Kronach
Konzert

14-Jährige brilliert in Kronach am Flügel

Freunde der klassischen Musik kamen am Sonntag bei der 16. Klassik-Akademie voll auf ihre Kosten. Im Fokus stand die hochtalentierte Pianistin Youwei Liu.
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Das Sinfonieorchester der Kronacher Klassik Akademie begeisterte mit Sibelius, Grieg und Dvorák. Die 14-jährige "Zauberin am Klavier" Youwei Liu erwies sich als exzellente Solistin von Griegs Klavierkonzert a-Moll.Heike Schülein
Das Sinfonieorchester der Kronacher Klassik Akademie begeisterte mit Sibelius, Grieg und Dvorák. Die 14-jährige "Zauberin am Klavier" Youwei Liu erwies sich als exzellente Solistin von Griegs Klavierkonzert a-Moll.Heike Schülein
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Das besondere Licht des Nordens, wilde und raue Berge, weite Fjorde: Manche Motive dringen direkt ins Herz - so wie die des berühmten Klavierkonzerts a-Moll des Norwegers Edvard Grieg, zu hören am Sonntag beim Sinfonischen Frühschoppen sowie beim Abschlusskonzert der Kronacher Klassik Akademie im Atrium der Maximilian-von-Welsch-Realschule.

Das zweite Stück des Programms ist ein wahres Wunderwerk der Gattung, von überragender Schönheit - mit einem klanggewaltigen und wirkungsvoll angelegten Solopart! Die Aufmerksamkeit bei der meditativen Seelenklage in typisch nordischer Melancholie gehörte hier ganz der Solistin Youwei Liu aus Coburg. Die erst 14-jährige mehrfache Preisträgerin verschiedener Wettbewerbe spielte in höchster gedanklicher Konzentration und Wachsamkeit. Man meinte, eine ausgereifte Pianistin über die Tasten des Steinway-Flügels schweben zu hören, deren brillantes, atemberaubend einfühlsames Spiel sich durch Wärme und Helligkeit auszeichnete.

Die junge "Zauberin am Klavier" verfügt über alle Fähigkeiten, um die spätromantischen, schwelgerischen und sehr nordischen musikalischen Gedanken hörbar werden und die herrlichsten Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Brillanz und Gefühl verbanden sich in ihrer exzellenten Interpretation, die sie ihrem Flügel entlockte - eine helle Freude, ihr dabei zuzuhören. Klänge, die die Ohren des Publikums umschmeichelten, stets konzentriert geführt vom Dirigenten Guido Mürmann: atemberaubend, phänomenal, einmalig!

In die Wälder Finnlands

Die unberührte Natur, der Gesang der Vögel und das Rauschen des Windes in den Birkenwäldern - die vielgestaltige Bilderwelt aus Natur- und Mythenbeschreibung "Finlandia" von Jean Sibelius hatte bereits zu Beginn des Konzerts die Vorstellung in den Norden gleiten lassen: Das mit 84 Musikern zahlenmäßig stärkste Orchester seit Gründung der Kronacher Klassik Akademie spielte die inoffizielle finnische Nationalhymne - das Werk, das den Komponisten der finnischen Natur über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus bekannt machte und bis heute seine wohl populärste Komposition ist. Das klingende, für den jungen skandinavischen Staat noch immer identitätsstiftende Bedeutung habende Sinnbild war beim feinfühlig musizierenden Orchester unter Mürmanns Leitung bestens aufgehoben. Er und das seiner präzisen Zeichengebung aufmerksam folgende Orchester mit Primarius Johannes Enders nahmen die Konzertbesucher mit auf eine spannende Reise in die tiefen Wälder Finnlands. Die ungeheure Dynamik des Stücks ließ das Orchester selbst noch in den leiseren Passagen spüren; hymnisch und strahlend bis zum triumphalen Finale!

Kräftige Pauken, Querflöten und begeisterndes Blech - das Hauptstück und zugleich spektakulären Höhepunkt des Konzerts bildete Antonín Dvoráks in New York entstandene feurige Symphonie Nr. 9 e-Moll. In der Symphonie mit dem klangvollen Beinamen "Aus der neuen Welt" ließ der Tscheche Spirituals, irische und schottische Einflüsse, aber auch seine böhmischen Wurzeln zur Geltung kommen. Die geniale Verschmelzung amerikanischer Impressionen, folkloristischer Bausteine und blühender Melodien von exotischem Reiz meisterte das Orchester mit Bravour. Die facettenreiche Sinfonie wurde zur virtuosen Kraftanstrengung aller Instrumente - und das zwei Mal an einem Tag; wurde doch das komplette Programm sowohl beim Sinfonischen Frühschoppen am Vormittag als auch beim festlichen Abschlusskonzert am Nachmittag dargeboten - was für eine Konzentrations- und Energieleistung!

Bei der Aufführung am Vormittag führte Mürmann in ebenso lockerer wie tiefgründiger Art und Weise in die jeweiligen Stücke ein - mit vielen wissenswerten Infos über deren Hintergrund, Intentionen und Aufbau. Beim Abschlusskonzert am Nachmittag ließ der Chor der Berufsfachschule für Musik in Kronach den darin eingebetteten Choral in der Konzertpause als Chorversion erklingen; ein wahrhaft erfrischender Kunstgenuss.

"Bravourös, toll, exzellent" und weit mehr lobende Adjektive fanden dann auch die Zuhörer am Ende des bejubelten Konzertprogrammes, das dem musikalischen Leiter ein spürbar großes Anliegen war. Allen drei Werken gemein ist, so Mürmann, der identitätsstiftende Charakter - sprich das Suchen und Finden von Identität. Ein Thema, das in unserer Zeit mehr denn je von großer Wichtigkeit sei: Wer bin ich und wo will ich hin?

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