Weißenbrunn
Demonstration

120 Bürger empfangen AfD in Weißenbrunn mit deutlichen Ansagen

Die AfD führt an diesem Montagabend eine Gründungsversammlung für einen Ortsverband Kronach durch, was eine Demonstration zur Folge hatte.
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Etwa 120 Menschen fanden sich in Weißenbrunn ein, um zu zeigen, dass sich viele in der Region von den politischen Positionen der AfD distanzieren. Foto: Marco Meißner
Etwa 120 Menschen fanden sich in Weißenbrunn ein, um zu zeigen, dass sich viele in der Region von den politischen Positionen der AfD distanzieren. Foto: Marco Meißner
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Einige Ratschen klapperten, Pfiffe wurden laut, das Lied "Die Gedanken sind frei" wurde angestimmt. Doch alles blieb friedlich, als am Montagabend rund 120 Demonstranten in Weißenbrunn vor der Gründung eines AfD-Verbandes warnten.

In einem Gasthaus am Ort versammelten sich vor Kurzem etwa 30 AfD-Mitglieder, um einen landkreisweit agierenden Ortsverband Kronach ins Leben zu rufen, wie Kreisvorsitzender Martin Böhm erklärte. Auf der Gegenseite hatte das Weißenbrunner Ehepaar Axel und Beate Witthauer spontan dazu aufgerufen, Farbe für einen "bunten" Frankenwald zu bekennen. Zahlreiche Bürger aus der Region wie auch verschiedene Kommunalpolitiker waren diesem Appell nachgekommen. Einige Meter vor dem Versammlungsort bezogen sie auf den Gehsteigen Position und machten mit Transparenten deutlich, dass sie die Haltung der AfD für undemokratisch erachten.

Kein Zoff bei der Demo

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"Wir wollen eine 100 Prozent friedliche Veranstaltung", unterstrich Axel Witthauer von Anfang an. "Wir wollen zeigen, dass wir uns benehmen können." Das ist den Demonstranten auch gelungen.

So deutlich ihre Slogans auf den Plakaten ausfielen ("Heimat ja - Hetze nein"; "Bildung statt Intoleranz"; "Politik ist mehr als Hetze gegen andere"; "Menschlichkeit kennt keine Alternative"; "Nazis entgegentreten"), blieben sie doch stets ihrer Linie treu, Abstand zu wahren und keinen Streit anzuzetteln. Zoff wurde übrigens auch von der Gegenseite nicht gesucht. Ein ankommender AfD-Vertreter ließ sich zu einem mehrfachen Stinkefinger hinreißen. Ein anderer hob einen Zettel in Richtung der Transparente mit der Aufschrift "Hass, Zensur und undemokratisches Verhalten ist keine Lösung". Allgemein gab es Kopfschütteln für die Demonstranten. Das war's aber auch schon.

Nach etwa einer Stunde brachen die demonstrierenden Bürger ihre Zelte ab. "Wir haben erreicht, was wir wollten", betonte Axel Witthauer. Man habe zeigen wollen, dass es in Weißenbrunn viele Menschen gibt, die anders denken als die AfD - auch wenn gleich in der Nachbarschaft die Gründungsversammlung stattfand.

Interview mit den Organisatoren der Demonstration

Die AfD-Versammlung in Weißenbrunn wurde von einer Demonstration begleitet, die beiderseits friedlich verlaufen ist. Kurzfristig hatten Axel und Beate Witthauer diese Gegenbewegung auf die Beine gestellt. Warum sie sich für einen offenen Protest gegen das AfD-Treffen entschieden, erklärten sie kurz vor der Veranstaltung im Gespräch mit unserer Zeitung.

Was hat Sie dazu bewogen, diese Demonstration zu organisieren?

Axel Witthauer: Wenn gerade in unserer Nachbarschaft ein Ortsverein einer Partei gegründet wird, bei der wir Zweifel haben, ob sie die Menschenrechte für alle in jeder Situation anerkennt, dann können wir nicht tatenlos zusehen. Gerade als Ärzte haben wir da etwas gegen. Wir waren engagiert bei diversen Hilfseinsätzen; vom Jugoslawien-Krieg über das Elbe-Hochwasser bis hin zur jüngsten Flüchtlingskrise. Bei Letzterem haben wir auch mitbekommen, welche Position die AfD bezieht.

Was versprechen Sie sich von Ihrer Demonstration?

Axel Witthauer: Wir erwarten uns nicht, die Gründung dieser Gruppe verhindern zu können. Dabei handelt es sich um einen demokratischen Akt. Auch diese Leute gehören zur Demokratie. Wir wollen nichts weiter, als zeigen, dass in Weißenbrunn nicht alle so denken, wie der Herr Rauh (Landtagskandidat der AfD; Anm. d. Red.) und die AfD. Beate Witthauer: Wir wollen ein Zeichen setzen, keine Konfrontation. Gewalt ist für uns keine Option!

Wie haben Sie sich für den Montagabend vorbereitet?

Axel Witthauer: Wir haben uns ganz spontan entschieden, weil wir erst am Freitag von der Versammlung gelesen haben. Zunächst wollten wir ein Plakat aufhängen. Am Samstag haben wir uns dann entschieden, mit einer Demo darauf aufmerksam zu machen. Es ist das erste Mal, dass wir so etwas machen. Wir können daher nicht sagen, wie viele Leute wir in der Kürze auf die Beine bekommen (die Polizei schätzte 120 bei Beginn; Anm. d. Red.).

Gab es im Vorfeld irgendwelche Reaktionen seitens der AfD auf Ihr Vorhaben?

Axel Witthauer: Die Gegenseite hat auf Facebook reagiert - mit der üblichen Polemik. Ich kann angesichts der Kommentare nur zu einem Deutschkurs raten ... (schmunzelt) Es ist der AfD scheinbar noch nicht bekannt, dass auch eine Demonstration ein demokratischer Vorgang ist.

Was bei der AfD-Veranstaltung gesagt wurde und wer zum Vorsitzenden des ersten Kronacher Ortsverbandes gewählt wurde, lesen Sie hier.



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