Der Angeklagte befand sich bereits seit Oktober 2011 wegen eines Drogendelikts in Haft und hätte Ende Februar 2012 entlassen werden sollen. Er wird seine neue Haftzeit nun aber unmittelbar antreten.
Im Juli 2011 befand sich der Angeklagte zusammen mit einigen Jugendlichen auf dem Bahnhofsplatz in Kronach. Ohne Grund warf er einen Knallkörper in Richtung eines parkenden Autos, in das ein 27-jähriger Mann gerade einen Koffer einladen wollte. Der Knallkörper explodierte dicht neben dem Mann, worauf dieser empört zum 21-Jährigen ging.
Nach einer kurzen Rangelei mit Beschimpfungen versetzte der Angeklagte dem 27-Jährigen einen Faustschlag ins Gesicht. Dieser wehrte sich und trat seinem Gegenüber zwischen die Beine. Der Angeklagte schlug danach noch zweimal auf das linke Ohr des 27-Jährigen.
Beamte des Bahnpersonals konnten die beiden Beteiligten voneinander trennen. Der 27-jährige alarmierte danach die Polizei, während der Angeklagte auf das Gartenschaugelände flüchtete. Dort konnte er verhaftet werden. Ein anschließender Alkoholtest bei der Polizeiinspektion Kronach ergab einen Wert von 2,32 Promille. Der 27-Jährige erlitt Knochenbrüche am Jochbogen, die operativ behandelt werden mussten.

Pöbeleien im Rauschzustand


Im April 2011 machte sich der Angeklagte zudem des vorsätzlichen Vollrausches schuldig. Der 21-Jährige, welcher der Polizei bereits hinlänglich bekannt war, hatte sich laut eigener Angaben nach dem Konsum von Crystal Speed in seiner Wohnung in Kronach mit reichlich Wodka volllaufen lassen. Nach Aussagen von Anwohnern hat er dabei übertrieben laut Musik gehört, worauf die Polizei verständigt wurde. Als die Beamten die Wohnung des Angeklagten aufsuchten, empfing sie dieser mit einem Reigen von Schimpfwörtern. Er reagierte nach Angaben des Polizeibeamten Heiko Sesselmann "völlig neben der Spur". Da der 21-Jährige mit Worten nicht zur Ruhe zu bringen war, sahen die Polizeibeamten damals keine andere Möglichkeit, als ihn mit aufs Revier zu nehmen.
Gestern vor Gericht gab der junge Mann an, er habe in der Zeit vor der Tat täglich circa ein Gramm Crystal Speed konsumiert. Als ihm die gefährliche Droge ausgegangen sei, habe er zur Wodkaflasche gegriffen. Der heftige Rauschzustand dürfte auch der Grund gewesen sein, warum der Angeklagte vor Gericht erklärte, er könne sich an den Tag der Tat nicht erinnern. Das Gericht verhängte keine Strafe wegen der Beamtenbeleidigung, wohl aber wegen des vorsätzlichen Vollrausches.
Laut Richter Jürgen Fehn hat sich der Angeklagte in seinem noch jungen Leben schon zahlreicher Vergehen schuldig gemacht. Darunter fielen häufig Diebstahl, Leistungserschleichung und Drogenbesitz. Der Angeklagte hat aus früheren Vergehen auch keine Lehren gezogen und ist wiederholt straffällig geworden. Daher entfalle die Möglichkeit, die Strafe zur Bewährung auszusetzen, betonte der Richter.

Therapie oder Haft?


Die Verteidigung stimmte in der Schuldfrage mit der Staatsanwaltschaft überein. Jedoch betonte Rechtsanwalt Till Wagler, dass sein Mandant dringend eine Therapie beginnen müsse, die ihn von seiner Drogensucht befreien könnte. Wagler war der Meinung, dass eine weitere Haftzeit die Motivation seines Mandanten zu einer Therapie vermindern würde. Der Angeklagte zeigte sich reuevoll im Hinblick auf seine Taten und erklärte seine volle Bereitschaft zu einer Therapie. Das Schöffengericht ließ sich dennoch nicht von seinem Kurs abbringen und einigte sich auf eine Haftzeit von einem Jahr und neun Monaten.