Bamberg
Kommentar

Maßloser Appetit

Die Lust am billigen Fleisch wird uns auf die Füße fallen. Nicht nur, weil die Produktionsmethoden fragwürdig sind.
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Ein alter Werbeslogan hatte diese Botschaft: "Fleisch ist ein Stück Lebenskraft". So warb einst das deutsche Fleischerhandwerk für seine Produkte. Das war in den 80ern. Damals gab es zwar Butterberge und Milchseen, aber die industrielle Überproduktion von Schwein und Rind spielte keine Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung.
Die Lust am Fleisch-Genuss ist seither ungebrochen. Vielmehr noch: Die Wohlstandsgesellschaft isst sich ungeniert satt an der Kreatur. Fleisch ist nicht mehr der Sonntagsbraten von einst. Fleisch ist immer verfügbar - früh, morgens, abends. Reichlich, sehr reichlich - und zu Preisen, die nichts Gutes verheißen können. Blättert man durch die Prospekte, die einem am Wochenende in den Briefkasten flattern, so ist die billige Lust auf Schnitzel, Rouladen oder Schinken auf vielen Seiten dokumentiert. Kiloweise wird uns zu lächerlichen Euro-Preisen Appetit gemacht, wenn man hier von Appetit sprechen kann.

Erst kommt das Fressen, dann die Moral - der alte Brecht hatte mit seiner Formel ja so recht. Billig, will ich - so lässt sich das allgemeine Gebaren beim Griff in die Kühltheke zusammenfassen. Doch das bedenkenlose Konsumieren wird auf uns zurückfallen. Weil es Ressourcen vernichtet, weil so der Hunger in den Entwicklungsländern forciert wird, weil in der Massentierhaltung immer effektivere und brutalere Methoden braucht. Um unseren Hunger zu bedienen. Einen Hunger, der stetig wächst, weil auch andere an die weltweiten Fleischtöpfe wollen. Die Chinesen zum Beispiel, deren wachsender Wohlstand auch den Speiseplan bestimmt.

Dabei sind wir es, die es in der Hand haben, was in den Magen kommt. Weil wir als Verbraucher entscheiden, wie Tiere gemästet, getötet und verarbeitet werden. Essen mit Verstand - das scheint dringender denn je ein Gebot der Zeit, gerade beim Fleisch!
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