Kronach
Bauausschuss

18 neue "Singlewohnungen" für Kronach

In der Mittelstraße sollen 18 "Singlewohnungen" entstehen. Bernd Liebhardt verweigerte die Zustimmung wegen der Stellplatzfrage. Zustimmung und Verärgerung gab es bezüglich des geplanten Neubaus einer Halle an der Haßlach.
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So wird der Neubau  in der Mittelstraße einmal aussehen. Es entstehen insgesamt 18 Wohnungen auf einem 1925 Quadratmeter großen Grundstück. Die Wohnungsgrößen liegen zwischen 60 und 85 Quadratmeter, Schwerpunkt  sind Single-Wohnungen.  Alle sollen  barrierefrei  erreicbar sein  und über Balkon oder Terrasse verfügen. Repro: Karl-Heinz Hofmann
So wird der Neubau in der Mittelstraße einmal aussehen. Es entstehen insgesamt 18 Wohnungen auf einem 1925 Quadratmeter großen Grundstück. Die Wohnungsgrößen liegen zwischen 60 und 85 Quadratmeter, Schwerpunkt sind Single-Wohnungen. Alle sollen barrierefrei erreicbar sein und über Balkon oder Terrasse verfügen. Repro: Karl-Heinz Hofmann

In der Sitzung des Bau-, Stadtentwicklungs- und Wirtschaftsausschusses der Stadt Kronach ist am Donnerstag unter anderem eine Diskussion um die Parkplatzsituation im Stadtbereich entstanden. Auslöser war ein Antrag auf den Neubau von 18 Wohnungen in der Mittelstraße.

Bernd Liebhardt (CSU) stieß dabei sauer auf, dass statt der - laut der kürzlich modifizierten Stellplatzsatzung - geforderten 31 Stellplätze für dieses Projekt nur 26 Stellplätze ausgewiesen sind. Es sei sehr erfreulich, wenn im Stadtgebiet dringend nötiger Wohnraum geschaffen wird, aber es müsse zugleich auch Platz für genügend Stellplätze vorhanden sein. Liebhardt: "Kronach hat ein massives Parkplatzproblem. So geht das seit einiger Zeit immer wieder und wir können nicht ständig Parkplätze auslösen."

Die neue Halle erhält sowohl Glasverkleidung als auch Bereiche mit Holzvertäfelung. Sie ist einstöckig, hat aber eine Galerie. "Halle und Küche zusammen werden 670 Quadratmeter groß und sind auf rund 250 Besucher ausgerichtet", gibt Hans-Joachim Burger Einblick in die Pläne, die bei Stadtpolitikern aller Couleur gut ankommen.

Mittlerweile, so schätzte der CSU-Stadtrat, fehlten auf diese Art und Weise schon über 100 Parkplätze im Stadtgebiet. Irgendwo müsse man eine Grenze setzen und er sei nicht mehr bereit, dies mitzutragen, weshalb er dem Antrag von der ImmoConcept HSH GmbH Kronach auch seine Zustimmung verweigerte.

Die Mehrheit von acht Räten inklusive Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein stand dem Vorhaben aber positiv gegenüber und gaben das gemeindliche Einvernehmen, vorbehaltlich einer überarbeiteten Außenanlagenplanung (Anordnung der Stellplätze, Dachbegrünung der Garagen. Winfried Lebok wies in dem Zusammenhang auch auf die Feuerwehrzufahrt hin. Hans- Georg Simon (FW) meinte, dass Stadtplaner Daniel Gerber die Situation geprüft und keine Einwände habe, deshalb sollte man zustimmen.

Bauherr Horst Hanna wurde das Wort erteilt und er erklärte, dass er kleinere Wohnungen schaffe, die meist von Singles bewohnt würden. 14 der geplanten Wohnungen seien schon vergeben, davon seien nur zwei Interessenten, die zwei Stellplätze benötigen. Alle anderen kämen mit einem Stellplatz zurecht. Die Nachfrage bestätige, dass solche Kleinwohnungen gesucht werden. Bürgermeister und Stadtplaner fanden die Projektplanung gelungen und architektonisch ins Stadtbild passend. Dem Vorhaben wurde mit 8:1 Stimmen das gemeindliche Einvernehmen erteilt.

Verärgert über Veröffentlichung

Ein weiteres Vorhaben, der Neubau eines Veranstaltungsgebäudes "Kettelerhaus" in der Schwedenstraße sorgte durch die Berichterstattung im Fränkischen Tag vor der Sitzung für Ärger unter den Räten. Wolfgang Hümmer (CSU) zeigte sich verwundert darüber, wie sich einige Stadträte positiv zu dem Vorhaben äußern konnten, ohne Kenntnis eines Bauplanes. Er meinte, die Ausschussmitglieder müssen sich hintergangen fühlen. Dieses Gebaren, einer Ausschusssitzung vorzugreifen, sei äußerst seltsam.

Auch Bernd Liebhardt, der für die CSU von unserer Redaktion zu dem Thema befragt wurde, fand die Vorgehensweise befremdlich. Stadtplaner Daniel Gerber meinte, der Artikel war ein Schuss daneben. Es sei für ihn schleierhaft, denn er habe keine Daten weitergegeben unter Berufung auf den Datenschutz. Zum Projekt selbst fanden die Räte aber überwiegend lobende Stimmen.

Liebhardt sieht Parkplatzproblem

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Liebhardt meinte, es sei eine große Herausforderung der Zukunft, wenn Kronach Hochschulstandort werde, auch entsprechende Freizeitangebote und Veranstaltungsräume oder Biergärten anzubieten. Genau das werde mit dem Antrag verfolgt. Es gab einstimmiges gemeindliches Einvernehmen, wobei eine Fassadenbegrünung zur Auflage gemacht wurde.

Aber auch hier sah Liebhardt ein Parkplatzproblem. Dies müsse die Stadt zeitnah angehen, eventuell könne man die Stadtwerke mit einbeziehen. Thilo Moosmann sprach von einer Aufwertung der Attraktivität der Stadt. Parkplätze könnten eventuell durch ein Parkdeck geschaffen werden. Zweifellos ersetzten die Veranstaltungsräume aber nicht eine Stadthalle.

Ebenfalls einstimmig wurde gemeindliches Einvernehmen erteilt, für eine energetische Sanierung, Umnutzung und Erweiterung des Wohn- und Geschäftshauses, Schwedenstraße 3 (ehemaliges Schwarzmeier Textilhaus). Das Gebäude steht seit geraumer Zeit leer und so wurde es als sehr erfreulich angesehen, dass hier wieder Leben einkehrt, inklusive einer kleinen Gastronomie, und dass die Anregungen der Denkmalpflege auch beachtet werden.

Ferner wurde dem Neubau eines Einfamilienwohnhauses mit Carport und Abstellraum, Langer Steig, Kronach zugestimmt. Hier wurde auf die Abstimmung mit der Stadt vor Baumfällungen und Ersatzpflanzungen, hingewiesen.

Kommentar von Andreas Schmitt: Uprofessionell und kleinkariert

Medien haben die Aufgabe, Bürger zeitnah über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Die Freiheit, dies zu tun, ist in Artikel 5 des Grundgesetzes geschützt. In ganz Deutschland - auch in Kronach!

Bis zu manchem Stadtrat scheint sich das nicht herumgesprochen zu haben.

Warum sollten Medien nicht im Vorfeld über einen Bauantrag einer öffentlichen Sitzung berichten? Stadtplaner Gerber verwies auf den Datenschutz. Unsere Parallel-Anfrage beim Planungsbüro des Auftraggebers wurde beantwortet. Und das ist gut so: Mit der Presse darf jeder sprechen - und diese das aufschreiben. Egal, ob Stadträte die Unterlagen erst kurz vor der Sitzung durchlesen.

Deren Vorstellung, sie hätten ein Exklusivrecht auf Information, ist falsch. Und sie wurden nicht gezwungen, mit uns zu sprechen. Sie taten es freiwillig. Auch Bernd Liebhardt, der beim Telefonat keine Kritik äußerte, es danach aber befremdlich fand. Das ist vor allem eines: unprofessionell und kleinkariert.



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