in Steinwiesen, wo die Mittelschule Oberes Rodachtal ins letzte Jahr ihres Bestehens geht. "Wir haben dort nur noch eine neunte Klasse mit 19 Schülern, danach ist Schluss", sagt Dörfer, den auch andernorts Schülermangel beschäftigt. Insgesamt sind 14 Klassen - vor allem im nördlichen Kreis - weniger als 15 Schüler stark. "An diesen Schulen brauchen wir viel mehr Lehrer als bei Klassen mit 28 Schülern", rechnet Dörfer vor. Ein Demografiezuschlag aus München, der 224 zusätzliche Unterrichtstunden bringt, hilft, die Kosten zu stemmen.


Flüchtlinge sind Herausforderung

Nicht so stark ausgeprägt wie in manchen Großstädten sei im Kreis Kronach der Trend, dass immer mehr Schüler in Richtung Gymnasium streben. "Wir haben etwa gleich viele Schüler an Mittel- und Realschulen sowie am Gymnasium", sagt Dörfer. "Die Helikopter-Eltern, die jeden Schritt ihrer Kinder überwachen, sind bei uns selten."
Eine große Herausforderung stellen indes die Flüchtlingskinder dar. Sie machen derzeit etwa fünf Prozent der Schüler an Grund- und Mittelschulen aus und müssen mit komplett unterschiedlichen Vorkenntnissen in den Schulbetrieb integriert werden. Dörfer: "Manche sind fürs Gymnasium geeignet, viele aber auch Analphabeten."

Um ihre Fähigkeiten einschätzen zu könne, sei es extrem wichtig, ihnen schnell Deutsch beizubringen. Doch auch hierbei gibt es unterschiedliche Voraussetzungen. Manche Flüchtlinge sprächen schon ein wenig Deutsch und gut Englisch, andere verstünden nur ihren lokalen Dialekt.

Deshalb finanziert das Kultusministerium Drittkräfte, also Externe, die Alphabetisierungs- und Deutschkurse durchführen. "Schulleitungen und Lehrkräfte zeigen riesiges Engagement über das Maß hinaus. Überall werden Materialien angeschafft", sagt Dörfer, der die Integrations-Hauptaufgabe bei den Mittelschulen sieht. Vor allem Fächer wie Sport, Musik oder Kunst bekämen eine ganz neue Bedeutung.



Neue Schulleitungen



Steinwiesen
Roswitha Zenk wird an der Grundschule Nachfolgerin von Wilfried Holzmann.

Windheim An der Grund- und Mittelschule ersetzt Andrea Paschold Herbert Vetter. Neue Konrektorin ist Sabine Söllner, die zuvor in Steinwiesen war.

Johannisthal/Schmölz Die Grundschule wird fortan von Silvia Krüger geführt, die zusätzlich Rektorin in Küps bleibt. Die bisherige Rektorin Gisela Gebert-Hartenstein wurde nach Kulmbach versetzt.

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