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Eine Woche im Funkloch: So schön kann es ohne Handy sein - Kommentar

Neulich war ich eine Woche im Urlaub - ohne Handy, sozusagen. Der Campingplatz direkt an der Altmühl entpuppte sich als ein einziges, riesiges Funkloch. Es war ein Traum. Ein Kommentar von Rupert Mattgey.
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Ein unfreiwilliges Experiment: Eine Woche ohne Handy. Grund: Funkloch. Es war wunderbar. Ein Kommentar aus der inFranken.de-Redaktion. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
Ein unfreiwilliges Experiment: Eine Woche ohne Handy. Grund: Funkloch. Es war wunderbar. Ein Kommentar aus der inFranken.de-Redaktion. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Eine Woche ohne Handy: Manche machen das freiwillig als "digitalen Detox", ich wurde ohne Vorwarnung dazu gezwungen. Angekommen am Campingplatz an der Altmühl gab mein Handy plötzlich und unerwartet den Geist auf. Das Gerät selbst funktionierte einwandfrei, aber der Empfang war weg. Komplett. Kein einziger Empfangsbalken weit und breit in Sicht, der Name des Netzbetreibers - verschwunden. Kein Internet, kein WhatsApp, kein Telefon, nicht mal eine lausige SMS. Ich war im Funkloch.

Davon war nichts auf der Internet-Seite des Campingplatzes gestanden.

"Funktioniert dein Handy?", maulte ich in Richtung meiner Frau. "Ich habe null Empfang!" Sie warf einen Blick auf ihr Display und sagte "Nö." Sie sagte es, als würde es sie nicht im Geringsten kümmern. Sie sagte es mit einem Lächeln. Irritiert hielt ich mein Handy gen Himmel, wartete auf den einen rettenden Balken, aber er kam nicht. Das versuchte ich an diesem Tag noch ein paar Mal, das Ergebnis war stets dasselbe. Das hier war keine Störung. Es war kein temporärer Netzausfall. Das hier war ernst.

Das Handy machte dann Urlaub im Handschuhfach

An diesem Abend bin ich noch einen halben Kilometer gelaufen, vor zur Wirtschaft am Badesee, bis das Empfangs-Icon plötzlich zuckte und ein Balken meine wiederhergestellte Verbindung zur Welt anzeigte. Ich telefonierte mit meiner Schwester, weil sie an diesem Tag Geburtstag hatte. Danach packte ich mein Handy ins Handschuhfach meines Autos und habe es für den Rest der Woche nicht vermisst. Nicht ein einziges Mal.

Am nächsten Morgen beim Brödla-Kaufen im Kiosk belauschte ich zufällig ein Gespräch. "Internet ist hier aber nicht so toll, oder?", meinte ein barttragender Mit-Camper und hielt der Verkäuferin sein totes Handy unter die Nase wie ein überfahrenes Stinktier. "Internet? Da sind wir hier das Tal der völlig Ahnungslosen", sagte die nette Kiosk-Verkäuferin lachend. "Ist doch auch mal schön, oder?" Mein Mit-Camper brummte etwas Unverständliches in seinen Bart, ich war mir nicht sicher, ob er es wirklich auch schön fand.

Eine Woche ohne Handy war wie eine Befreiung

Meine Brödla und ich kehrten zum Zeltplatz zurück, wo meine Frau und ich uns in die Sonne setzten, in den Himmel schauten, den Kindern auf dem Spielplatz zusahen und in aller Ruhe frühstückten. Dabei unterhielten wir uns. Nicht falsch verstehen: Meine Frau und ich unterhalten uns öfter mal. Aber beim Frühstück geht mein erster Griff für gewöhnlich zum Handy, um Schlagzeilen, WhatsApp-Nachrichten und E-Mails zu lesen und auf Facebook vorbeizuschauen.

Das Erstaunliche war, dass mir diese tägliche Routine kein bisschen gefehlt hat. Genauso wenig wie das mindestens stündliche Aufs-Handy-Glotzen, um ja nicht den Anschluss zu verlieren. Hier mal fünf Minuten, da mal eine Viertelstunde. Was da an Zeit draufgeht! Pro Tag eineinhalb Stunden Handynutzung, das macht 547,5 Stunden pro Jahr, das sind knapp 23 vergeudete Tage pro Jahr. 23 Tage! Um ehrlich zu sein, die funklochbedingte Handylosigkeit war wie eine Befreiung. Die Befreiung von dem Zwang, das komische Wischkästla alle paar Minuten in die Hände zu nehmen, weil man ja etwas verpassen könnte.

Aber was verpasst man da eigentlich? Die nächste Sau, die kreischend durchs Dorf getrieben wird? Die nächste globale Katastrophe? Das nächste Facebook-Posting eines entfernten Bekannten, der seine Sammlung selbstgeschnitzter Löffel präsentiert? Zugegeben, es sind sehr schöne Löffel. Aber mir fehlt nichts, absolut nichts, wenn ich sie nicht sehe.

Nichts mitgekriegt, macht nichts

Wenn ich die Schlagzeilen auf meinem Handy überfliege, sage ich gerne zu mir selbst, "ich schaue, ob die Welt noch steht" (keine Ahnung, was das soll, hat sich so festgesetzt). Eine Woche ohne Handy später musste ich erkennen: Sie steht noch. Sie steht noch, obwohl ich mir nicht wie ein hoffnungsloser Junkie alle paar Minuten den nächsten Handy-Fix geholt habe. Man muss schließlich nicht alles mitkriegen. Unwissenheit ist ein Segen, sagt man doch. Stimmt!

Nach dieser Woche fühlte mich so entspannt und ausgeglichen wie seit langer, langer Zeit nicht mehr.

Das Funkloch, es war ein Traum.



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