Bamberg
Kommentar

Steuern allein können die Sucht nicht besiegen

Alkohol soll teurer werden, schwerer zu kriegen sein und nicht mehr in der Werbung vorkommen. Das fordert die Hauptstelle für Suchtfragen. Doch mit Gesetzen und Steuern allein lässt sich dem Problem exzessiven Alkoholkonsums nicht beikommen.
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Immer wieder kommen alkoholisierte Jugendliche in die Notaufnahme - mit Gesetzen allein ist dem Problem nicht beizukommen. Foto: dpa/Peter Steffen
Immer wieder kommen alkoholisierte Jugendliche in die Notaufnahme - mit Gesetzen allein ist dem Problem nicht beizukommen. Foto: dpa/Peter Steffen
Wenn die Hauptstelle für Suchtfragen die Verantwortung in Sachen Alkohol nur bei Bund und Ländern sieht, macht sie es sich zu einfach. Denn vernünftiger Alkoholkonsum lässt sich nicht ausschließlich per Gesetz erzwingen. Für den Staat wären höhere Steuern auf Alkohol in jedem Fall reizvoll. Schrecken sie nicht ab, steigen zumindest die Einnahmen. Wird weniger getrunken, entlastet das unser Gesundheitssystem.

Dass der Druck auf den Geldbeutel das Problem aber nicht ganz löst, zeigt sich etwa in Schweden, einem Land mit noch immer recht restriktiver Alkoholpolitik, staatlichen Verkaufsstellen und ziemlich hohen Preisen. Aber auch dort gelten 3,5 Prozent der Bevölkerung als alkoholabhängig, von denen sich viele halt mit dem möglichst billigen Fusel versorgen. In Schweden ist man jedoch davon überzeugt, dass man unter Bedingungen wie in Deutschland mindestens dreimal so viele Alkoholiker hätte. Und in England hat man errechnet, dass allein höhere Steuern den Alkoholmissbrauch dort um zehn Prozent reduzieren könnten.

Aber welche Lehren lassen sich für uns daraus ziehen, wo Wein und Bier als Teil der Kultur gelten, mehr als Lebens- denn als Suchtmittel wahrgenommen werden?

Es ist wohl wie mit Benzin und Nikotin. Die höheren Kosten werden zwar wütend kommentiert, führen jedoch nur zu einer sehr eingeschränkten Veränderung des Konsumverhaltens.

Teurerer Alkohol und ein Werbeverbot, wie es die Hauptstelle auch fordert, würde wohl kaum einen schon Süchtigen beeindrucken. Freilich wäre die Auswirkung auf Kinder und Jugendliche zu untersuchen. Was die angeht, ergibt sich kein einheitliches Bild. Der Drogenbericht der Bundesregierung erkennt, dass zwar insgesamt weniger Jugendliche trinken - diese dann aber um so exzessiver. Das Statistische Bundesamt zählt hingegen immer mehr Kinder und Jugendliche, die alkoholbedingt ins Krankenhaus gebracht werden. Ob die nur alle trinken, weil es so billig ist? Vielmehr liegt es wohl daran, dass geltende Vorschriften für den Alkoholverkauf an Jugendliche nicht eingehalten oder nicht ausreichend überwacht werden, dass sich offenbar viele Eltern nicht mehr die Mühe machen, auf das Verhalten ihrer Kinder zu achten.

Was also tun? Noch mehr aufklären, im Kleinen wie im Großen. Die Krankheit Alkoholismus noch stärker in der Gesellschaft thematisieren. Und vielleicht einen etwas weniger verklärten Blick auf das Kulturgut Alkohol werfen. So ließe sich wohl mehr bewegen als über zusätzliche Steuern und Regularien. Denn davon haben wir wahrlich schon genug.
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