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Landwirtschaft

120 Anzeigen gegen Landwirte: Bauern schieben Frust über neue Düngeverordnung

Nach dem ersten Winter mit der neuen Düngeverordnung sind die Bauern verärgert. Ihre Arbeitsbedingungen wurden erschwert - und es hagelt Anzeigen.
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So wie hier nahe Tiefenklein gehört das Düngen für die Landwirte zum Alltag. Immer wieder kommt es jedoch vor, dass sie dafür angezeigt werden. Foto: Andreas Schmitt
So wie hier nahe Tiefenklein gehört das Düngen für die Landwirte zum Alltag. Immer wieder kommt es jedoch vor, dass sie dafür angezeigt werden. Foto: Andreas Schmitt
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"Wir haben einen erheblichen Mehraufwand durch die neue Düngeverordnung", berichtet eine Mitarbeiterin des Zentrums für Agrarökologie in Bad Staffelstein. Die Behörde kontrolliert, dass die Bauern in Oberfranken sich in Sachen Düngung an die seit Juni 2017 strengeren Gesetze halten.

Doch nicht nur die 120 Anzeigen gegen Landwirte, die es in Oberfranken seit Inkrafttreten der Düngeverordnung gab, beschäftigen die Behörde: "Wir koordinieren auch die Information und die Beratung der Landwirte und der Bevölkerung."

Das Interesse an den Details der neuen Verordnung, so die Mitarbeiterin, die nicht mit ihrem Namen genannt werden möchte, sei sehr groß. Immer wieder beantworte man Anfragen von Bürgern. "Und die Landwirte sind sehr kooperativ und interessiert an der richtigen Umsetzung. Dies konnte man deutlich an den stets voll besuchten Informationsveranstaltungen und Pflanzenbautagen sehen. "


Bauern schieben Frust

Und was denken die Bauern nach dem ersten Winter mit der neuen Verordnung? "Ich weiß nicht, wie der Frust wieder weggehen soll", sagt Erwin Schwarz, der als Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) die meisten Landwirte im Kreis Kronach vertritt. "Bei allem, was wir machen, wird derzeit ein Verstoß vermutet", sagt Schwarz. "In den Köpfen vieler sind wir potenzielle Sünder."

Dabei vergäßen diejenigen, die Landwirte anzeigen, dass auch die Bauern ein Interesse an gesunden Böden und gesunden Tieren haben. "Deshalb halten wir uns an die neue Verordnung - auch wenn sie uns die Arbeit nicht gerade leichter macht."

Vor allem kritisiert Schwarz die mangelnde Möglichkeit, auf Wettereinflüsse zu reagieren. "Im Herbst hatten wir viel Niederschlag, im Frühjahr jetzt lange Frost. Deshalb konnten wir unsere Güllelager nicht leeren."

Das Problem dabei: Jeder Bauer muss laut der neuen Düngeverordnung jederzeit Lagerkapazitäten für mindestens sechs Monate vorhalten. "Die Sperrzeit im Herbst ist ja sinnvoll, müsste aber flexibler aufs Wetter abgestimmt werden können, solange eine Düngung den Boden nicht schädigt."


BBV bemängelt Praxisferne

"Praxisfremd" bezeichnet Schwarz auch die durch die neue Verordnung geforderte Düngebedarfsermittlung.

"Was vorher im Kopf ablief, muss jetzt zu Papier gebracht werden." Die Berechnungsgrundlagen nennt der BBV-Obmann "Wahnsinn".

Auch das Zentrum für Agrarökologie bestätigt, dass es viele Diskussionen gibt. "Unmittelbar nach Inkrafttreten der neuen Verordnung waren die veränderten Sperrfristen das große Thema. Im Winter und jetzt im Frühjahr wird viel über die Lagerraumkapazitäten und die neu zu erstellende Düngebedarfsermittlung gesprochen", teilte die Mitarbeiterin schriftlich mit.

Ob die neue Düngeverordnung ihren Zweck erfüllt, will die Behörde noch nicht beurteilen. "Das können wir momentan noch nicht sagen. Der Betrachtungszeitraum reicht hierfür noch nicht aus", heißt es aus Bad Staffelstein.

Wie es dazu kam, dass die "Güllekontrolleure" bei einem Landwirt aus dem Kreis Kronach aufschlugen und was er über die Anzeige gegen ihn denkt, lesen Sie im infrankenPlus-Artikel.
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