Nordhalben
Jakobsweg

112 Etappen bis zur Kathedrale in Santiago de Compostela

Gerhard Beitzinger und Edgar Renk aus der Gemeinde Wilhelmsthal berichteten bei einem Vortrag über ihren Pilgergang nach Santiago de Compostela.
Artikel drucken Artikel einbetten
Gerhard Beitzinger und Edgar Renk sind im christlichen Glauben in neun Jahren den Jakobsweg von Tschirn bis Santiago de Compostela mit über 3.200 Kilometer zu Fuß gelaufen. Foto: Michael Wunder
Gerhard Beitzinger und Edgar Renk sind im christlichen Glauben in neun Jahren den Jakobsweg von Tschirn bis Santiago de Compostela mit über 3.200 Kilometer zu Fuß gelaufen. Foto: Michael Wunder

Nichts ist Zufall. Davon waren die beiden Jakobspilger Gerhard Beitzinger und Edgar Renk nach ihrem Fußtrip von Tschirn nach Santiago de Compostela überzeugt. Bei einem Erwachsenenvortrag der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Nordhalben referierten sie im voll besetzten Jugendheim über ihre Motivation, den Jakobsweg zu beschreiten, aber auch über viele dabei gewonnene Eindrücke und Begebenheiten.

Jede Nacht ein anderes Bett

In neun Jahren legten die beiden Frankenwälder in 112 Etappen die 3200 Kilometer zurück. Staub, Sand, Sonne und auch Regen waren abwechselnd auf der Tour dabei. Jede Nacht in einer meist ungewissen Unterkunft und einem anderen Bett sei auch eine große Herausforderung gewesen.

Begonnen haben die beiden Pilger aus der Großgemeinde Wilhelmsthal ihre Reise in der nächstgelegenen Jakobskirche in Tschirn. Der Weg führte sie dann quer durch Deutschland, die Schweiz, Frankreich und Spanien zum Ziel in Santiago de Compostela.

Motiviert war am Anfang vor allem Edgar Renk aus Hesselbach, der als ehemaliger Berufssoldat bei vielen Auslandseinsätzen in der ganzen Welt eingesetzt war und deshalb sich geschworen hatte, den Jakobsweg zu gehen. Mit Gerhard Beitzinger aus der Grümpel hatte er den richtigen Partner für dieses unvergessliche Abenteuer gefunden. Beide haben nach vielen Strapazen auch das Grab des Apostels Jakobus, der mehr als 2000 Jahre tot ist, aufgesucht.

Nur wenige richtige Pilger

Insgesamt kommen laut Statistik jedes Jahr rund 350 000 Menschen in Santiago de Compostela an. Dies sind aber nur etwa zehn Prozent derer, die sich dieses Ziel gesetzt haben. Die Übrigen beenden das Vorhaben frühzeitig. Von den Angekommenen seien wiederum nur etwa fünf Prozent richtige Pilger, die restlichen seien als Touristen unterwegs, sagte Beitzinger. Vor allem sei das an den Teilnahmen an den Messen und Gebetsstunden erkennbar.

Landschaftlich gebe es sicherlich viel interessantere Strecken als teilweise auf dem Jakobsweg, und trotzdem sei dieser etwas Besonderes. Man lerne dort in kurzer Zeit viele Leute mit ihren Geschichten und Hintergründen kennen, meinten die beiden Pilger. Manchmal seien sie auch an ihre physischen und psychischen Grenzen gekommen. Dennoch seien sie erstaunt, wie weit man mit so wenigen Sachen im Rucksack kommt. Sie hätten stets die zehn Pilgergebote beachtet und seien deshalb auch "recht gut durchgekommen".

Das "Windhundprinzip"

Als etwas problematisch habe sich am Abend immer die Suche nach einer Herberge erwiesen, denn dabei gelte schließlich das "Windhundprinzip": Wer zuerst da ist, findet leichter etwas zum Übernachten. Sie hätten sich deshalb immer recht früh auf den Weg gemacht, um dann am Nachmittag oder Abend nicht lange nach einer Schlafmöglichkeit suchen zu müssen.

Die Unterkünfte seien sehr verschieden gewesen. Da habe es vom Billigzelt bis zu "Luxusunterkünften" eigentlich alles gegeben.

Nicht so einfach sei es auch gewesen, immer wieder zu den Startpunkten zu gelangen. Eine gute Planung sei dabei von Vorteil gewesen.

Während der Reisen hätten sie auch viele Leute kennengelernt. Es seien Freundschaften entstanden, und zu einigen hätten sie jetzt noch Verbindung. Im Vorfeld hätten sie sich über allerlei Bräuche erkundigt und diese dann auch mitgemacht oder eingehalten.

Glücklich hätten sie das Ziel erreicht und seien, wie für Pilger üblich, über den Seiteneingang in die Kathedrale gelangt. Später hätten sie als Zusatzstrecke noch "Fisterra", das "Ende der Welt", besucht.

Manfred Köstner dankte den Vortragenden für einen beeindruckenden Rückblick, bei dem man viele glückliche Leute gesehen habe. Die bei dieser der Veranstaltung gegebenen Spenden würden einem sozialen Zweck zur Verfügung gestellt.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren