Kronach
Prozess

18-Jährige in Kronach angegriffen: Exfreundin des Angeklagten berichtet über heftige Abstürze

Zusammenbrüche und Drohungen: Der vierte Verhandlungstag zur versuchten Vergewaltigung in Kronach beleuchtete die Beziehungen des Angeklagten genauer. Seine Exfreundin half, die Tage vor dem Angriff zu rekonstruieren.
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Im Fall der versuchten Vergewaltigung in Kronach sagte nun eine weitere Exfreundin des Angeklagten aus. Symbolbild: pixabay/Counselling
Im Fall der versuchten Vergewaltigung in Kronach sagte nun eine weitere Exfreundin des Angeklagten aus. Symbolbild: pixabay/Counselling

Immer wieder schlug er mit der Faust auf sie ein, bis er nur noch ein Zucken wahrnahm. "Ich wollte, dass sie endlich ruhig ist." Im Drogenrausch soll ein 36-Jähriger am 5. Juli 2018 eine junge Frau auf dem Kronacher Landesgartenschaugelände angegriffen und misshandelt haben. Der Mann steht nun wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung vor dem Coburger Landgericht.

Am Mittwochmorgen kamen durch die Aussage seiner Exfreundin Informationen darüber ans Licht, was direkt im Vorfeld der Tat geschah. Der aktuelle Beziehungsstand des Angeklagten zur Zeugin bringt mit jedem neuen Verhandlungstag mehr Verwirrung in den Prozess: Für sie scheint die Beziehung beendet, er sprach kürzlich noch von Heiratsplänen. Ein Bekannter und angeblich neuer Freund der Frau hatte den Mann bereits mit seiner Aussage schwer belastet, ihm sogar Morddrohungen vorgeworfen. Fest steht, dass nach der Tat ausgerechnet die Freundin des 36-Jährigen der Polizei den Aufenthaltsort und damit den entscheidenden Hinweis zur Festnahme geliefert hatte.

Angriff in Kronach: Chronologie der Tat

In chronologischer Reihenfolge trug die 30-Jährige der Kammer vor, welche Eckdaten der Beziehung für den Fall eine Rolle spielen: Wann der Angeklagte beispielsweise sein Handy verlor, wann ihm gekündigt wurde und wann er sich jeweils mit seinen Drogendealern oder seiner Exfreundin traf. Diese hatte bereits am vorherigen Verhandlungstag ausgesagt und den Angeklagten beschuldigt, sie am 30. Mai 2018 ebenfalls verprügelt und mit einem Elektroschocker attackiert zu haben.

Am Tag nach diesem Angriff habe er seiner neuen Freundin eine Sprachnachricht geschickt: Er müsse vermutlich demnächst eine Strafe begleichen und hätte nun Angst, wieder ins Gefängnis zu müssen. Finanziell sei er nicht in der Lage, seiner Exfreundin nach dem Angriff Schmerzensgeld zu zahlen. "Er hat gesagt: Jetzt hat sie es bald geschafft", erzählte die 30-jährige Zeugin. "Ich habe mir die Nachricht gefühlt 50 Mal angehört und fand sie total seltsam."

Angeklagter vor Angriff zugedröhnt

Am 3. Juli, zwei Tage vor dem brutalen Angriff auf die 18-Jährige in Kronach, habe der Angeklagte seine beiden Dealer besucht. Als er sich kurz darauf mit seiner damaligen Freundin traf, sei er ihr stark verändert vorgekommen. "Er war nicht wie sonst, wirkte hilflos und sehr schwach. So kenne ich ihn eigentlich nicht." Die trockene Haut an seinen Nasenlöchern habe sie darauf schließen lassen, dass er kurz zuvor Drogen geschnupft habe.

Mehr zum Fall: 18-Jährige in Kronach fast vergewaltigt - Zeugin spricht von "Todesschreien" der Frau

Die Beziehung sei von den Zusammenbrüchen und Rückfällen des 36-Jährigen durchzogen gewesen. Mehrmals musste seine Freundin ihn im gesundheitlich desaströsen Zustand nach Hause bringen, ihn regelrecht ins Bett tragen. "Er hat geklappert wie ein Schwein", beschrieb die 30-Jährige einen der Vorfälle. Auf die Bitte der Verteidigung hin, die Aussage zu spezifizieren, erklärte sie: "Er musste sich mehrmals übergeben, hat die Augen verdreht und ist in sich zusammengesackt."

Bei seiner Vernehmung hatte der 36-Jährige noch von großen Zukunftsplänen gesprochen: Heiraten wolle er die 30-Jährige. Und dass der Prozess sie nur noch mehr zusammengeschweißt hätte. "Sie steht zu mir." Nach dem Prozessende am Mittwoch versuchte der Angeklagte jedoch einen Streit mit ihr zu provozieren, bevor die Polizeibeamten dazwischen gingen.

Morddrohungen in Kronach: Aus dem Fenster stoßen

Die zweite Exfreundin des Mannes erhebt ebenfalls schwere Vorwürfe gegen ihn: So habe er ihr bei dem Treffen Ende Mai beispielsweise gedroht, sie aus dem Fenster zu stoßen. Die Aussagen ihrer Mutter sowie eines Exfreundes ließen die Glaubwürdigkeit der Zeugin jedoch weiter bröckeln. Die Mutter erfuhr erst am Montag als Prozesszuhörerin von dem Vorfall. Ihre Tochter hatte ihr gegenüber behauptet, von einem Unbekannten überfallen worden zu sein. Einen weiteren Vorfall von 2017, bei dem der Angeklagte ihre Tür eingetreten und ihrem Freund mit Mord gedroht haben soll, schilderte dieser viel harmloser. Der Angeklagte sei durchaus aggressiv aufgetreten: "Er hat mir ein bisschen gedroht, aber nichts Schlimmes."

Diese Zeugen haben bisher im Prozess ausgesagt

Am ersten Verhandlungstag am Coburger Landgericht sagten der Angeklagte sowie das 18-jährige Opfer und die Zeugin aus, die den 36-Jährigen im Juli in die Flucht geschlagen hatte. Im weiteren Verlauf des Prozesses wurden auch die Psychologin der 18-Jährigen, die beiden Drogendealer des Angeklagten, seine Exfreundin sowie deren Bekannte, Mutter und ihr Exfreund befragt. Die Verhandlung wird am 10. April fortgesetzt. Das Urteil soll Anfang Mai fallen.



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