Bamberg

Nicht einmal das Abendland will untergehen

Und sie dreht sich doch und immer noch, unsere Welt, allen Untergangsfantasien zum Trotz, die nicht nur, aber gerade auch in Deutschland immer wieder auf fruchtbaren Boden fallen.
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Symbolfoto: Franziska Kraufmann, dpa
Symbolfoto: Franziska Kraufmann, dpa
Hierzulande fürchtet man sich gerne auf höchstem Niveau, und wenn alles nichts hilft, muss die Zukunft als Schreckgespenst herhalten. Es kann ja nur abwärts gehen. Nicht von ungefähr gilt die Weihnachtszeit in Deutschland als Zeit der sozialen und emotionalen Beben.

Untergang. Auf diesem Pfad schritt 1918 schon der Philosoph Oswald Spengler dem Untergang des Abendlandes entgegen. Sein populäres Werk, unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges entstanden, ist heute umstritten, weil sein Kulturpessimismus ein Teil des Nährbodens für den Aufstieg der Nationalsozialisten wurde. Insofern hat Spengler den von ihm vorhergesagten Untergang als sich selbst erfüllende Prophezeiung gefördert. Reines Glück, dass die Welt auch 1945 nicht untergegangen ist.

Es spricht für die deutsche Fähigkeit zur destruktiven Ironie, dass ein oscarnominierter Film über die letzten Tage Hitlers ausgerechnet "Der Untergang" heißen musste. Als müsste man dem nachtrauern, was da unterging. Bei solchen Messlatten fällt der vom untergegangenen Reich der Maya angeblich vorhergesagte Untergang der ganzen Welt natürlich ab, zumal er äußerst ungünstig ins Vorweihnachtsgeschäft fiel. Aber gut. Sie ist ja am Ende doch nicht untergegangen, unsere schöne kleine Welt. Der Christbaum steht und leuchtet, die Pakete türmen sich. Wie immer.


Untergang schleichend



Die Fixierung auf den 21.12.2012 lenkt allzu leicht ab vom Untergang der Welt, wie wir sie kennen. Denn der findet statt, nicht als katastrophales Ereignis, sondern schleichend, kaum spürbar. Überbevölkerung und Klimawandel, Energieverschwendung und Umweltverschmutzung, Massentierhaltung und Ausbeutung von Mensch und Natur ... Die Welt, in die das Kind in seiner Krippe geboren wurde, ist 2000 Jahre später nicht nur ein angenehmer Ort.

Jesus war ein Flüchtling, ein Sozialfall, im Armutsbericht ganz unten. Und doch sprach er nie von Untergang, sondern von einer Zukunft ohne Angst. Zukunft dauert halt manchmal länger, doch diese Botschaft ist heute so ergreifend wie vor 2000 Jahren.

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