Bamberg
Kommentar

Ukraine: Gefährlicher Dilettantismus des Westens

Der Westen hat sich im Fall Ukraine in eine schwierige Lage manövriert.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bewaffnete in der Nähe von Simferopol auf der Krim Foto: Alexej Furman/dpa
Bewaffnete in der Nähe von Simferopol auf der Krim Foto: Alexej Furman/dpa
Der Westen ist fassungslos angesichts des russischen Vorgehens auf der Krim, heißt es. Doch fassungslos muss man eher darüber sein, dass der Westen offenbar von der Reaktion Moskaus auf die jüngsten Vorgänge in der Ukraine überrascht worden ist.

Hat man in Washington und den europäischen Hauptstädten denn nicht ins Kalkül gezogen, dass Russland aus seiner Interessenlage heraus einfach reagieren muss? Was ist das für eine Politik, die nicht fähig ist, die Folgen der eigenen Handlungen einzuschätzen?

Diplomatie, heißt es, sei die Kunst, sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen, immer einige Schritte weiter zu denken und die möglichen Reaktionen einzukalkulieren. Aber offenbar beherrschen die Handelnden in den westlichen Regierungen ihr Handwerkszeug nicht und betrachten die Welt mit ideologischen Scheuklappen.

Man wirft Russland Konfrontationspolitik vor. Dabei hat der Westen selbst kräftig zu dieser Konfrontation beigetragen. Statt die Lage in der Ukraine zu beruhigen und dabei eine gemeinsame Linie mit Russland zu suchen, hat man selbst heftig gezündelt.

Wenn man Russland einenRückfall in das Denken des Kalten Krieges vorwirft, so trifft das auf den Westen genauso zu. Jetzt wird man die Geister, die man rief, nicht mehr los.

Und jetzt? Unversehens hat man sich in Europa durch unsinnige Machtspielchen an den Rand eines Krieges manövriert, den niemand will außer vielleicht einigen nationalistischen Hitzköpfen in Kiew, die westliche Versprechungen für bare Münze nehmen. Doch der Westen kann im Grunde nichts tun, wenn er sich nicht in einen Krieg gegen Russland hineinziehen lassen will.

Dabei hat man das gleiche Spiel erst vor einigen Jahren in Georgien durchexerziert. Man hätte also gewarnt sein müssen. Wer aus der Geschichte nicht lernt, ist gezwungen, sie zu wiederholen. Nur ist die Situation jetzt viel gefährlicher als seinerzeit in Georgien. Dilettanten, wie sie derzeit im Westen das Sagen haben, können wir uns eigentlich nicht leisten.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren