Kronach
Urteil

23-Jähriger nur knapp an Haft vorbei

Der Angeklagte aus dem Landkreis Kronach erhält nach seinem vierfachen Diebstahl eine allerletzte Chance. Er muss stationär in eine Suchtklinik.
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Am Amtsgericht Kronach ging es um gemeinsam begangenen Diebstahl eines jungen Pärchens - in vier Fällen. Foto: Archiv/Marco Meißner
Am Amtsgericht Kronach ging es um gemeinsam begangenen Diebstahl eines jungen Pärchens - in vier Fällen. Foto: Archiv/Marco Meißner
Haarscharf an einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung ist ein 23-Jähriger aus dem Landkreis Kronach vorbeigeschlittert. Ähnliches gilt für seine um sieben Jahre jüngere mitangeklagte Freundin, die noch von einem Jugendarrest verschont wurde. Beide waren wegen gemeinsam begangenen Diebstahls in vier Fällen angeklagt worden.
Der Direktor des Amtsgerichts Kronach und Jugendrichter Jürgen Fehn musste in der Verhandlung feststellen, dass beim Paar die Drogensucht Einzug gehalten hat, und beim Angeklagten zudem der Alkoholgenuss bislang ernorme Probleme mit sich gebracht habe. So stand bei diesem schon eine Vielzahl an Delikten zu Buche, wobei er zum Tatzeitpunkt sogar unter Bewährung stand.
Den Angeklagten wurde zur Last gelegt, im August des vergangenen Jahres in nur wenigen Stunden im Bereich des Kronacher Schulzentrums drei abgeschlossene und gesicherte Kleinkrafträder und ein Mofa entwendet zu haben. Um die Sicherung durch das Lenkradschloss zu umgehen, riss das Duo jeweils die Verkleidung und die Kabel vom Zündschloss der jeweiligen Roller ab. Allerdings musste ihr Vorhaben, eine angebliche Spritztour zu unternehmen, dreimal ad acta gelegt werden. Die Maschinen ließen sich nicht kurzschließen und wurden später unweit des Entwendungsortes zurückgelassen.
Einmal klappte dann doch die Weiterfahrt, jedoch war diese nach rund zwei Kilometern bei der Südbrücke beendet. Die Angeklagten vermuteten, dass der Tank dann leer war. Auf die Frage von Jürgen Fehn, wer den Anstoß zu dieser Tat gab, meldete sich die 16-Jährige und sagte: "Die Schnapsidee ist mir aus Langeweile bei einem gemeinsamen abendlichen Spaziergang gekommen." Der als Zeuge geladene Polizeibeamte bestätigte später, dass diese Aussage auch bei einer späteren Vernehmung so getätigt wurde. Allerdings wurde zum gleichen Zeitpunkt separat auch der Angeklagte von einem zweiten Polizisten befragt, und da gab er zur Auskunft, dass es sein Plan gewesen sei. So lag die Vermutung nahe, dass die nun Angeklagte die Schuld wegen der laufenden Bewährung ihres Freundes auf sich nehmen wollte.
Letztlich wurde festgestellt, dass alle Roller aufgefunden wurden, wobei wahrscheinlich durch die Aufbrüche die Schäden höher einzustufen sind als der Wert der teilweise veralteten Krafträder. Auf die Schliche des Paares kam man übrigens durch einen Augenzeugen.


Staatsanwältin gegen Bewährung

Beim Blick in die Strafregisterkartei wurden bei der Angeklagten keine Einträge festgestellt. Ganz anders dagegen die Aufzeichnungen beim Angeklagten, der unter anderem schon wegen mehrerer Diebstähle, Sachbeschädigungen, Bedrohungen und Fahrens ohne Fahrerlaubnis zur Rechenschaft gezogen werden musste. So verbüßt er derzeit eine Freiheitsstrafe auf Bewährung.
Da nun die Tat in diesen Zeitrahmen fiel, plädierte Staatsanwältin Julia Haderlein auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung. "Der Angeklagte ist vielfach und einschlägig vorbestraft und stand bei der Tat unter offener Bewährung."
Der als Pflichtverteidiger eingesetzte Rechtsanwalt Till Wagner hingegen meinte, dass man dem Angeklagten nochmals eine "letzte, aber dann auch allerletzte Chance" geben sollte. Die Tat sei kein typischer schwerer Fall eines Diebstahls.
Der Bewährungshelfer bezeichnete den Angeklagten, der sogar während seiner vorherigen Inhaftierung die Mittlere Reife abgelegt hatte, als einen intelligenten Kerl, bei dem allerdings die Rückfälle sehr negativ niederschlagen. Dennoch meinte er, dass man ihm noch eine Chance geben sollte. "Aber ohne stationäre Therapie geht nichts", bekräftigte er.
Bevor der Richter das Urteil fällte, meinte der 23-Jährige, er wäre sehr dankbar dafür, wenn er noch einmal eine Chance erhalte und versprach im gleichen Atemzug, sich künftig "100-prozentig" gesetzestreu zu verhalten.
Jugendrichter Jürgen Fehn verhängte schließlich wegen des vierfachen Diebstahls eine Freiheitsstrafe von einem Jahr mit einer Bewährungszeit von drei Jahren. Damit verbunden war, dass sich der Angeklagte in eine stationäre Drogenentwöhnungsbehandlung in einer Suchtklinik begibt.
Für die Angeklagte hatte die Staatsanwältin unter anderem 120 Tage Jugendarrest gefordert. Dabei fragte der Richter auch deren Eltern. Während die Mutter bat, davon abzusehen, war der Vater ganz anderer Meinung. Nach diesen beiden unterschiedlichen Meinungen der Eltern meinte die Angeklagte: "Jetzt bin ich aber geschockt." Damit hatte sie ihren Vater gemeint, der eine Arreststrafe für angebracht erachtete. Bei der Aufzeichnung ihres persönlichen Werdegangs war zu entnehmen, dass sie sich bereits in einer Suchtberatung befindet und bei ihr nicht nur die Drogensucht Probleme bereitet, sondern sie auch im psychischen Bereich schon in Behandlung war. Der Richter verhängte unter anderen 100 Arbeitsstunden in einer gemeinnützigen Einrichtung und mehrere Betreuungsgespräche mit der Jugendgerichtshilfe.
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