Bayreuth

Katharina hier, Katharina da

Ein alter Spruch des Pop- und Vermarktungskünstlers Andy Warhol lautet: "Don't care what they write about you, measure it in inches." Bei Katharina Wagner, Urenkelin des Meisters von Bayreuth und seit 2008 zusammen mit Halbschwester Eva Wagner-Pasquier Chefin der Festspiele, funktioniert das seit etlichen Jahren so.
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Katharina Wagner. Foto: dpa
Katharina Wagner. Foto: dpa
Es geht nicht um Inhalte, sondern darum, dass es immer wieder Schlagzeilen mit ihrem Namen gibt: Katharina hier, Katharina da, überall Katharina. Bis zum Abwinken.

Zuletzt hatten die Nachrichtenagenturen sogar gesendet, dass die Regisseurin des geplanten Colón-"Rings" - gemeint ist eine auf sieben Stunden herunterverstümmelte Version von Richard Wagners Tetralogie "Der Ring des Nibelungen", die normalerweise mindestens doppelt so lange dauert - erneut am Flughafen Buenos Aires eingetroffen war. Gut auf dem Foto zu erkennen war ihre Tasche eines Luxusherstellers.

Ob sie womöglich dafür noch einen Promotion- oder Marketing-Award bekommt, samt Gala mit stylischen Fotos in der Boulevardpresse? Gerne auch mit Politikern und Ministerialbeamten, die immer noch nicht begriffen haben, dass Gene und Medienpräsenz allein noch keine Qualifikation sind für einen der wichtigsten und weltweit ausstrahlenden Posten im Kulturleben Deutschlands.

Katharinas Colón-Projekt sollte ein Coup werden, ihr erster richtig großer internationaler Auftritt. Für das Scheitern gibt es sicher mehrere Gründe - auf beiden Seiten. Aber es fällt auf, dass es bei weitem nicht zum ersten Mal passiert ist, dass Katharina ein publizistisch erst groß angekündigtes Vorhaben plötzlich fallen lässt. Waren für sie die in die Colón-Probenzeit fallenden Festakte bei Sponsor Audi und der Eon-Kulturpreis plötzlich wichtiger? Dass die Probenbedingungen nicht so gewesen sein sollen, wie sie sich das vorstellte, mag ja sein. Aber gab es nicht umgekehrt auch schon Klagen von Regisseuren und Dirigenten zu den jetzigen Proben- und Arbeitsbedingungen im Bayreuther Festspielhaus?

Die Bayreuther Festspiele sind bekanntlich nicht nur ein Mythos, sondern ein besonders wertvolles kulturelles Kapital. Bund, Land, die Stadt Bayreuth sowie die mäzenatischen Freunde von Bayreuth sollten als Gesellschafter der Festspiel-GmbH nicht einfach tatenlos zuschauen, wie Katharina Wagner dem guten Ruf Bayreuths immer wieder schadet. Ganz abgesehen davon, dass sie als Festspielleiterin den ständigen Niveauverlust am Grünen Hügel, peinliche Pannen und eklatante Fehlleistungen zu verantworten hat.

Aber wer weiß? Vielleicht ist auch der viel zu späte Rückzug aus dem südamerikanischen Instant-"Ring" nur ein Meilenstein in Katharinas Wiederwahl-Kampagne. Denn falls der sowieso viel zu spät engagierte und opernunerfahrene Frank Castorf beim Bayreuther Jubiläums-"Ring" noch abspringt, könnte sie ja als gloriose Retterin einspringen und schon mal ihren halben "Ring" einbringen. Ach, Bayreuth!

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