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Rückblick: Das erstaunliche Jahr 2013

Wenn man zurückblickt auf dieses 2013, dann entdeckt man doch einige Gründe zum Staunen: Vom Papstrücktritt, Whistleblower Edward Snowden und einem spannenden Wahljahr.
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Papst Franziskus (l.) besucht seinen Vorgänger Benedikt XVI. in der Sommerresidenz Castel Gandolfo. Foto: epd
Papst Franziskus (l.) besucht seinen Vorgänger Benedikt XVI. in der Sommerresidenz Castel Gandolfo. Foto: epd
Da sage noch einer, wir hätten in Zeiten der digitalen Informationsüberflutung das Staunen verlernt. Denn auch wenn man sich für durch und durch abgeklärt hält: manchmal passieren Dinge auf dieser Erde, die nicht nur als Variation dessen daherkommen, was immer schon so oder so ähnlich war. Manchmal gibt es tatsächlich "Neues", das mehr ist als nur "News". Oft ist das Neue erst aus einem gewissen zeitlichen Abstand erkennbar. Aber wenn man zurückblickt auf dieses 2013, dann entdeckt man doch einige Gründe zum Staunen.

Die erstaunlichsten Geschichten dieses Jahres verdanken wir einem jungen und zwei alten Männern. Zwei Päpsten und einem "Whistleblower". Einer uralten Institution, die mit den Herausforderungen der Moderne ringt. Und einer modernen Technik, die in den Händen geheim operierender Apparate zur Überwachung unseres nur vordergründig freien (Kommunikations-)Lebens umfunktioniert wird. Und dann gibt es noch, mit Blick auf Deutschland, die erstaunliche Wendung einer Partei, die erst eine Wahl krachend verliert, um am Ende wie der politische Sieger des Jahres dazustehen.

Doch der Reihe nach. Als Benedikt XVI. am Rosenmontag seinen Rücktritt ankündigte, war schon dieser Schritt eine Sensation. Seit dem Mittelalter hatte es das nicht mehr gegeben. Joseph Ratzinger, der Papst aus Bayern, nahm es in Kauf, dass der Mythos seines Amtes durch etwas Profanes wie einen Rücktritt leiden konnte. Zugleich machte er den Weg frei, dass Bewegung in den erstarrten Apparat der katholischen Kirche kommen konnte.

Diesen Schwung nahm sein Nachfolger auf - und entfachte einen regelrechten Wirbelwind. Jorge Mario Bergoglio, der erste Lateinamerikaner auf dem Stuhle Petri, wählte einen Namen, der Programm ist: Franziskus. Und wünscht sich keine Kirche der Dogmen, sondern der Barmherzigkeit. Eine Kirche, die "sich schmutzig macht", weil sie bei den Armen und Heimatlosen ist, und sich nicht in prächtigen Bischofspalästen verschanzt (was er über den Limburger Bischof Tebartz-van Elst denkt, steht bislang eher zwischen den Zeilen). Als moralische Autorität hat sich Franziskus weltweit Gehör verschafft - nicht nur als Kritiker des Kapitalismus, sondern auch als Reformer seiner Kirche, die in zunehmend säkularen Gesellschaften ihren Platz sucht. Aber er hat sich mit mächtigen Gegnern angelegt, die in der Kurie selbst sitzen. Er wird also Kraft und einen langen Atem brauchen, wenn er die Reformen, die an der Basis gewünscht werden, von ganz oben durchsetzen will.

Die erstaunliche Geschichte des Edward Snowden hat ebenfalls mit einer mächtigen Institution zu tun - allerdings mit einer, die nicht wie die Kirche moralische Autorität reklamiert. Im Gegenteil, den Geheimdiensten traut man ohnehin Schurkereien aller Art zu. Mit dem abenteuerlichen Bild, das Romane von den Schlapphüten gerne zeichnen, können die Dienste gut leben. Denn die Realität ist banaler - und zugleich viel gespenstischer, wie wir dank der Enthüllungen des abtrünnigen Mitarbeiters des US-Geheimdienstes NSA wissen. Es sind gigantische Datenkraken, die NSA und Konsorten da rund um den Globus schicken. Und verdächtig ist zunächst einmal jeder, der es wagt zu leben. Im Namen der Sicherheit werden Freund und Feind ausgespäht auf Teufel komm raus.

Klar, aus Sicht der US-Regierung ist Snowden ein Verräter. Für alle, die sich um freiheitliche Rechte auch im Internet-Zeitalter sorgen, ist er ein Held. Dass er ausgerechnet bei dem Alt-Geheimdienstler Putin in Moskau Asyl suchen musste, gehört zu den Pikanterien des Falls. Man darf gespannt sein, welches EU-Land mutig genug ist, dem Aufklärer Snowden Schutz zu gewähren.

In Deutschland war 2013 vor allem Wahljahr. Wobei man den langen Wahlkampf getrost vergessen kann - mangels großer Themen. Denkwürdig ist hingegen, wie Kanzlerin Angela Merkel und die Union sich nach dem grandiosen Wahlsieg am 22. September auf ihren Lorbeeren auszuruhen schienen. Und wie es SPD-Chef Sigmar Gabriel vermochte, seine von der Niederlage demoralisierte Partei erneut in eine große Koalition zu führen. Sein Hebel war der Mitgliederentscheid: über ihn bestimmte die SPD den Diskurs über die politische Agenda der künftigen Regierung. Die Kanzlerin blieb weitgehend stumm, und da es Angela Merkel reicht, einfach weiterregieren zu können, hat sie den inhaltlichen Ambitionen ihres neuen Partners wenig entgegenzusetzen. Und wenn man Programm und Personal der neuen GroKo ansieht, kommt man zu der höchst erstaunlichen Erkenntnis: So sozialdemokratisch ist Deutschland seit Willy Brandt nicht mehr regiert worden.
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