Ludwigsstadt
Kurios

20.000 tote Bienen in Ludwigsstadt: Ein Anschlag, der keiner war

Noch am Sonntag suchte die Polizei Ludwigsstadt nach Unbekannten, die 20 000 Bienen getötet haben sollen. Einen Tag später stellt sich alles als großes Missverständnis heraus - das mit einem Satz hätte verhindert werden können.
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Die Bienen aus den Ottendorfer Nistkästen fielen doch keinem tückischen Anschlag zum Opfer. Foto: Archiv/Franziska Rieger
Die Bienen aus den Ottendorfer Nistkästen fielen doch keinem tückischen Anschlag zum Opfer. Foto: Archiv/Franziska Rieger

Es war das große Aufregerthema des Wochenendes: An die 20 000 Bienen mussten in Ludwigsstadt sterben, weil Unbekannte die Einfluglöcher der Bienenstöcke mit Dämmwolle verschlossen hatten. So teilte es die Polizeiinspektion Ludwigsstadt jedenfalls am Sonntag in ihrem täglichen Bericht mit.

Ein Fall von besonders tückischer Tierquälerei. Und kaum hatten die Kronacher Medien den Polizeibericht veröffentlicht, fand er sich auch schon im Nachrichtenticker der Deutschen Presseagentur (dpa) wieder. Die Folge: Die Meldung hatte nicht nur die Landkreis-, sondern auch die Landesgrenze rasch überwunden. Ob Bayerischer Rundfunk, n-tv, Welt oder RTL - alle berichteten über die traurige Nachricht aus Oberfranken.

Ein Missverständnis

Einen Tag später hat sich an den nüchternen Fakten zwar nichts geändert, dennoch sieht die Situation gänzlich anders aus. Es bleibt bei 20 000 toten Bienen und es bleibt bei verstopften Einfluglöchern. Miteinander zu tun haben die beiden Tatsachen aber nur indirekt. "Es hat sich um ein Missverständnis gehandelt", erklärt Alexander Müller von der Polizeiinspektion Ludwigsstadt unserer Redaktion am Montagvormittag.

Schuld sei eine Lücke in der Informationskette gewesen. Denn der Imker, der Anzeige gegen Unbekannt stellte, hätte wissen können, dass seine Bienen nicht getötet worden sind. Hätte seine Ehefrau nicht vergessen, ihm von einem aufklärenden Anruf zu erzählen. Das stellte sich heraus, als der vermeintliche Täter am Montag plötzlich bei der Polizei auftauchte.

Bei diesem handele es sich nämlich um ein Mitglied des Imkervereins Ludwigsstadt, weiß inzwischen auch Hans Jorda, der Kreisvorsitzende der Bayerischen Imkervereinigung: "Er war noch vor Ostern in dem Gebiet um Ottendorf unterwegs und hat gesehen, dass dort aus den Nistkästen keine Bienen mehr fliegen." Nachdem der Imker festgestellt hatte, dass alle Bienen in den Nistkästen tot waren, habe er die Einfluglöcher verschlossen. Darüber wollte der Imker auch den Besitzer der Bienenstöcke informieren, erreichte nach Polizeiangaben aber nur dessen Ehefrau. "Die hat dann aber leider vergessen, es weiterzusagen", sagt Müller. "Und dann sind sie in den Urlaub gefahren."

Die Reaktion des zunächst als Täter gesuchten Mannes sei absolut richtig gewesen, betont Jorda. "Das muss man so machen, damit keine anderen Bienen an die Futtervorräte kommen und sich so vielleicht mit der Amerikanischen Faulbrut anstecken", erklärt der Kreisvorsitzende, der schon seit über 40 Jahren Imker ist.

Sperrbezirk bleibt bestehen

Bei den Bienenzüchtern in Ludwigsstadt ist die Sorge momentan nämlich groß, dass sich ihre Bienenvölker mit dieser für Menschen ungefährlichen Seuche anstecken könnten (siehe Infokasten). Bereits Mitte September 2018 wurde dort die Faulbrut im Zuge einer freiwilligen Untersuchung festgestellt. Damit die Seuche nicht verschleppt wird, wurde im Umkreis von zwei Kilometern ein Sperrbezirk eingerichtet. Übrigens der im Moment einzige im Landkreis. Daraufhin habe das Veterinäramt als zuständige Behörde angeordnet, die seuchenkranken Bienenvölker zu töten, erzählt Martin Körlin, der Vorsitzende des Imkervereins Ludwigsstadt.

Die Nistkästen mit den 20 000 toten Bienen befanden sich gleich am Rand dieser Sperrzone. "Wir stecken gerade noch mitten in der Bekämpfung der Faulbrut", teilt Andrea Schiwy, die stellvertretende Sachbearbeiterin des Veterinäramts Kronach auf FT-Anfrage mit. Im Laufe dieser Woche werde sie wahrscheinlich noch einmal in den Sperrbezirk fahren und neue Proben nehmen.

Erst wenn ausgeschlossen ist, dass kein Bienenstock mehr von der Faulbrut betroffen ist, könne die Sperrzone aufgehoben werden. In ihren Ende April genommenen Proben sei die Seuche aber noch nachweisbar gewesen. Daher dürfen auch weiterhin keine Bienen in den Sperrbezirk hinein- oder herausgebracht werden.

Was zu der letztlich ebenso verworrenen wie kuriosen Geschichte passt: Die Ottendorfer Nistkästen hätten womöglich gar nicht von der Faulbrut betroffen sein können. Das vermutet zumindest Hans Jorda. Weil die toten Bienen schon vor Ostern gefunden wurden und sich die Nistkästen knapp außerhalb der Sperrzone befanden, könnte es auch sein, dass die Tiere dem damals noch kalten Wetter zum Opfer fielen.

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