München
Abteilung Attacke

Die Hoeneß-Affäre ist keine Kleinigkeit

Uli Hoeneß war viele Jahre ein Vorbild. Seine Lebensleistung FC Bayern München bleibt zwar, doch die Steuer-Affäre wird nicht ohne Folgen bleiben. Den Status, den er hatte, hat er mit seiner weißen Weste verloren.
Artikel drucken Artikel einbetten
Uli Hoeneß sitzt allein auf der Tribüne beim Spiel des FC Bayern München in Hoffenheim. Foto: Ronald Wittek/dpa
Uli Hoeneß sitzt allein auf der Tribüne beim Spiel des FC Bayern München in Hoffenheim. Foto: Ronald Wittek/dpa
Ist Uli Hoeneß ein Steuerbetrüger? Ausgerechnet der Mann, der mit unternehmerischem Geschick die Münchner Bayern zu einem der profitabelsten Unternehmen im Fußballgeschäft gemacht hat. Ausgerechnet der, der oft das ausgesprochen hat, was vielen Fans auf den Nägeln brennt. Der Fifa-Boss Joseph Blatter die Maske vom Gesicht riss, als der sich zum Korruptionsbekämpfer aufschwingen wollte. Einer, der für die unverbrämte Wahrheit im Profigeschäft stand wie in der Kokain-Affäre um Christoph Daum. Hoeneß - der Mann, der für die menschliche Komponente im knallharten Geschäft Profifußball stand und Fußballern auch dann noch half, als sie die Gehaltsliste längst verlassen hatten. Er - ein Steuerbetrüger?

Oliver Pocher, eher bekannt als TV-Komiker mit einem Händchen für Rohrkrepierer, hat als unvermeidlicher Boulevardgast bei "Günther Jauch" in der ARD tatsächlich einmal etwas Richtiges und Wichtiges gesagt. Dass nämlich Bayern-Fans nun die Dinge vielfach wohl anders einordnen werden als Anti-Bayern. Ja, das kennen wir. Und erinnern uns an Guttenberg, an Wulff und all die anderen Enttäuschungen in Menschengestalt - ja, auch da war hier und da stets der Drang herunterzuspielen, kleinzureden, schmunzelnd abzuwinken. Hörten wir da nicht immer wieder den Satz, man selbst hätte es doch auch so gemacht? Oder dass das Geschehene doch eine Winzigkeit sei im Vergleich zu dem, was das von den bösen Medien zum Täter gemachte Opfer darstelle, erreicht oder getan habe?

Auch in der Affäre Hoeneß muss deshalb nur eine Frage gestellt werden: Was war passiert? Es geht nicht um die Höhe von Summen oder welch guter Mensch er ist. Es geht schlicht und einfach um den Managertypen, dem man mit Blick auf seine Erfahrung nicht abnehmen kann, nur fahrlässig Geld am Fiskus vorbeigeschleust und damit die Allgemeinheit betrogen zu haben. Und die Tatsache, dass er sich wohl erst dann seiner Professionalität wieder erinnert haben könnte, als ihm die Politik die Tür zum Schweizer Steuerabkommen vor der Nase zugeschlagen hat, zieht das Ganze ins Politische - unfreiwillig komisch für den CSU-nahen Hoeneß, dass er plötzlich auch noch von den ungeschickten Udes und Steinbrücks dieser Welt ablenkt.

Man wird vielleicht darüber schmunzeln, dass ausgerechnet Moralapostel Hoeneß eine solche Dummheit begangen haben könnte. Oder darüber, dass seine Tat im Verhältnis in etwa so war, wie wenn sich Otto Normalverbraucher bei der Steuererklärung die eine oder andere Kleinigkeit verkneift. Ihm jedoch die Absolution zu erteilen, weil er im Vorfeld ein guter Mensch und Manager war - das ist nicht witzig, sondern unerhört falsch. Schließlich darf eben auch Otto Normalverbraucher im Supermarkt um die Ecke nicht lange Finger machen, nur weil er jahrelang dort eingekauft und überhaupt als sozialer netter Mensch gelebt hat.

Nein: Hoeneß ist kein Vorbild, kein Mächtiger mit Herz, den wir bewundern. Nicht mehr, wenn er Steuerschulden absichtlich verschwiegen hat. Er reiht sich dann vielmehr ein in die Reihe derjenigen, deren Lebenswerk wir vielleicht achten, deren Gier aber verachten. Möglicherweise bleibt er der lautstarke Mahner der "Abteilung Attacke", so wie er auch jetzt schon wieder den Medien für ihre "Exzesse" juristische Schritte androht. Aber: Wer Steuerrecht umgeht, dessen Weste ist nicht weiß. Auch ein Hoeneß könnte nicht mehr so poltern wie einst, wenn jeder wüsste: Uli ist ein Steuerbetrüger.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren